Einmal nachgefragt: Halloween in Ghana

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Freut ihr euch schon auf den Halloweenspaß? Weltweit werden in den kommenden Tagen wieder Kürbisse ausgehöhlt, gruselige Verkleidungen zurechtgemacht und Horrorfilme geschaut. Obwohl das ursprüngliche Fest auf eine lange Tradition zurückblickt und ihren Ursprung in Irland hat, sind Halloween-Feierlichkeiten und -Partys mittlerweile auf der ganzen Welt zum Trend geworden. Doch wie sieht es eigentlich mit Halloween in Ghana aus?

In unserer Rubrik „Einmal nachgefragt“ nehmen wir alltägliche und kulturelle Themen aus Ghana näher unter die Lupe. In diesem Blog beschäftigen wir uns ganz aktuell mit Halloween. Wie hat sich diese irische Tradition über die ganze Welt verbreitet? Wir beleuchten den ursprünglichen Gedanken des Halloweenbrauchs und dessen weltweite Verbreitung. Außerdem klären wir, ob und wie der Halloween Trend auch Ghana erreicht hat und hinterfragen die „Globalisierung“ dieses Brauchs kritisch.

Herkunft und Verbreitung von Halloween 

Der heutige Ausdruck „Halloween“ stammt vom englischen Begriff „All Hallows Eve“ ab und betitelt den Abend vor dem christlichen Fest Allerheiligen. Schon die Kelten zelebrierten das Samhain Fest und läuteten damit das Ende des Sommers ein. Dieser heidnische Brauch aus den keltischsprachigen Ländern sollte durch das Verkleiden als Untote die Menschen vor der Dunkelzeit und deren finsteren Gestalten schützen. Es wird angenommen, dass den Geistern der Verstorbenen Zugang zur Welt der Lebenden gewährt wird. Die Geister der Toten sollen also an diesem Abend unterwegs gewesen sein. In der Zeit, wo die Tage kürzer werden, wurde angenommen, dass sich die Unterwelt unserer Welt annähert. Dabei wurden verschiedene Rituale und Spiele praktiziert, die Zukünftiges vorhersagen sollten. Interessant ist, dass aufgrund dieser dunklen Jahreszeit in vielen Teilen der Welt ähnliche gruselige Bräuche rund um das Thema Tod und Aberglaube entstanden.

Nach der Christianisierung wurde in Irland die Halloween Tradition mit dem Gedenken an verstorbene Angehörige, Heilige und Märtyrer verbunden. Die Allhallowtide – in Deutschland Allerheiligen und Allerseelen genannt – wurde ab dem Ende des 12. Jahrhunderts in ganz Europa zu einem obligatorischen heiligen Tag. Generell gilt Halloween als Tag an dem der Tod und die Wiedergeburt der Welt und alles in ihr gefeiert werden. Auf der Nordhalbkugel markiert er den Beginn des Winters, eine Zeit, in der die Natur wegen der Winterkälte stirbt, während er auf der Südhalbkugel den Beginn einer neuen Jahreszeit markiert, in der sich neu gebildete Knospen auf die Wiedergeburt und das Wachstum im Sommer vorbereiten.

Die für Halloween so typischen ausgehöhlten und mit gruseligen Gesichtern verzierten Kürbisse lassen sich auf eine alte irische Geschichte zurückführen. In dieser Sage wandert der Gauner Jack Oldfield mit einer Lampe aus einer ausgehöhlten Rübe durch die Dunkelheit. Zur Strafe für seine Untaten wird er in diese Welt zwischen Himmel und Hölle verbannt. In den USA wurde die Rübe später durch einen Kürbis ersetzt, da diese leichter verfügbar waren. Die in die Kürbisse beziehungsweise Rüben geschnitzten unheimlichen Gesichter dienten ursprünglich zur Abschreckung böser Geister.

Das ursprüngliche Halloweenfest wurde durch irische und schottische Einwanderer in den USA verbreitet. Vor allem in den Südstaaten der USA war die Halloween Tradition schon von den anglikanischen und katholischen Kolonisten in Teilen anerkannt, dennoch entstand Halloween als großer Feiertag in Nordamerika erst durch die Masseneinwanderung Mitte des 19. Jahrhunderts. Anfangs beschränkten sich die Feierlichkeiten auf die eingewanderte Bevölkerung. Das Fest wurde dann aber schnell von der Mainstream-Gesellschaft aufgegriffen und es begann eine Kommerzialisierung des Halloween Brauches. Nach dem zweiten Weltkrieg verbreitete sich die Halloween Tradition durch den amerikanischen Einfluss auch in Deutschland. Seit zirka 30 Jahren werden Halloween Bräuche auch in vielen weiteren europäischen Ländern ausgeübt.

Halloween Traditionen in Ghana und kritische Sichtweisen

In Westafrika ist das Halloweenfest (bis jetzt) noch nicht sehr weit verbreitet. Fragt man in Ghana nach, kennen viele die Tradition hauptsächlich aus amerikanischen Filmen. Die Bedeutung ist den meisten eher weniger bekannt. In Ghana entfällt auch logischerweise die Notwendigkeit, die bösen Geister der kalten Jahreszeit auszutreiben und Allerheiligen wird auch nicht gefeiert. So kann auch wenig Bezug zu dem Halloween Brauch hergestellt werden. Doch auch in Ghana existieren ähnliche Legenden von unheimlichen Gestalten. So erzählt sich der Volksstamm der Aschanti die Geschichte des Vampires Asasabonsam. Diese Kreatur besitzt anstelle von Füßen gebogene Eisenhaken und lebt tief in den afrikanischen Wäldern. Der Asasabonsam jagt Menschen von den Bäumen aus, indem er sich von diesen hängend auf sein darunter vorbeilaufendes Opfer stürzt und besagte Haken in dieses schlägt. Danach zieht es seine Beute hinauf in die Bäume und verschlingt sie bei lebendigem Leibe mit seinen spitzen metallenen Zähnen. Bevor er sich den humanoiden Leckerbissen einverleibt, beißt er immer zuerst die Daumen ab. Womöglich um zu verhindern, dass ein Opfer, falls es fliehen kann, an einer Straße den Daumen raushält, um ein Auto anzuhalten.

Gerade in den großen Städten ist dennoch der Trend abzusehen, dass Halloween als amerikanischer Export immer beliebter wird. Viele wissen zwar nicht, warum sie Halloween feiern, ziehen sich aber dennoch am Abend des 31. Oktobers gruselige Kleider an und gehen mit ihren Kindern trick or treating oder auf Halloweenpartys. Darüber werden auch kritische Stimmen von vielen Westafrikaner*innen laut, die eine mögliche kommende Halloween Tradition in Ghana als Zerstörung der afrikanischen Kulturen sehen. Weil Halloween von „den Weißen“ kommt, wird es oft nicht hinterfragt. Dabei spielen Hexenverfolgungen und der Glaube an den Teufel in vielen Teilen Ghanas noch eine Rolle und mit Okkultismus will der Großteil der Bevölkerung eigentlich nichts zu tun haben. Besonders makaber ist, dass in vielen Regionen Westafrikas, Frauen, die als Hexen bezeichnet werden, noch immer verstoßen und missbraucht werden. Einerseits werden also diese Traditionen – vor allem auch was Hexenverfolgungen und Okkultismus angeht – hinterfragt und kritisiert, andererseits wird aber beim Halloweenfest scheinbar eine Ausnahme gemacht und die „importierte Tradition“ akzeptiert. Ghanaer*innen befürchten dadurch eine Zerstörung afrikanischer Kulturen und Traditionen indem alles, was von außerhalb Afrikas kommt, angenommen und adaptiert wird – ohne Hinterfragen. Ein weiteres Beispiel sind die vermehrten verwestlichten „Hochzeiten in Weiß“, die unabhängig von der Religionszugehörigkeit verstärkt stattfinden.

Auch ist die Kommerzialisierung dieses Festes fragwürdig. Afrika ist ein unerschlossener Markt, in dem viele Unternehmen ihre Chance sehen. Mit Halloween kommen die Hexenhüte, Kostüme und verschiedene andere schaurige Kostüme, die einfach nur verkauft werden sollen! Genauso wie vor einigen Jahren mit dem Valentinstag, soll höchstwahrscheinlich in den nächsten Jahren der Warenkonsum an Halloween auf dem afrikanischen Kontinent gesteigert werden.

Halloween ist also vor allem ein Fest aus dem globalen Norden, das ursprünglich mit der christlichen Tradition des Totengedenken und der Heiligenverehrung in Zusammenhang gebracht wurde. Die ursprüngliche Bedeutung von Halloween in Ghana und Afrika insgesamt ist wie in vielen anderen Ländern, in die die kommerzialisierte Version der Tradition gebracht wurde, nicht wirklich vorhanden. Halloween in Afrika ist zumeist eine Adaption des modernen Halloweenfestes in der westlichen Welt. Es hat jedoch seine Wurzeln noch nicht tief im westafrikanischen Lebensstil verankert. Die Halloween-Feierlichkeiten gewinnen vor allem bei der ghanaischen Jugend, also bei denen, die sich für die westliche Kultur interessieren, an Bedeutung. Die ältere Generation hat meist kein Interesse an dieser Feier. Halloween ist in Ghana also (noch) nicht Teil der Mainstream-Kultur und -Gesellschaft, wird aber immer beliebter.

Gedanklicher Anstoß bezüglich der Halloween-Tradition in Ghana

Ja, die Welt ist ein globales Dorf und kulturelle Veränderungen durch den Austausch zwischen den Gesellschaften und Kulturen ist oft bereichernd. Leider findet in Ghana bezogen auf das Halloweenfest und vielen anderen „importierte Traditionen“ kein „cultural sharing“, sondern eher eine Anpassung an die „westliche Welt“ statt. Es wäre sehr schade, wenn Ghanas Kultur und Gesellschaft, die so reich an Traditionen ist, sich zu sehr an die Traditionen des globalen Nordens anpasst. Und wieso wissen wir in Deutschland und Europa eigentlich so wenig über westafrikanische Traditionen?

Also dann: „Süßes oder Saures?“