Update (27.4.2020): Corona in Ghana und welche Auswirkungen es auf die Wirtschaft in Ghana haben wird.

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Aus gegebenem Anlass haben wir, das deutsche fairafric Team, die Entscheidung getroffen, bis auf weiteres von Zuhause aus zu arbeiten. In Anbetracht der gegenwärtigen Entwicklung der Corona-Pandemie sehen wir die Notwendigkeit, diesen Schritt zu gehen. Wir wollen damit unseren Beitrag dazu leisten, die Kurve (der Infizierten) möglichst flach zu halten (#flattenthecurve).

Die wirtschaftliche Situation in Ghana

Auch in Ghana gilt seit dem 30. März eine Ausgangssperre für den Großraum Accra, inklusive Tema und den Großraum Kumasi. Die Maßnahmen gelten vorerst für zwei Wochen und sind strikt zu befolgen. Doch was genau bedeutet dies für die ghanaische Wirtschaft, ihre Gesellschaft und unsere Kolleg*innen? Wir haben uns die aktuelle Lage etwas genauer angesehen.

Die wirtschaftlichen Auswirkungen (der Krise) auf Ghana sind allgemein stärker als in vielen Ländern, da die Wirtschaftsbeziehungen zu China gefestigter sind als je zuvor. So hatte das Virus in Ghana bereits vor dem ersten Infektionsfall schwerwiegende Auswirkungen.

Diese zeigen sich auf zwei unterschiedlichen Wegen. Der eine ist indirekt – durch die Verlangsamung des globalen Wirtschaftswachstums wird das Wirtschaftswachstum Ghanas innerhalb der Weltwirtschaft eingeschränkt. Der andere ist direkt – die Auswirkungen auf den gegenseitigen Handel und die Investitionen zwischen Ghana und China, auf die globalen Öl- und Goldpreise und auf die Touristenströme zwischen den beiden Ländern sind erheblich.

Ghanas Hauptexportgüter sind Gold, Kakao und Mineralöl. Expert*innen nehmen an, dass der Export von Rohstoffen wie Gold in Krisenzeiten eher steigen wird, jedoch hängt es bei Kakao und Mineralöl stark von der anhaltenden Nachfrage ab.

Wirtschaft in Ghana: Auswirkungen auf den Kakaomarkt

Momentan lassen sich die wirtschaftlichen Auswirkungen auf den Kakaomarkt noch nicht abschätzen. In Zeiten des Risikos bewegen sich auf den Märkten die Preise aller Produkte tendenziell nach unten. Wenn die Märkte von Preisschwankungen getroffen werden, nimmt die Vernunft oft eine Auszeit. Für uns von fairafric Deutschland und fairafric Ghana ist klar: Gerade jetzt in diesen ungewissen Zeiten ist Solidarität wichtig. Wir werden weiterhin Bioprämien an unsere Farmer*innen zahlen und unsere langfristigen Kooperationspartnerschaften pflegen, welche durch die aktuelle Lage noch mehr darauf angewiesen sind.

Die Situation bietet leider einige Unklarheiten, weshalb es notwendig ist, eine faire und transparente Beziehung durch alle Lieferketten aufrechtzuerhalten. Wir bleiben aber optimistisch, denn die universelle Liebe zur Schokolade könnte die Preisentwicklung auf dem Kakao-Markt viel unempfindlicher gegenüber der aktuellen Risikolage machen. Gerade in der aktuellen Situation werden Menschen wohl eher mehr als weniger Kakaoprodukte konsumieren.

Wirtschaft in Ghana: Auswirkungen auf den Ölmarkt

Der Ölpreis ist infolge der momentanen Situation gefallen, da sich die Nachfrage in diesem Sektor verringert hat. Dies ist ein Bereich, in dem Ghana direkte Auswirkungen des Ausbruchs des Virus spüren wird. Die Verbraucher*innen von Erdölprodukten in ganz Ghana bereiten sich darauf vor, durch niedrigere Preise an den Zapfsäulen zu profitieren. Die Berechnungen des Preisanstiegs (während des aktuellen Zeitfensters für die Preisbildung) sind negativ geworden.

Wirtschaft in Ghana: Auswirkungen auf den Goldmarkt

Der vielleicht größte Nutzen für Ghana wird jedoch aus dem Anstieg des Goldpreises auf den globalen Märkten resultieren, da die wirtschaftlichen Unsicherheiten Investor*innen auf der ganzen Welt dazu veranlassen, ihr Kapital in Gold anzulegen. Zu Beginn dieser Woche kletterte der Goldpreis auf ein Hoch von 1.691,70 US-Dollar, den höchsten Preis seit Anfang 2013, bevor er sich etwas zurückzog. Als Afrikas wichtigster Goldproduzent dürfte Ghana von der anhaltenden Preiserhöhung stark profitieren.

Wirtschaft in Ghana: Import & Export

Die andere bedeutende Auswirkung auf die ghanaische Wirtschaft ist die Auswirkung auf die Wechselkurse. Seitdem Reisen nach China höchst unattraktiv geworden sind, sind die Importe aus diesem Land eingebrochen. Die eigene Währung steigt deshalb im Wert, da wieder mehr Transaktionen mit dem Cedi durchgeführt werden. Die daraus resultierende Aufwertung des Cedi hat gezeigt, wie groß die Nachfrage nach Devisen auf den lokalen Währungsmärkten ist, um die Zahlungen für chinesische Importe zu decken. Mitte dieser Woche notierte der US-Dollar unter 5,30 GHc (ghanaischer Cedi), gegenüber etwa 5,50 GHc vor einem Monat, da in Ghana aufgrund der aktuellen Lage wieder vermehrt mit der eigenen Währung Handel betrieben wird.

Die Regierung wird einige Anpassungen vollziehen müssen, da die Einnahmen aus den Importzöllen zwangsläufig einbrechen werden. Umgekehrt wird sich die importierte Preissteigerung erheblich verlangsamen, wodurch sowohl der Staat als auch die Haushalte landesweit entlastet werden. Da Ghana stark von Importen abhängig ist und seine Exporteinnahmen weitgehend von Primärrohstoffen abhängen, wird es bei einem aufgewerteten Cedi weit mehr Gewinner als Verlierer geben. Früher oder später wird sich jedoch die Nichtverfügbarkeit relativ billiger Konsumgüter und industrieller Inputs aus China bemerkbar machen, was Haushalte und Unternehmen gleichermaßen vor Probleme stellen wird.

Die wirtschaftliche Lage Ghanas zusammengefasst

Zusammenfassend lässt sich also feststellen, dass zwei der drei Primärrohstoffe Ghanas die Krise gut überstehen sollten. Gerade der Wert von Gold wird durch die steigenden Investitionen eine positive Auswirkung auf die Wirtschaft in Ghana haben. Der Wert von Kakao könnte durch die aktuelle Situation etwas sinken, doch die Nachfrage wird wohl weiterhin stabil bleiben, da Kakaoprodukte und insbesondere Schokolade ein konstant nachgefragtes Produkt darstellen. Nichtsdestotrotz wird der eingeschränkte und von Verzögerungen belastete Frachtverkehr wahrscheinlich einen erheblichen Einfluss auf den Export und Handel von Kakaoprodukten haben.

Der Umgang mit Corona in Ghana

Auch in Ghana gibt es seit einigen Tagen die ersten offiziell gemeldeten Fälle des COVID-19. Die Regierung hat 2,5 Millionen GHc (456.204,38 Dollar) als Starthilfe für die erste Umsetzung des nationalen Bereitschaftsplans bereitgestellt. Dadurch hat unter anderem das Gesundheitsministerium ein Verfahren zur Beschaffung von 10.000 Stück persönlicher Schutzausrüstung für die Beschäftigten in Risikoberufen eingeleitet. Darüber hinaus wurde ein nationaler technischer Ausschuss für die Koordinierung mit Expert*innen aus verschiedenen Gesundheits- und Sicherheitsbehörden gebildet und es wurden weitere Interessenvertreter*innen zur Bekämpfung der Krankheit hinzugezogen.

Für das Fallmanagement hatte das Gesundheitsministerium Behandlungszentren, Isolationseinrichtungen und Warteplätze für die Behandlung aller Fälle, die sich bestätigen oder bei denen ein Verdacht besteht, bestimmt. Das Tema General, das Ga East, das Ridge und die Polizeikrankenhäuser sowie alle Regional- und Lehrkrankenhäuser sind in der Lage, Fälle zu behandeln, falls es in Ghana zu vermehrten Infektionen kommt.

Das Ministerium hat Schulungen für Fallmanagementteams in den Krankenhäusern von Tema und Ridge durchgeführt und einen Prozess zur Bestimmung weiterer Zentren in den bevölkerungsreichen Gebieten von Accra, Kumasi, Takoradi und Tamale eingeleitet.

Weiteres Update vom 27.04.2020

Wir von fairafric sind durch unser Tochterunterehmen fairafric Ghana Limited stark mit Ghana und dem afrikanischen Kontinent verwurzelt. Deshalb ist es für uns eine Herzensangelegenheit, Stellung zu der aktuellen Berichterstattung zu beziehen.

Die mediale Darstellung Ghanas

Die Coronakrise ist ein globales Problem, welches jedes Land, sogar jeder Kontinent, anders handhabt. Der afrikanische Kontinent wird in den westlichen Medien oftmals wenig wahrheitsgetreu dargestellt und teilweise sogar nicht einmal erwähnt. Dabei ist die Rollenverteilung oft klar: Die westliche Welt hat funktionierende Systeme, wobei jedes Zahnrad ineinander greift. Die afrikanischen Länder jedoch seien stark auf unsere Hilfe angewiesen, da die Systeme dort nur durch unsere Unterstützung funktionierten und aufblühen könnten. Dass diese Denkweise nicht nur übertrieben, sondern von Grund auf inakzeptabel ist, zeigt unter anderem die aktuelle Situation sehr deutlich.

20.000. Das ist in diesem Fall keine bedeutungslose Zahl, sondern die Zahl der mit Corona infizierten Menschen in ganz Afrika. Somit erschafft das neuartige Virus auch hier eine außergewöhnliche Konstellation: Europa und die westliche Welt sind das Zentrum der Epidemie, Afrika spielt eher eine untergeordnete Rolle.

Doch Afrikas geringere Anzahl infizierter Menschen nur auf die geographische Lage oder die klimatischen Bedingungen zu reduzieren, wäre nicht nur fatal, sondern schlichtweg überheblich. Denn die afrikanischen Regierungen haben teilweise deutlich schneller und souveräner auf die Coronakrise reagiert, wie zum Beispiel die vor kurzem angekündigte Übernahme der Wasserrechnungen des ghanaischen Volkes zeigt. Während in Europa teilweise erst nach dem Ausbruch und der darauffolgenden Verbreitung gehandelt wurde, verfügen in Afrika viele Länder schon ab dem ersten bestätigten Corona-Fall, wenn nicht sogar vorher, drastische Einschränkungen des öffentlichen Lebens. Madagaskar stellt für 30 Tage alle Flugverbindungen nach Europa ein. Ruanda schließt ab sofort alle Schulen und Kirchen. Kenia lässt ein 25-köpfiges Team alle Kontaktpersonen der bei der Rückkehr aus den USA als infiziert gemeldeten Person aufspüren und unter Quarantäne stellen. Senegal sagt die Feiern zum Unabhängigkeitstag ab.

Aktuell wird in Ghana von einigen Firmen sogar persönliche Schutzkleidung wie z.B Gesichtsmasken, Ärztekittel und Kopfbedeckungen für die Arbeiter*innen, welche einem höheren Infektionsrisiko ausgeliefert sind, hergestellt. Die Firmen Dignity DTRT, Sleek Garments, Cadling Fashions, und Alfie Designs Limited wurden dafür in einem strengen Auswahlverfahren von der Regierung auserkoren. Dadurch wird sichergestellt, dass das Equipment höchsten Anforderungen entspricht.

Der ghanaische Handelsminister Alan Kyerematen besuchte die einzelnen Unternehmen sogar persönlich und sprach dem Management und den Mitarbeiter*innen die Dankbarkeit der Regierung und des Volkes aus. Er nutzte auch die Gelegenheit, um noch einmal strikt auf die Hygieneanforderungen der WHO (World Health Organisation) zu verweisen.

Die Unternehmen planen insgesamt 3,6 Millionen Masken herzustellen, die über das ganze Land verteilt werden sollen. Bei einer Pressekonferenz am 7. April 2020 zu COVID-19 sagte Gesundheitsminister Kwaku Agyeman Manu, dass erwartet wird, alle Masken innerhalb einer Woche fertigzustellen.

“Der Präsident unternimmt alle Anstrengungen, das Ministerium mit Ressourcen auszustatten, um sicherzustellen, dass wir über eine angemessene Anzahl von Schutzausrüstungen verfügen. In seiner Rede sprach er davon, die Gelegenheit der Krise zu nutzen, um lokale Kapazitäten aufzubauen, um einige dieser Dinge vor Ort zu erledigen. Während ich spreche, hat der Handelsminister fünf [lokale Firmen] ausgewählt, um 3,6 Millionen Gesichtsmasken zu nähen. Sie werden ab morgen mit der Lieferung beginnen. Wir werden jeden Tag 150.000 Stück erhalten, und innerhalb der nächsten sieben Tage wird das ganze Land mit diesen Masken überschwemmt werden, insbesondere für das Gesundheitspersonal”, so Agyeman weiter.

Natürlich ist all dies auch von der Sorge getrieben, dass das Virus, wenn es sich einmal festsetzt, in Afrika mangels allgemeiner Gesundheitsversorgung noch viel verheerender wüten könnte als anderswo. Doch herrschte international zu Beginn der Coronavirus-Ausbreitung noch die Sorge, Afrika sei am schlechtesten gerüstet, zeigt sich jetzt, dass die gesammelten Erfahrungen bei der Bekämpfung anderer Seuchen wie zum Beispiel Malaria oder Ebola viel gebracht haben.

Wir haben also festgestellt, dass der afrikanische Kontinent die Krise ziemlich gut eindämmt und so verhindern möchte, dass die Infizierungen zu stark ansteigen, was ohne Zweifel immense Probleme in dem Gesundheitssektor hervorheben würde. Die Präventivmaßnahmen zeigen, dass die afrikanischen Länder alles dafür tun, ihr Volk nach bestem Gewissen zu schützen. Doch wieso wird in den westlichen Medien nicht diese Seite der Medaille gezeigt? Ein Beispiel dafür, ist der am Ostersonntag erschienene Bericht der Tagesschau zum Thema “Ausbreitung des Corona Virus in Afrika”. Dort wurde Afrika als eine große Masse zusammengeschlossen, bei welcher „Experten davon ausgehen, dass die Ansteckungsrate dort (in Afrika) viel höher sein wird, als in Europa oder den USA“. Der einzig genannte Experte war dann Bill Gates. Bill Gates? Ein Mann, welcher ohne Zweifel viel gutes außerhalb seines Geschäftsfeldes erwirkt. Doch dies macht ihn keineswegs zum Experten. Erst recht nicht für Afrika.

In der westlichen Berichterstattung werden so gut wie nie afrikanische Expertinnen zur Einschätzung herangezogen. So wurden zum Beispiel keine Meinungen aus den von Expertinnen besetzten Testlaboren eingeholt, welche über alle Regionen Ghanas verteilt sind. Die Teams des Noguchi Memorial Institute for Medical Research, Kumasi Centre for Collaborative Research und auch des National Public Health Reference Laboratory besitzen alle ausreichend Expertise, werden jedoch von westlichen Medien überhaupt nicht befragt. Diese hätten aus erster Hand berichten können, wie souverän die afrikanischen Länder teilweise agieren und wie weiter oben aufgeführt deutlich effizienter Präventivmaßnahmen gegen die Ausbreitung vollzogen werden. Doch dieser differenzierte Blick fehlt oft, und so wird schnell vergessen: Afrika ist mehr als nur ein Land. Afrika ist ein Kontinent mit 55 Staaten und knapp 30 Millionen Quadratkilometern Fläche. Die afrikanischen Ländern haben alle eigene, unabhängige Regierungsapparate, was durch die Aussage “in Afrika”, welche suggeriert, das all diese Ländern unter einer Führung agieren, leider nicht genug gewürdigt wird.

Die aktuelle Situation sollte deutlich machen, dass afrikanische Länder und Regierungen fähiger sind, als es bei uns teilweise vermittelt wird. Es wäre also eine lohnenswerte Konsequenz, auch bei Berichterstattungen einmal über den Tellerrand hinauszublicken und Medien und Expertise aus afrikanischen Ländern heranzuziehen. Denn auch dort haben viele gute Ideen und Lösungsansätze ihren Ursprung.