Ein Praktikum bei fairafric

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Schokolade Made in Ghana. Ein junges soziales Unternehmen, das faire Schokolade produziert und damit die Branche auf den Kopf stellt. Eine Schokoladenrevolution?

 

Wieder einmal so ein hippes, pseudo-soziales Unternehmen mit einem guten Marketing – dachte ich mir als ich die bunten Schokoladentafeln in einem Schaufenster der Bonner Innenstadt sah. Ich: 25 Jahre jung, das Masterstudium der Agrarökonomie neigt sich allmählich dem Ende entgegen und auf der Suche nach neuer sinnvoller Inspiration, einem Praktikum! Auf dem Fahrrad nach Hause blieb ein Gedanke hängen. „Made with love in Ghana“ stand auf der Verpackungsrückseite. „Und wenn sie die ganze Tafelschokolade in Ghana herstellen?“, dachte ich mir. Anbau, Verarbeitung, vor-und nachgelagerte Prozesse im Ursprungsland des Rohstoffes zu belassen, das kannte ich bisher nur von Bio-Projekten in Burkina Faso zu getrockneten Mangos oder Ananas. Aber die Schokoladenproduktion?

Neugierig, kaum zuhause angekommen, klemmte ich mich hinter den Rechner, ein paar Infos müssen her. Schnell klickte ich mich durch die Webseite von fairafric: Kakaomarkt in Ghana, Weltmarktpreise, fairer Handel, tatsächlich: bei dem unverarbeiteten Export von Kakaobohnen werden rund $2.400 Einkommen geschaffen, wobei mit der Verarbeitung der Bohnen vor Ort und der Herstellung von Tafelschokolade mehr als $10.000 an Einkommen vor Ort entstehen.

Ich ließ die letzten zwei Jahre etwas Revue passieren. Einen Großteil meiner Zeit hatte ich mich mit Themen zu Anbau, Verarbeitung und damit verbunden der Stärkung von kleinbäuerlichen Betrieben in der globalen Wertschöpfungskette beschäftigt. Ich musste an meinen Freund André denken, den ich bei einem Praktikum in Benin kennenglernt habe. „Auf dem Land findest Du keine Arbeit, glaub mir. Deswegen bin ich nach Cotonou gekommen“. Oft haben wir über die Rolle der Landwirtschaft, Familie & Arbeit gesprochen. Für sein Alter war er schon viel beruflich unterwegs, auch in Ghana und Togo.

 

Ich blickte zurück auf den Bildschirm und den Schriftzug „fairafric Impact“. Schon etwas länger habe ich nach einem Praktikum gesucht. Etwas Innovatives, ehrlich und verändernd sollte die Beschäftigung und das Unternehmen sein. Im nächsten Schritt war ich an meiner Bewerbung für ein Praktikum bei fairafric im Bereich Sales & Operations – und raus damit. Nicht einmal sieben Tage später konnte ich mit Julia telefonieren, freundlich und voller Elan. Letzteres stellte sich auch als mein persönliches Leitmotiv bei fairafric heraus, doch eins nach dem anderen.

 

Januar, Umzug nach München, erster Tag & Kennenlernen

Nach gut einem halben Jahr und Vorfreude auf fairafric, vor allem wer & was sich hinter der Idee verbirgt, ging es dann endlich Richtung Süden. Obwohl ursprünglich in Bayern (Rödelmaier in Unterfranken) aufgewachsen, dachte ich niemals, dass es mich eines Tages nach München zieht. Wieso auch? Hohe Mieten, teures Bier, etwas zu viel Schicki-Micki, FC Bayern Stadt. Doch eins war mir klar, ich will mir ein eigenes Bild machen – und natürlich kann München mehr. Wandern, Wintersport, oder Sonnenbaden im Englischen Garten, man muss jeder Stadt die Chance geben sich zu beweisen. Und mit etwas Flexibilität, Organisation und der richtigen Einstellung ist es der Versuch ganz und gar wert. Hierzu nun auch etwas mehr:

 

Bei meiner neuen Mitbewohnerin eingezogen, machte ich mich am folgenden Dienstag früh auf den Weg. Erst die U6, dann die U3 Richtung Obersendling. Hier ist es: Sirius Business Park und irgendwo hier auch die Büros von fairafric. Nach kurzer Suche stand ich im Büro und es strahlten mich auch schon neue Gesichter von allen Seiten an. An der freundlichen Begrüßung und Vorstellung der einzelnen Teammitglieder erkannte dachte ich mir bereits: „Mensch sind die gut gelaunt!“ Ich wurde sogleich durch das Büro geführt: „Elektronikzubehör findest Du hier und dort kannst es Dir gemütlich machen; neben an gibt es einen Kühlschrank, Wasserkocher sowie ein Regal mit Tee & Kaffee für alle und hier ist unsere Hygiene-Box, inklusive Pflaster und Sprüh-Deo, falls es bei der Radlanreise mal etwas wärmer wird. Erster sehr sympathischer Eindruck – Check!

 

Mit meiner Ansprechperson zusammen verlief der Einstieg in Themen wie Arbeitssicherheit, Hygiene & Arbeit im Lager, Umgang mit Menschen und Systemen (E-Mail, Softwareprogramme) kinderleicht. Spätestens nach einem Einführungsvideo zu Arbeitssicherheit & Gesundheit im Arbeitsalltag wurde mir klar, „die machen sich wirklich Gedanken hier & gute Organisation!“. Nach dem ersten „Ankommen“ wurde ich vom Sales Team willkommen geheißen. Nach einem kurzen Gespräch im gesamten Team wurden mir die grundsätzlichen Vertriebsstrukturen erklärt: Kooperationen im fairen Handel, fairafric-fans und Endkundschaft, Konditionen zur Schokolade und jede Menge Tipps zu „Fehlern“, die bereits gemacht wurden und aus denen man mit der Zeit gelernt hat. Gerade das Bewusstsein, Fehler machen zu dürfen und aus diesen lernen zu können, erleichterte den Einstieg von Tag eins an. Die erste Tageshälfte verging wie im Flug und nach einem netten Mittagessen mit dem gesamten Team, hatte ich am Nachmittag die Chance etwas Vertriebsluft zu schnuppern. Wer sie noch nicht kennt, dann wird es höchste Zeit – Weltläden (bzw. der Einzelhandel von fairen Produkten). Ehrenamtlich geführt, super-freundliches Personal und für den ein oder anderen Humor sehr zu haben! Die ersten Telefonate verliefen noch etwas zurückhaltend, doch rasch brachte mich das sympathische Personal der vielen Läden ins Plaudern. So vergingen die ersten Tage. Schritt für Schritt lebte ich mich in die alltäglichen Arbeiten, Herausforderungen und erfreulichen Rückmeldungen von Mitwirkenden in Deutschland sowie fairafric Ghana ein. Neben Tätigkeiten im Vertrieb wie dem Austausch mit dem bestehenden Einzelhandel, Großhandel sowie der Endkundschaft, übernahm ich auch stetig mehr Verantwortung und Aufgaben beim Verpacken der leckeren Schokolade im Lager sowie eigenen kleinen Projekten zur Verpackung der Schokolade in Kooperation mit der Caritas Werkstatt für Behinderte Menschen in München.

 

Neben dem Kerntätigkeiten lernte ich in Windeseile die Dynamik und den Elan bei fairafric kennen. Neben wöchentlichen Sporteinheiten wie „Fit am Mitt“ und dem gemeinsamen Mittagessen, wurde ich noch in der ersten Woche in Münchner Nachtkultur willkommen geheißen, wo grüner Apfel auf Spirituose trifft (fröhliches Getränk im Café Kosmos) und man die nächtlichen U-Bahn Fahrzeiten in München besser kennenlernt (bzw. nicht).

 

Die Zeit fliegt: fairafric Ghana, Heldenmarkt in Hamburg, Verkostungen & Co.

Ja, die Zeit verging wie im Flug und umso mehr Zeit ich mit fairafric verbrachte, desto mehr Spaß bereitete die Zusammenarbeit im Team und die Teilhabe an der Unternehmung „Chocolate made in Ghana“. Ich kann von großem Glück sprechen, den Produktions-Manager von fairafric Ghana im zweiten Monat meines Praktikums kennenlernen und von den Aktivitäten und der Entwicklung in Ghana hören zu dürfen. Denn bereits im vergangenen Jahr 2019 hatte sich fairafric ins Auge gefasst, einen neuen Produktionsstandort in Suhum, Ghana zu errichten und damit das Projekt „Neue Schokoladenfabrik“ anzugehen. Rasant wie auch der zweite Monat im Praktikum verging, schritt auch das Thema Fabrikbau voran. Eine solar betriebene, moderne Schokoladenfabrik, in der Schokolade von der Bohne bis zur fertigen Tafelschokolade in Bio-Qualität entsteht. Darüber hinaus, ein Produktionsstandort dessen Betrieb zahlreiche Arbeitsplätze ermöglicht, Abnahme-Sicherheiten für kleinbäuerliche Betriebe schafft sowie als Multiplikator von sozialen und wirtschaftlichen Wertschöpfungsprozessen in der Region gesehen werden kann. Wie viel Engagement in dieses Vorhaben fließt, konnte ich stetig bis zum Ende meines Praktikums aufmerksam verfolgen.

 

Doch bevor an mir die zweite Hälfte des Praktikums nahezu vorbei rauschte, gab mir das gesamte Team ausreichend Möglichkeiten, verschiedenste Erfahrungen zu machen. Einer der spannendsten fand in Hamburg statt, dem Heldenmarkt: einer Messe für Held*innen und die, die es noch werden wollen. In die vollständige Messevorbereitung- und durchführung durfte ich mich reinfuchsen und schließlich auch mit Interessierten ein Wochenende lang über unsere Schokolade, dem Anbau & die Verarbeitung in Ghana sowie Allerwelts-Themen austauschen. Anstrengend & jede Menge Spaß haben die Messetage bereitet und nach einem kurzen Wiedersehen in München, durfte ich mich ebenfalls in Rahmen von zwei Verkostungen mit dem Lebensmitteleinzelhandel (Edekas) vertraut machen. Bei Verkostungen geben wir der Kundschaft die Zeit und den Raum, unsere Schokolade zu kosten und sich mit Fragen & Antworten ein eigenes Bild von fairafric zu machen.

 

Bruchschokolade, Erwartungen & was ich aus dem Praktikum mitnehme

Meine Erfahrung in der kurzen Zeit: bei fairafric dreht sich nicht alles um Schokolade, es geht auch um übergeordnete politische, soziale und wirtschaftliche Themen und die Auswirkungen auf Mensch und Umwelt. Doch natürlich gibt es auch Schokolade zum Naschen im Büro und das nahezu jeden Tag (natürlich nur jene Schokolade, die gebrochen ist, oder aus anderen Gründen nicht für den direkten Vertrieb geeignet wäre). In diesem Sinne wurden meine Erwartungen nicht übertroffen. Doch in einem anderen: gerade in der kurzen Praktikumszeit wurden mir viel Freiraum zur Teilhabe & Verantwortung für spannende Aufgaben gegeben, vom Baum bis zur Tafel. Neben Recherchen zur Finanzierung, über Themen des fairen Handels sowie der Mitorganisation unseres Teamworkshops zu „gendergerechter Sprache“, gab es stets den Spielraum, eigene Ideen & Aufgaben zu erarbeiten.

 

Am Ende meines Praktikums habe ich neben der alltäglichen intensiven und schönen Erfahrung auch eine erfreuliche Bestätigung gefunden. Das Marketing von fairafric ist tatsächlich sehr gut, an erster Stelle jedoch vor allem auf Grund des innovativen Ansatzes und des riesen Engagements der Teams in Ghana und in Deutschland.

Probiert doch selbst einmal!