fairafric Review – Marios besucht fairafric in Ghana

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Marios Georgiadis hat unseren Produktionspartner Niche Cocoa in Tema besucht und auch unsere Kakaobauern und -bäuerinnen in Suhum. Seine Eindrücke hat er in einem mitreißenden Bericht festgehalten. Marios ist in Nicosia, Zypern geboren und aufgewachsen. Er hat Hotel- und Tourismusmanagement am SSTH im schweizerischen Chur studiert und 19 Jahre lang als Hoteldirektor auf Kreuzfahrtschiffen gearbeitet. Er ist fairafric-Investor und arbeitet von zu Hause aus im Personalwesen.

 

MEIN WEG NACH GHANA

Nach 19 Jahren aktivem Dienst auf See verließ ich Ende 2017 einen unglaublichen Job an Bord von Kreuzfahrtschiffen. Ich entschloss mich, mich auf etwas Neues einzulassen, etwas Erfüllendes und Motivierendes, und zwar indem ich auf mich allein gestellt arbeitete, um damit einen positiven Beitrag für die Welt zu leisten. Als ich mein Leben auf diese Weise änderte, war ich schon in 99 Ländern und auf allen 7 Kontinenten gewesen. Ich war absolut offen, entspannt und ruhig in Bezug auf wohin dieser neue und aufregende Weg mich bringen würde. Ich freute mich darauf, herauszufinden, welches Land das 100. auf meiner Liste sein würde. Mein Arbeitssitz ist in Zypern und obwohl ich in den letzten zwei Jahren alle paar Monate an verschiedene Ziele gereist bin, habe ich dabei bisher noch kein neues Land besucht.

Anfang dieses Jahres habe ich Hendrik, den Gründer und CEO von fairafric, in seinem Büro in München getroffen; ein Jahr zuvor hatte ich bereits beim Crowdfunding mitgemacht und angeboten, bei allem, was ging, zu helfen. Hendrik schlug vor, dass es wahnsinnig toll für mich wäre, wenn ich persönliche Erfahrungen aus erster Hand mit dem Produkt, dem Land und den Leuten machen könnte. Was für eine bessere Möglichkeit, eine andere Kultur zu erleben gibt es, als vor Ort zu sein? Das 100. Land, das ich besuchte, würde Ghana sein!

Um Ghana als europäischer Staatsbürger besuchen zu können, benötigte ich ein Touristenvisum und eine Gelbfieberimpfung. Am ghanaischen Flughafen in Accra angekommen spürte ich Frieden und Ruhe: Der Flughafen ist brandneu, die Ausstattung modern und doch schlicht, die Toiletten und öffentlichen Bereiche werden perfekt sauber und ordentlich gehalten und es gibt keinen Stau oder Stress. Durch die schwungvolle Livemusik und den Gesang in der Empfangshalle habe ich mich direkt willkommen gefühlt. Diese festliche Atmosphäre beeindruckte mich vor allem mit dem dynamischen, freundlichen und lebendigen Ton des Landes. Die ersten Beamten, denen ich begegnete, waren die Polizisten, die mit lächelnden Gesichtern hinter ihren Wärmekameras saßen, und dann begegnete ich noch freundlicheren und herzlicheren Personen; wow, jeder scheint in diesem Land glücklich zu sein!

 

 

UNTERWEGS IN ACCRA

 

Die beste Art, Ghana zu erkunden ist mit dem Auto, und die meisten Besucher leihen sich deshalb eins bei einem Fahrer aus dem Ort. Das Hotel, in dem ich wohnte, war so nett, mir einen Fahrer für meinen gesamten Aufenthalt zu stellen. Felix wartete mehrere Stunden geduldig am Flughafen auf mich, da unser Flug von Kairo aus aufgrund eines Aufstandes im Sudan verlegt worden war. Felix ist ein professioneller Fahrer und ein von Deutschen ausgebildeter Automechaniker mit einer aufrichtigen Gastfreundschaft, die für ihn natürlich ist. Er wurde mein Begleiter, mein Freund und mein Reiseführer für meinen 8-tägigen Aufenthalt. Ich merkte schnell, dass die meisten Ghanaer ziemlich gut Englisch sprechen. Sobald man sich an den ghanaisch-englischen Akzent gewöhnt hat, wird die Kommunikation recht einfach.

Schwertransporte sind in Accra normal: Morgendliche und abendliche Rush Hours können sehr hektisch sein. Es scheint sehr viel Straßenbauarbeiten zu geben, besonders in den Vororten, um zum Beispiel Motorradbrücken zu bauen oder bereits bestehende Straßen um weitere Spuren zu vergrößern. Nichtsdestotrotz wird es recht still sobald man die Stadt verlässt und man sieht sehr bald die afrikanische Natur, die einen in all ihrer Weitläufigkeit und Schönheit umgibt. Man bemerkt schnell eine auffällig ungleiche Verteilung des Reichtums: Die riesigen Anwesen auf den Hügeln liegen neben heruntergekommenen Zivilisationen, die aus jedem verfügbaren Material und Straßen aus Erde konstruiert sind. Ungleich verteilter Reichtum und Geschlechtsungleichheit sind lang dagewesene und allgegenwärtige Probleme, obwohl Ghanas Wirtschaft als eine der stärksten Westafrikas und als dessen Motor gesehen wird. Frauen sind deutlich ärmer als Männer und haben weniger Chancen: Sie sind dementsprechend auch einfacher im Arbeits- und im sozialen Bereich auszubeuten.

 

 

 

Essen kann in Ghana zu einer Herausforderung werden. Restaurants, Supermärkte und Lebensmittelgeschäfte sind begrenzt. Importierte Lebensmittel, die man hauptsächlich in großen Einkaufszentren erhält, sind teuer und die Auswahl ist nicht vergleichbar mit der der westlichen Welt. Ich persönlich habe alle paar Tage frische Lebensmittel von einem Bauernmarkt vor Ort gekauft und mir selber mein Essen in meiner Unterkunft zubereitet.

Das ghanaische Klima ist tropisch, mit einer Trockenphase im Winter und einer Regenphase im Sommer; ich war im April da, einem der heißesten Monate, und die Temperaturen erreichten bis zu 33°C tagsüber und ungefähr 24°C nachts.

 

AUF DEN KAKAOPLANTAGEN IN SUHUM

Während meines Aufenthalts habe ich Zeit auf den Biokakaofarmen in Suhum verbracht und dort eine ganze Menge über diese magische Frucht gelernt; ja, es ist eine Frucht und tatsächlich schmecken Kakaobohnen ziemlich süß!

 

 

 

Das heiße und feuchte Klima zusammen mit der tropischen Monsunzeit ist perfekt, um Kakaobäume anzubauen. Als Land, das mit diesen idealen Bedingungen für die Produktion von Kakaobohnen bester Qualität gesegnet wurde, ist Ghana der zweitgrößte Produzent der Welt; seine Kakaoproduktion ist verantwortlich für 56% des BIP. Mindestens 80% der Kakaoexporte des Landes geschehen in Rohform und das ist, wo fairafric ins Spiel kommt, das aktuelle System zu verändern, indem es Schokolade als Endprodukt von der Frucht an herstellt und dadurch den Wert der Frucht für das Land und die Bauern um das Fünffache erhöht.

Hier in Suhum habe ich Yayra Glover kennengelernt, den Gründer der Bauernkooperative. Yayra hat viele Jahre in der Schweiz gelebt, wo er studierte und arbeitete, und ist nun zurück in Ghana, um seinem Land und besonders den Bauern zu helfen bei der Angleichung moderner und effizienter Prozesse, Weiterbildungen, Bildung und dabei, das Geschäft mit Fairtrade-Firmen wie fairafric zu ermöglichen und auszubauen, die Extra-Prämien für den Kakao und Gehälter zahlen und ein ehrliches Interesse daran haben, die Menschen in Ghana zu unterstützen. Yayra hat Unmengen Ideen, Projekte und Investitionspläne, die den Fortschritt, die Expansion und die Modernisierung fördern würden, alle davon umsetzbar und ethisch mit vielleicht recht hoher Investitionsrendite. Yayra ist ein Katalysator bei dem Vermischen westlicher Geschäftsprinzipien und wenn sie dann in einem afrikanischen Land zur Umsetzung gebracht werden müssen.

 

 

7 Fragen zu Marios' Farmbesuch:

  1. Inwieweit entspricht das, was du gesehen hast, deinen Erwartungen? Gab es irgendwelche Überraschungen?

Ich hatte vorher keine speziellen Erwartungen, deshalb gab es für mich auch keine Überraschungen, aber ich habe wirklich eine Menge gelernt und war fasziniert davon, wie schnell die Kakaobäume erblühen und so produktiv werden in Bezug auf die Qualität und das Volumen der Frucht und der Kodependenz, die sie mit anderen Bäumen eingehen; sie stellen dadurch kühlen Schatten und ideale Wachstumsvoraussetzungen für die anderen Bäume zur Verfügung.

  1. Was hast du besonders von deinem Besuch mitnehmen können?

Das riesige Potenzial, das noch auf dem Weg liegt beim Wachstum des Landes, der Menschen und des Produktes.

  1. Was hast du über Bioanbau gelernt?

Vor allem habe ich über die Herausforderungen in Bezug auf Verschmutzungen im Wasser, Regen und Luft und den Formen, wie man damit umgeht, gelernt.

  1. Hast du Gemeinden besucht? Was glaubt du fehlt ihnen heutzutage am meisten?

Ich denke das größte Problem ist, dass es keine Jobs gibt und daher die meisten Menschen im Überlebensmodus sind; die jungen Menschen sind so lern- und arbeitswillig, aber es sind keine Infrastruktur und kaum Chancen vorhanden.

  1. Wie hat sich dein Bild von Landwirtschaft im kleinen Rahmen während deines Besuchs in Suhum verändert?

Es ist unglaublich wie ganze Familien draußen im Buschland sind und sich ihre gesamte Welt und ihre Lebensweise um diese Tätigkeit entwickelt. Wenn es einen Weg gibt, Arbeitskräfte und Produkte zu zentralisieren wird das sicherlich bessere und konzentriertere Ergebnisse hervorbringen.

  1. Kannst du eine kurze Geschichte von einer persönlichen Begegnung auf der Farm erzählen?

Als ich auf der Farm herumlief, sah ich ein paar riesige Schnecken und nahm sie hoch. Ich hatte noch nie zuvor so gewaltige Landschnecken gesehen, aber die Jungs waren überrascht und lachten und erklärten mir dann, dass das die ghanaische Schnecke sei, sie sei für sie normal und eigentlich sogar ziemlich lecker; na ja, ich behalte mir meinen Appetit wohl besser für meinen nächsten Besuch...

  1. Was war dein Lieblingsmoment auf der Farm?

Die Kakaobohnen zu probieren; sie sind so süß und geschmackvoll, haben einen wirklich unglaublichen Geschmack.

IN DER SCHOKOLADENFABRIK

Die Schokoladenfabrik in Tema zu besuchen war eine neue Erfahrung für mich, die zudem extrem interessant war. Schokolade ist ein Produkt, das komplexe Herstellungsvorgänge sowieso Silos, große Maschinen, Labore und strenge Qualitätskontrollen verlangt. Ich wurde in der Fabrik von Mary, der Produktionsmanagerin, und Henry, dem Qualitätssicherungsmanager, willkommen geheißen: Sie führten mich herum, wobei sie mir jeden Aspekt der Prozesse erklärten und geduldig eine Vielzahl meiner Fragen beantworteten. Auch wenn es am Anfang vielleicht kompliziert wirkt, ist der Prozess eigentlich recht einfach zu verstehen. Während meiner Karriere in der Kreuzfahrt waren Gesundheit, Sicherheit und Ablaufsprüfungen äußerst wichtig. Daher war ich extrem zufrieden und auch beeindruckt, eine sehr geordnete und gut geölte Maschine im Einsatz zu sehen. Aber darüber hinaus habe ich auch noch Menschen getroffen, die wirklich lieben, respektieren, genießen und stolz darauf sind, was sie tun.

 

 

 

 

7 Fragen zu Marios' Fabrikbesuch:

  1. Was war dein Gesamteindruck der Fabrikanlage?

Sie war viel größer als ich dachte, riesige Silos, Röstanlagen, Mühlen etc. und viele Kilometer an Rohren, die Schokolade und Bohnen fortbewegten; das war beeindruckend.

  1. Welche Prozesse haben dich am meisten interessiert?

Ich wollte schon immer mal sehen, wie Fremdkörper beim anfänglichen Sieben und Aussortieren der Bohnen entfernt werden und wie diese in die Silos geladen werden; das habe ich in der Fabrik persönlich beobachten können und war sehr zufrieden mit dem, was ich sah.

  1. Was hast du über die Herausforderungen und Chancen der Schokoladenproduktion in Ghana gelernt?

Die Chancen und Möglichkeiten sind sehr vielschichtig, die Herausforderungen können mit Förderung, ethischen Regierungsabläufen und einer zukunftsorientierten und modernen Verwaltung gemeistert werden; alles andere, das notwendig ist, ist schon vorhanden, in Form von Materialien.

  1. Was waren deine Beobachtungen vor Ort in Bezug auf Hygiene- und Sicherheitsstandards?

Alles läuft nach akzeptablen Standards, ISO und HACCP -Pläne laufen auf Hochtouren.

  1. Wie hast du die Atmosphäre in der Fabrikanlage und unter den Angestellten empfunden?

Ghanaer sind von Grund auf glückliche, freundliche und lächelnde Menschen, genauso ist es auch in der Fabrik.

  1. Kannst du eine eine kurze Geschichte von einer persönlichen Begegnung in der Fabrik erzählen?

Wir haben viel mit dem Sicherheitspersonal am Tor gelacht, der unseren Kofferraum ansehen wollten und wir ihm scherzhaft erzählt haben, wir hätten die Schokolade zu gut versteckt als dass er sie finden würde.

  1. Was war dein Lieblingsmoment in der Fabrik?

Das kühle Lagerhaus zu betreten, in dem Berge aus Schokoladenpaketen lagerten, bereit, in die Welt hinaus transportiert zu werden.

 

 

EINDRÜCKE AUS TEMA

Tema liegt in nächster Nähe zu Accra, und mit seinem riesengroßen internationalen Hafen liegt es direkt in der Freihandelszone, weshalb das Transportieren der Schokolade nach Europa relativ einfach ist.

Der Tourismus ist in Ghana in den letzten paar Jahren langsam gestiegen. Zusätzlich zu den regulären Europäern und Asiaten, die das Land regelmäßig besuchen, gibt es eine neue Welle an Amerikanern auf sogenanntem "Heritage Tourism", die meisten von ihnen zu den Wurzeln ihrer Vorfahren zurückkommend, die vor hunderten von Jahren von Afrika in die neue Welt kamen.

Die Schlösser am Cape Coast Hafen sind Teil der Geschichte des Sklavenmarktes. Es ist augenöffnend und emotional. Es ist schwer zu verstehen, dass dies noch vor gar nicht allzu langer Zeit geschah, dass westeuropäische Länder zwei Jahrhunderte lang ungefähr 10 Millionen Afrikaner versklavt haben, die mit dem transatlantischen Sklavenhandel unter grausamsten und unmenschlichsten Verhältnissen in die neue Welt transportiert wurden. Das ghanaische Volk sieht Freiheit und Gerechtigkeit als ihre wertvollsten nationalen Bestrebungen an, was man auch auf ihrem Wappen sehen kann.

 

Fairafric ist eine revolutionäre Idee und ein bahnbrechender Faktor für die Schokoladentradition Afrikas. Die Schokolade im Ursprungsland zu produzieren und ein hochwertiges und vollendetes Produkt zu exportieren ist pionierhaft und ergibt total viel Sinn. Aber vor allem mag und unterstütze ich ihren Plan, weil er ethisch ist und äußerst viel Rücksicht auf die Menschen vor Ort nimmt, die dabei involviert sind; es wird auf so viele Arten und Weisen ein wahrer Beitrag zur Landeswirtschaft und zum Landeswohl erbracht

Ghana ist schon zum freundlichsten Land Afrikas gewählt worden, die Menschen sind sehr gastfreundlich, offen und extrem glücklich mit einem gesunden Hunger an Wissen, Arbeit und Wachstum. Die Nummern von Ländern, 1 oder 100, stehen für Neuanfänge und für mich persönlich ist Ghana definitiv ein solcher. Es ist neu in dem Sinne dass wir in freudiger Erwartung darauf schauen sollten, diese Welt zum Besseren zu verändern: Ich bin stolz und dankbar dafür, Teil dieses Erstrebens zu sein und möchte hiermit eine herzliche Einladung an alle potenziellen Investoren aussprechen, ein sicheres, vielversprechendes, erfüllendes, wunderschönes und freundliches Land zu besuchen.