Comedy in Ghana

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Im Rahmen der Osterfeiertage möchten wir von fairafric uns einem ganz besonderem Thema widmen: Der Entwicklung der ghanaischen Comedy-Szene und seinem wohl wichtigsten Event: Der Easter Comedy Show. Gerade an heiligen Festen wie z. B. auch an Ostern, gibt es kulturabhängige Bräuche und Rituale. In Ghana zum Beispiel hat das Thema Comedy einen sehr hohen Stellenwert in der Osterzeit. Einen noch höheren, als generell schon. Gelegenheit also, sich einmal genauer anzuschauen, in welchem Zustand sich diese in Ghana so beliebte Branche aktuell befindet.

 

Easter Comedy Show und seine Bedeutung

Die Easter Comedy Show gilt in Ghana als eine der wichtigsten Veranstaltungen des Jahres. In einer großen Show, welche jährlich in der Osterzeit in Accra steigt, geben sich renommierte Comedians die Klinke in die Hand.

Eines der Highlights letzten Jahres war zum Beispiel der Aufritt von Comedian Jephthah “Akpororo” Bowoto. Er hatte es sich besonders zu Herzen genommen, die Zuschauer*innen aus ihren Sitzen zu reißen. Neben Gesangseinlagen, forderte er unter anderem einen Zuschauer auf der Bühne zu einem Tanzduell heraus.

Neben Akpororo traten Schwergewichte der Szene wie OB Amponsah, Senator, Hogan und Waris auf.

Dieses Jahr wird es im Zuge des COVID-19 leider keine Easter Comedy Show geben. Wer aber neugierig ist, wie dieses Event aussieht, kann sich hier einen beliebten Part aus der 2019er Show anschauen:

 

Ghanaischer Humor

Doch was genau macht den typisch ghanaischen Humor überhaut aus?

Ein typischer und beliebter Witz in Ghana lautet z.B “They said it couldn´t be done. They said I would never become an entire African country. But im Ghana be”

Witze sollten möglichst einfach sein und dennoch spielerisch, weshalb wie im Beispiel gesehen, oftmals Wortspiele benutzt werden.

Das ghanaische Volk ist stolz auf seinen Sinn für Humor. In der Bevölkerung ist es weit verbreitet und es gilt als Balsam für die Seele, über alles zu lachen. Selbst Missstände in der Gesellschaft wie politische Korruption werden einfach weggelacht, was zeigt, dass der/die typische Ghanaer*in Humor benutzt, um aus vielen unbequemen Situationen herauszukommen. Das Sprichworten “Lachen ist die beste Medizin” trifft wohl auf kaum eine andere Nation so zu, wie auf Ghana. Selbst in Zeiten des Schmerzes, also zum Beispiel in den wirtschaftlich sehr schwierigen Jahren nach der Unabhängigkeit, hat das Volk nie sein Lächeln aufgegeben und sich den Ruf erworben, eine Gesellschaft zu sein, welche mit dem Etikett der Freundlichkeit versehen ist.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Entwicklung der Comedyszene in Ghana

Die Comedyszene in Ghana wurde im Laufe der Jahre ernsthaft vernachlässigt. Für diesen komatösen Zustand werden viele Gründe angeführt. Es gibt nicht genügend Einrichtungen, kaum bis keine staatliche Unterstützung und Finanzierung, eine negative Einstellung des Publikums zu diesem Beruf bis hin zum Zustand der Unsicherheit. Es hat eine Situation geschaffen, in der ausgebildete Theaterkünstler*innen versuchen müssen, in anderen Bereichen ihren Lebensunterhalt zu verdienen, was einen negativen Einfluss auf die Theaterindustrie hat.

Aus der allgemeinen Unterhaltung, welche Fernsehen, Radio, Musik, Film, Kino, Video, Schauspiel und Theater umfasst, hat die Stand-Up-Comedy in den letzten 20 Jahren in Ghana eine große Anziehungskraft auf ihre riesige und unternehmungslustige Industrie ausgeübt. Die Unterhaltungsbranche wuchs stetig an und Comedy war eine willkommene Abwechslung zwischen Musik und Film, welche es im Überfluss gab. Die wenigen, die sich anfangs an den “Clownerie-Akt” gewagt und die ganze Anfangszeit über ausgehalten haben, haben die Früchte geerntet. Diese “erstklassigen” Stand-Up-Comic-Acts erhielten Einladungen zu Veranstaltungen, und nach und nach stieg das Ansehen und die Aufmerksamkeit. Folglich begann der Markt zu wachsen. Kein Wunder also, dass der Wille mehr Spaß und Finesse in Fernsehsendungen, Partys, Zeremonien und sogar Konzerte zu bringen, zum Aufstieg und zur Entwicklung des Genres der Stand-Up-Comedy in Ghana führte.

Fakt ist, dass es in Ghana seit jeher Stand-up-Comedians in Form von Dorfsprecher*innen gibt, insbesondere bei feierlichen Anlässen. Sie verleihen gesellschaftlichen Anlässen in der Regel Farbe und tragen zur Bewunderung derer bei, die sich zu solchen Ereignissen versammeln. Spenden in Form von Geld gehören dazu, denn so erweist man ihnen Respekt und drückt die eigene Wertschätzung aus. Manchmal fordern sie sogar Geld und drohen damit, nicht mehr zu sprechen, es sei denn, jemand erfüllt diesen Forderung. Eine Zeremonie oder Party galt erst dann als gelungen, sobald ein/e Comedian die Leute zum Lachen gebracht hat und das oft als trocken empfundene Programm aufpeppte.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Hier zu sehen: Eine traditionelle Zeremonie in Ghana

 

 

Herausforderungen der Szene

Wie jede andere Branche gibt es auch im Comedy-Geschäft in Ghana Herausforderungen. Dazu gehören unter anderem: Finanzen, Veranstaltungsorte, Sponsoring, negative Wahrnehmung, soziale Medien und das Recycling von Witzen. Es ist notwendig, einen kurzen Blick auf einige der Themen zu werfen.

1. Finanzen

Die Organisation einer guten Show ist nicht billig. Eine optimistische Schätzung für eine gute Comedy-Show würde zum Beispiel bei ca. 200.000 Ghs liegen, was ungefähr 32.000 Euro entspricht. Leider gibt es aufgrund dieser hohen Veranstaltungskosten kaum eine Möglichkeit, diese durch den Kartenverkauf wieder reinzuholen. Die meisten Comedy-Shows bestehen aus mindestens fünf Stand-ups und drei populären Musiker*innen, die teilweise keine Gage verlangen, um ihre Künstlerkolleg*innen zu unterstützen, welche den Gefallen dann erwidern.

2. Veranstaltungsorte

Es ist ebenfalls ungemein schwierig, erschwingliche Veranstaltungsorte für Shows zu buchen. Statistiken zufolge kostet es zwischen 3.000 und 5.000 Ghs (also bis zu 800 EUR), das Accra International Conference Centre oder das National Theatre, Ghana, zu mieten. Hinzu kommt eine Kaution in Höhe von mindestens 1.000 Ghs, also insgesamt 6.000 Ghs. Damit wäre man schon bei knapp 960 Euro, was nicht nur in Ghana sehr viel Geld ist. Die einzig logische Option besteht dann für viele Veranstalter*innen darin, Firmensponsor*innen für Shows anzuwerben. Aber das ist für ghanaische Unternehmen nicht leicht zu bewältigen, da die Firmen ihren eigenen Vorteil klar erkennen müssen.

3. Diskriminierung

Für die Frauen besteht die größte Herausforderung darin, dass die Branche als eine für Männer bestimmte angesehen wird. So werden sie als “Eindringling” in eine “Männerwelt” gesehen, was bedeutet, dass die Komikerinnen sehr hart arbeiten müssen, um sich die Akzeptanz und den Respekt ihrer männlichen Kollegen zu verdienen.

4. Bedeutung sozialer Medien

Die Comedians müssen sich heutzutage mit den aktuellen Entwicklungen auf dem globalen Markt auseinandersetzen- dem Internet und dem globalen Mobilfunkdienst (GSM). Das bedeutet, dass Witze und Acts auf Plattformen wie Facebook oder Youtube auf dem Vormarsch sind, in den sozialen Medien schnell an Popularität gewinnen und somit das Geschäft der Stand-up-Comedians bedrohen. Witze über die erwähnten Plattformen wie zum Beispiel Facebook, die einige Merkmale aufweisen, die denen von Stand-Up-Comedians ähneln, sind im Überfluss vorhanden und z.B. auf Blogs, Websites und Facebook-Seiten leichter zugänglich.

5. Recycling von Witzen

Ein weiteres Problem liegt darin, dass Comedians Witze wiederverwerten, so dass es für einige Stand-up-Komiker*innen sehr schwierig geworden ist, tatsächlich authentisch zu sein oder das Publikum wirklich zum Lachen zu bringen. Einige von ihnen haben versucht, ihr fehlendes Talent damit zu rechtfertigen, dass wenn einige Leute nicht über ihre Witze lachen, dann nicht, weil ihre Witze trocken und nicht lustig wären, sondern weil die Zuhörer*innen intellektuelle Probleme hätten, die Witze zu verstehen. Dies zeigt deutlich, dass einige Comedians in Ghana teilweise zu sehr versuchen lustig zu sein, anstatt wirklich lustig zu sein.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Hier zu sehen: Das International Conference Centre in Accra

 

“Ich bin sehr, sehr glücklich mit dem Zustand der Comedy. Jetzt gibt es eine große Vielfalt von Persönlichkeiten, und es sie machen einen großartigen Job.” – KSM

 

Stimmen aus den Medien

Bis vor einigen Jahren behaupteten Teile der Medien in Ghana, dass die ghanaischen Komiker*innen nicht lustig seien und man deshalb Comedians aus anderen afrikanischen Ländern bevorzuge. Zu einer Zeit, als nigerianische Komiker*innen die Hauptdarsteller der Comedyszene des ghanaischen Marktes wurden, war es für ghanaische Komiker*innen sehr schwierig, akzeptiert zu werden.

Nach der Ära der Slapstick-Comedy begannen einige junge Komiker*innen, Comedy auf Englisch zu machen. Es gab David Oscar  Foster Romanus und Percy  Was sie taten, war jedoch nicht völlig neu; Tommy Annan ForsonKweku Sintim Misa/KSM und einige andere waren auch schon früher mit dieser Idee unterwegs.

 

“Ob es euch gefällt oder nicht, die ghanaische Comedy hat sich durchgesetzt!” – Foster Romanus

 

Aber David Oscar und seine Kolleg*innen waren nicht beliebt. Sie konnten den/die gewöhnlichen Ghanaer*in, welche nigerianische Comedy gewohnt waren, nicht beeindrucken. Dies entmutigte die ghanaischen Komiker*innen jedoch nicht. David Oscar und seine Kolleg*innen nahmen die Herausforderung an und organisierten weiterhin ihre eigenen Shows, um den Leuten zu beweisen, dass sie es können. Heute kann sich Ghana rühmen, einige ziemlich gute Comedians zu haben, darunter OB Amponsah , Clemento Suarez , Jacinta , Lekzy DeComic , DKB , Comedian Waris und einige andere. 

Ende gut alles gut

Die ghanaischen Comedians reisen inzwischen nach Nigeria und können ganze Veranstaltungen mit hunderten Besucher*innen begeistern. Die Organisatoren haben ein gewisses Vertrauen in die ghanaischen Comedians gewonnen, dass man sie buchen kann und trotzdem positives Feedback der Zuschauer*innen bekommen wird. Die meisten dieser Stand-ups haben ihren Auftritten Sketche hinzugefügt, die diese lebendiger machen.

 

Es ist nicht übertrieben zu sagen, dass sich die Branche von einem Zustand des “Nichts” zu einem hoffnungsvollen Zustand des “Etwas” gewandelt hat, wobei sich viele der Comedians immer mehr etablieren und weiterentwickeln. Darüber hinaus kann der Beitrag von Charter House zur Schaffung einer echten Plattform, die “Night of a Thousand Laughs”, die ein dynamischer Nährboden für angehende Stand-Up-Comedians bietet, nicht genug betont werden.