Das „äquatoriale“ Gold – Kakao, Kakaohandel und seine Akteur*innen

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Kakao, auch als „braunes“ oder „äquatoriales“ Gold bezeichnet, gehört im Globalen Norden zu den beliebtesten Konsumgütern. Als Basis für schokoladige Süßigkeiten verbraucht jede*r in Deutschland circa 4,5 Kilogramm an reinem Kakaopulver pro Jahr. Der Kakaoanbau findet meist in Regenwaldgebieten statt. Dabei werden die Kakaobohnen zum größten Teil von Kleinbauer*innen geerntet. Fairer Handel ist beim Anbau von Kakao noch wenig ausgeprägt. fairafric setzt hier an und bezahlt Kakaoproduzent*innen nicht nur faire Preise, sondern belässt die Wertschöpfung im Ursprungsland, indem from tree to bar mit zertifizierten Zutaten Schokolade in Ghana produziert wird.

Sieben Millionen Tonnen Schokolade werden jährlich weltweit verzehrt. Die wichtigste Zutat für unsere Schokolade, die Kakaobohne, gedeiht am besten in Westafrika. Hauptproduktionsländer sind die Elfenbeinküste und Ghana. Der Marktpreis beim Export der unverarbeiteten Kakaobohnen liegt bei circa 2.000 US Dollar pro Tonne. Die Wertschöpfung findet jedoch in den schokolade-produzierenden Ländern wie den USA, Deutschland, Schweiz und Belgien statt. fairafric schafft es durch die Produktion von Schokolade vor Ort in Ghana das Einkommen auf über 10.000 US Dollar – um das Vierfache – pro Tonne zu heben. 

Wie wird Kakaopulver produziert?

fairafric bezieht sein Kakaopulver vom Partner Chocomac Ghana Limited, der einzigen bio zertifizierten Cocoa Initiative in Ghana. Diese besteht aus circa 1400 Farmer*innen aus der Volta und Suhum Region, wo auch unsere neue solarbetriebene Schokoladenfabrik gebaut wurde. Mehr zu unserem Fabrikbau hier: https://fairafric.com/de/fabrik-update. Unsere Kakaofarmer*innen bekommen 600 US Dollar Bio-Prämie pro Tonne Kakao und werden zum biologischen Kakaoanbau, der nachhaltigen Ertragssteigerung und der richtigen Fermentation der Bohnen regelmäßig geschult. Zusätzlich soll durch das Anpflanzen von Kokosnussbäumen ihr Einkommen diversifiziert werden. Durch die Rückverfolgung der Bohnen zu den Farmen kann fairafric größtmögliche Transparenz garantieren. Seit 2018 sind unsere Kakaofarmer*innen Shareholder der fairafric GmbH.

Kakaopulver wird aus den Kakaobohnen der reifen Kakaofrucht gewonnen. Nach der Ernte werden die Kakaobohnen mit Bananenblättern bedeckt und fermentiert und werden anschließend getrocknet. Während “normaler” Kakao vor der Weiterverarbeitung zu Kakaopulver geröstet wird, wird beim Rohkakao die Röstung ausgelassen und die Bohnen sofort nach der Trocknung zu Pulver gemahlen. Unter Rohkakao wird also ungerösteter Kakao verstanden und nicht etwa – wie Viele meinen – Kakaopulver ohne Zucker. Rohkakaopulver ist etwas malziger, weniger herb im Geschmack und nicht alkalisiert. Der Vorteil von Rohkakao ist, dass Antioxidantien und wertvolle Spurenelemente beim Rösten nicht zerstört werden. Der Großteil des im Handel angebotenen 100-prozentigen Kakaopulvers besteht aus gerösteten Kakaobohnen und ist somit kein Rohkakao.

Fairer Kakaohandel und dessen Hemmnisse

Im internationalen Handel mit konventionellem Kakaopulver beherrschen US-Konzerne wie Cargill und ADM sowie der Schweizer Konzern Callebaut den Markt. Sie fungieren als Zwischenhändler*innen von Kakaoproduzent*innen und Unternehmen der Schokoladenproduktion. Der globale Kakaomarkt ist einer der instabilsten weltweit. Der Preis wird von den großen Rohstoffbörsen in New York und London je nach Nachfrage auf dem Weltmarkt bestimmt.

Der zertifizierte Faire Handel zahlt den Importeur*innen einen Mindestpreis von 2.400 US Dollar pro Tonne. Zusätzlich zu diesem Mindestkaufpreis erhalten Produzent*innen im fairen Kakaohandel eine feste Fairtrade-Prämie von 240 US Dollar pro Tonne Kakaobohnen, die für festgelegte Projekte verwendet werden muss. Zutaten für Fairtrade Schokolade müssen zu mindestens 51 Prozent aus fair gehandelten Rohstoffen bestehen. Die übrigen Rohstoffe sollten zumindest mit dem Fairen Handel vereinbar sein – das heißt beispielsweise ein nachhaltiges Produktionssystem und der Verzicht auf Kinderarbeit. Diese Kriterien sind allerdings für Verbraucher*innen wage und  lassen Fragen in der Durchführbarkeit offen.

Neben dem Fairtrade Siegel wurden aus diesem Grund viele weitere Zertifizierungen von Fairhandelsorganisationen wie die GEPA, Weltpartner oder El Puente in die Welt gerufen, die noch „fairere“ Konditionen bieten. Mehr dazu hier: https://fairafric.com/de/fairtrade-2.

Aufgrund der steigenden öffentlichen Wahrnehmung, strebt auch die Politik vermeintliche Verbesserungen bezüglich des globalen Kakaohandels an. Die Europäische Union erlässt in ihrem Freihandelsabkommen mit verschiedenen afrikanischen Ländern bei unverarbeiteten Kakaobohnen den Importzoll. Im Gegenzug zum Marktzugang zur EU schreiben die bereits abgeschlossenen und geplanten Wirtschaftspartnerschaften (EPAs) den westafrikanischen Ländern vor, ihre lokalen Märkte für EU-Importe zu öffnen. Weitere Informationen zu EU Importen nach Ghana findest Ihr hier: https://fairafric.com/de/eu-importe-nach-ghana. Bei Kakaoprodukten werden dagegen Zölle von circa acht Prozent aufgeschlagen. Das führt dazu, dass wenige Unternehmen Schokolade in den Herkunftsländern, sondern in Europa herstellen. So kann keine weiterverarbeitende Industrie mit qualifizierten Arbeitsplätzen in den Herkunftsländern des Kakaos entstehen.

Neben den fehlenden Arbeitsplätzen in der Schokoladenproduktion vor Ort ist der Anbau von Kakao oft kein Geschäft, das sich rentiert. Viele Familien, die in der Kakaoherstellung tätig sind, leben unter der Armutsgrenze. Das Pro-Kopf-Einkommen von konventionellen ghanaischen Kakaoproduzent*innen liegt bei umgerechneten 0,76 Euro am Tag. In Westafrika, wo etwas zwei Drittel der globalen Kakaoproduktion stattfindet, schließen sich Kleinbauer*innen oft zu Kooperativen zusammen, um überleben zu können. Da die Einnahmen meist nicht für dringende Investitionen wie neue Kakaobäume reichen, können keine optimalen Erträge erzielt werden und es wird auf unbezahlte oder unterbezahlte Kinderarbeit gesetzt. Ein Teufelskreis, dem der Faire Handel entgegenwirken kann.

Alleine in Ghana und der Elfenbeinküste, die größtenteils Kakaopulver für den Schokoladenmarkt in Europa produzieren, arbeiten etwa zwei Millionen Kinder unter oft unwürdigen Anbau- und Arbeitsbedingungen für den so beliebten Kakao. Die Kakaoernte ist durch körperliche Belastung sowie durch das Hantieren mit gefährlichen Werkzeugen wie Macheten und Chemikalien gekennzeichnet. Auch wenn Kinderarbeit in Westafrika verboten ist, ist sie dennoch gängige Praxis. Mehr zum Kinderhandel für die Kakaoproduktion: Doku „Schokolade – Das bittere Geschäft“ https://www.zdf.de/dokumentation/zdfinfo-doku/-schokolade-das-bittere-geschaeft-100.html.

Akteur*innen in der Kakaoproduktion und dem Kakaohandel bei fairafric

Das hellbraune biologische Kakaopulver für unsere fairafric Schokolade wird von Kakaobauer*innen der Yayra Glover Ltd – der einzigen bio zertifizierten Initiative Ghanas – produziert und mit dem COI (Certificate of Inspection) versehen. Dieses gewährt den Export von Bioprodukten nach Europa und wird von der Certifying Party Ghana und ECOCERT – einer Organisation zur Bio-Zertifizierung – erstellt. Durch unseren Spediteur Overall Logistics gelangt das Kakaopulver in unsere solarbetriebene Schokoladenfabrik. Unser biologisches und nachhaltig hergestelltes Kakaopulver hat einen Fettanteil von zehn bis zwölf Prozent und ist in Pfandeimern in den Größen 150 g, 1 kg, 3 kg, 5 kg und 25 kg erhältlich. Zusammen mit unseren Partner*innen ist es uns ein Anliegen dafür zu sorgen, dass Farmer*innen ihre Farmen nachhaltig bewirtschaften können. Gleichzeitig arbeiten wir ständig daran, unsere unternehmerischen Prozesse im Bereich der Nachhaltigkeit zu optimieren – so ist unsere Schokolade seit Ende 2018 klimaneutral produziert. Ökologischer Kakaoanbau bedeutet jedoch nicht, weniger zu ernten. Nach internen Trainings der Kakaobauer*innen  in nachhaltigen ökologischen Kakaoanbauanbau steigen die Erträge deutlich. Wir können unsere Kakaobohnen bis zur Farm zurückverfolgen. Die Kakaofarmer*innen sind stets bemüht, eine herausragende Qualität zu erzielen, durch gezieltes Feedback und den Austausch untereinander können wir sie dabei unterstützen und voneinander lernen. Unsere Produkte beinhalten nachweislich keine gentechnisch veränderten Zutaten. Kakaobohnen gehen durch viele Hände von Zwischenhändler*innen, bevor sie in der Fabrik des Herstellers ankommen. Mit Sicherheit kann man häufig nur noch sagen, aus welchem Land die Bohnen kamen. Nur mit den ökologisch erzeugten Kakaobohnen unserer Partner*innen zu arbeiten bedeutet, dass wir zu jeder Zeit wissen, wer die Bohnen angebaut und geerntet hat. Das ist existenzieller Bestandteil der Zertifizierung. fairafric arbeitet mit 1400 Farmer*innen zusammen von denen wir wissen, dass sie das bestmögliche Training in nachhaltigem Landbau erhalten. Die Qualität des Kakaos, den wir nach jeder Ernte untersuchen, ist herausragend.

Fazit

Der Anbau der meisten beliebten Schokoladenprodukte auf dem Markt ist in den allermeisten Fällen alles andere als fair. Preise werden an den großen Börsen bestimmt und Kleinproduzent*innen arbeiten unter unwürdigen Bedingungen für einen Hungerlohn. Der Faire Handel wirkt dem entgegen, indem feste Preise pro Tonne bezahlt und durch Prämien soziale Projekte finanziert werden. Allerdings sind die Unterschiede zwischen den einzelnen Fairtrade-Siegeln teils enorm und deren Vielfalt sehr komplex. Außerdem bedeutet fair gehandelt nicht unbedingt nachhaltig produziert. Kund*innen, die wirklich faire Schokolade kaufen wollen, sind also angehalten, sich zu informieren und am besten Fair Trade und Bio – Siegel zu kombinieren. Unsere fairafric Schokolade ist biozertifiziert und setzt zusätzlich beim Fairen Handel höhere Standards als die gängigen Siegel. Aufgrund dessen verzichten wir auf eine extra Fair Trade Zertifizierung. Zusätzlich wird bei fairafric nicht nur fair gehandelt, sondern auch in Ghana produziert, um einen wirklichen Mehrwert für die lokale Bevölkerung durch qualifizierte Arbeitsplätze zu schaffen.