A Chocolate Love Story

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Dies ist die wunderbare Geschichte von Hendrik und Yayra, zweier Männer mit großen Ideen: Wie sie sich fernab jeglicher Zivilisation kennen und schätzen lernten und neben einer Handelsbeziehung auch eine Freundschaft aufbauten. Warum das wichtig ist? Weil am Ende daraus fairafric entstanden ist, wie ihr es heute kennt – und es euch schmecken lasst.

 

Am Anfang stand eine Idee. Am Ende wurde daraus tafelweise Schokolade. Der Weg dazwischen war lang. Wir schreiben das Jahr 2016 und Hendrik hat es nach einer Crowdfunding-Kampagne geschafft, die erste Charge fairafric-Schokolade in Ghana produzieren zu lassen. Doch schnell ist ihm klar: Vieles muss noch optimiert werden, angefangen bei den Bohnen. So steckt er sich als nächstes Ziel, Bio-Kakaobohnen zu verwenden. Noch bevor er diesen Plan konkretisieren kann, kommt ihm der Zufall zur Hilfe: Über viele verschlungene Wege wird Hendrik auf Yayra aufmerksam und arrangiert ein Treffen, das sie Ende 2016 verwirklichen werden. Zugegeben, dieses Treffen war nicht komplett fernab jeglicher Zivilisation, aber immerhin tief in einer schattigen Kakaoplantage, weit hinter der ghanaischen Hauptstadt Accra. Zwischen sorgsam betreuten Kakaobäumen, die sich unter einem dichten, grünen Blätterdach tummelten, das kaum einen Sonnenstrahl auf den Boden fallen ließ, begegneten sich die beiden zum ersten Mal. Der Treffpunkt war dabei nicht zufällig gewählt: Es war eine von Yayras Bio-Kakaoplantagen. Bis dato wusste Hendrik noch nicht einmal sicher, dass es in Westafrika überhaupt Bio-Kakaoanbau gibt. Der Rest ist Geschichte und schnell steht fest: Die beiden verstehen sich und sie verfolgen die gleiche Idee. Bio-Schokolade, die im Herkunftsland Ghana produziert wird und den Farmer*innen sowie den Produzent*innen faire Löhne und lebenswürdige Bedingungen verspricht.

Einmal Schweiz und zurück

Doch wer ist Yayra? Geboren in Ghana ging er 1990 als junger Student im Rahmen eines Austauschprogramms in die Schweiz. Später studierte er dort Jura und wurde Anwalt, denn er wollte an den Gerichtshof nach Den Haag, um so afrikanische Diktatoren juristisch belangen zu können. Bis dahin arbeitete er für das Schweizer Asylgericht, wo er zahlreiche ghanaische Wirtschaftsmigranten vertrat und Herkunftsanalysen durchführte. Schnell bemerkte Yayra, dass ein Großteil dieser Flüchtlinge einen Background als Kakaofarmer*innen hatte, von dieser Arbeit aber schlicht nicht leben konnte. Wir konnte es sein, so fragte er sich, dass die Not arbeitender Menschen so groß wird, dass sie freiwillig ihre Heimat verlassen? Der Wunsch, diesen, seinen Landsleuten, zu helfen, wurde bald Yayras neues Ziel. Durch Zufall lernte er zu dieser Zeit den damaligen ghanaischen Handelsminister kennen.

Löffel mit Meersalz

Dieser erkannte Yayras Potential und hatte die Macht, Yayras Ideen Wirklichkeit werden zu lassen: Ökolandbau für Kakaobohnen in Ghana. Fairer und nachhaltiger Kakaoanbau war in Ghana bis dahin gänzlich unbekannt und brachte zwei große Herausforderungen mit sich: Die erste war die Krankheitsanfälligkeit der Kakaopflanzen. Zwar wächst der Kakaobaum sehr gut in Westafrika, doch ist der Einsatz von Pestiziden und Fungiziden ob dieser Anfälligkeit der Bäume für Krankheiten, Schimmel und Pilze in der herkömmlichen Landwirtschaft quasi unumgänglich. Das andere Problem war schlicht wirtschaftlicher Art: Durch die Preisdeckelung auf dem Kakaomarkt mussten Sondergenehmigungen eingeholt werden, die es möglich machten, bessere Preise für Biobohnen zu bekommen und somit die Bauern und Bäuerinnen besser entlohnen zu können. Zumindest dieses Problem konnte Yayra mit Hilfe des Ministers lösen; sie erwirkten eine Sondergenehmigung, um bessere Preise und somit auch höhere Löhne zahlen zu können. Damit und mit Hilfe von Schweizer Subventionen gelang auch die Umstellung von herkömmlich bewirtschafteten Kakaoplantagen auf Bio-Plantagen. Diese dauert ungefähr zwei Jahre; so viel Zeit wird mindestens benötigt, um alle Schadstoffe aus Erde und Pflanzen zu bekommen und neue Nutzpflanzen anzubauen. Auch der Schweizer Schokoladenhersteller Felchlin glaubte an Yayra und sein Projekt und leistete wertvolle Unterstützung in Form von Know-how für die Farmer*innen. So wurden Anleitungen zum Bio-Anbau im Cartoon-Stil angefertigt, da viele der Kakaoerzeuger*innen Analphabet*innen sind und schriftliche Erklärungen gar nicht lesen könnten. Zudem unterzeichnete Felchlin Abnahmegarantien für die erzeugten Bohnen, auch solche, die während der Übergangsphase von normalem auf Bio-Landbau produziert wurden.

Acht Jahre später zeigt sich nun, was Yayra mit Hilfe seiner Unterstützer geschafft hat: Er startete mit 1600 zertifizierten Mitgliedern – nun sind es schon über 5000 Produzent*innen, die für ihn und seine Idee fairen Bio-Kakao produzieren und besser bezahlt werden als ihre herkömmlich wirtschaftenden Kolleg*innen. Da sie bessere Löhne beziehen und somit auch ihre Lebensqualität steigt, erhält dieses wunderbare Projekt auch immer mehr Zulauf von Farmer*innen, die (noch) herkömmlichen Kakaoanbau betreiben.

 

Yayra & fairafric – what a match!

Auch fairafric ist von diesem Projekt und Yayras Arbeit überzeugt, und die 2016 geschlossene Partnerschaft entwickelt sich stetig weiter: Wir haben zusammen mit Yayras Yayra Glover Kooperative einen Businessplan erarbeitet, haben weiter günstiges Kapital akquiriert, haben bei COCOBOD Werbung für den Biolandbau gemacht und leisten weiter wichtige Aufklärungsarbeit, was der Biolandbau für positive Veränderungen bei Mensch und Natur hervorruft. Zudem lassen wir uns stetig etwas für „unsere“ Farmer*innen einfallen: So haben wir beispielsweise zusammen mit den Farmer*innen Kokospalmen-Setzlinge gepflanzt, damit diese eine weitere Einnahmequelle neben dem Kakaoanbau haben.
Also Ende gut, alles gut? Noch nicht ganz: Leider können wir die Bio-Kakaobohnen nicht direkt von den Bäuerinnen und Bauern kaufen, denn durch die Regulierung des ghanaischen Kakaomarktes müssen alle in Ghana erzeugten Kakaobohnen zuerst an die ghanaische Regierung verkauft werden, von wo wir sie dann erst beziehen können. Das bedeutet für uns mehr Aufwand und Arbeit und auch sonst müssen wir viele bürokratische Klippen umschiffen. Aber das alles nehmen wir gerne in Kauf, denn gute Dinge entstehen ja meist nicht einfach so – und gute Schokolade erst recht nicht!

 

Salzfelder

 

Das Bio-Bohnen-Handelskapital: Ein kleiner Exkurs am Ende für alle Leser*innen, die es ganz genau wissen wollen

Ihr wollt wirklich bis ins letzte Detail wissen, woher das Geld für die Biobohnen kommt? Dann folgt uns auf eine kurze Exkursion in die Welt der Finanzen: Yayra bezieht „seine“ Bio-Bohnen über sogenannte purchasing clerks (PCs), zu Deutsch wären das Einkäufer*innen, die die Ware aus den Bio-Communities, also direkt ab Erzeuger*innen, kaufen. Die PCs bekommen von Yayra Geld, um die Bohnen den Farmer*innen direkt bar abkaufen zu können. Sobald die PCs genügend Bohnen haben, rufen sie Yayra an, damit er die Ware abholen kommt. Während der Erntezeit fährt Yayra täglich mit seinem Truck durch die Communities (also durch das abgelegenste Buschland) und holt die Bohnen dort von den PCs ab. Die Bohnen werden anschließend analysiert (sind sie korrekt getrocknet und fermentiert, sind Fremdkörper wie Steine etc. in der Ernte), nach Größe sortiert (das geschieht maschinell) und werden im Anschluss neu nach Gewicht / Größe verpackt. Ist auch dieser Vorgang abgeschlossen, wird der Regierung Bescheid gesagt, damit diese die Säcke kaufen kann (ihr erinnert euch – alles läuft in Ghana über die Regierung). Bevor die Expert*innen der Regierung allerdings die Bohnensäcke abnehmen, wird wirklich ausnahmslos jeder einzelne Sack von ihnen erneut genauestens überprüft und nach unterschiedlichen Qualitätskriterien eingestuft – dafür werden bei jedem Sack ca. 1,5 KG Kakaobohnen für die Kontrollen entnommen. Das macht eine enorme Summe!

 

 

Khoisan Mitarbeiterin

 

 

Yayras Bio-Bohnen kommen dann in ein spezielles Lager (ein Bio-Lager, in dem ausschließlich Bio-Kakaobohnen gelagert werden dürfen) in Accra. In ganz Ghana gibt es von diesen Bio-Lagern bisher nur drei Stück! Wenn die Bohnen schließlich nach mehreren Tagen im Lager ankommen, wird von den Lagerleiter*innen nochmals eine Qualitätskontrolle durchgeführt, bevor sie angenommen werden. Nun erst bekommt Yayra sein Geld von der Kakaobehörde, das er den PCs ausgelegt hat, um die Bohnen mit Bargeld zu kaufen. Doch bis er das Geld von der Regierung erhält, kann es dauern – oft mehrere Wochen, sogar bis zu zwei Monate. Dieser Zeitraum muss natürlich überbrückt werden, denn Kakaobohnen sind sehr teuer und in Summe muss Yayra viel Geld auslegen – das ist das sog. Handelskapital. Für dieses Handelskapital verwendet Yayra einerseits Rücklagen, andererseits muss er auf einen Überziehungskredit einer Bank zurückgreifen – es handelt sich hier immerhin umgerechnet um mehrere hunderttausend Dollar!

Dieser Kredit hat nur einen Haken: Zinsen! Um genau zu sein 35% Zinsen! Und das bei einem so sicheren Geschäft, denn immerhin garantiert der Staat Yayra die Marge. Doch wie kommt es zu diesen hohen Zinsen? Der hohe Zinssatz setzt sich einerseits aus dem hohen ghanaischen Leitzins und andererseits aus der hohen Inflation zusammen und stellt eine enorme finanzielle Belastung dar.
Doch Hendrik und Yayra hatten eine Idee: Fremdwährung! Wenn Yayra es schaffen würde, den Kredit in Euro oder Dollar aufzunehmen, dann würden die horrenden Zinsen wegfallen. Die Chancen dafür standen gut, denn immerhin bekommt Yayra die Bio-Prämie ebenfalls in Dollar. Und diese sicheren Dollar-Einnahmen könnte er wiederum zur Rückzahlung der Dollar-Zinsen verwenden. Aus dieser Idee erstellten Hendrik und Yayra einen ausgeklügelten Businessplan inklusive Profitabilitätsplanung und gingen damit in Europa auf Spender*innensuche. Das Ende vom Lied ist sicher absehbar, da ihr unsere feinste Bio-Schokolade in den Händen haltet: Es wurde ein Kreditgeber gefunden – und unser kleines Schokoladenbusiness dadurch wiederum ein Stück leichter. Welch süße Neuigkeiten!