Frauen in Führungspositionen: Eine Chance in Ghana und global

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Nur rund ein Viertel der Führungspositionen sind global von Frauen besetzt. Deutschland liegt mit 21 Prozent sogar deutlich darunter. Faktoren wie schlechte Vereinbarkeit von Familie und Beruf, stereotypes Gedankengut oder patriarchale Strukturen erschweren Frauen den Schritt in eine Führungsposition. Tendenziell steigt zwar die Zahl der weiblichen Führungskräfte weltweit, dennoch ist bei Gleichberechtigung in der Arbeitswelt noch deutlich Luft nach oben.

Weibliche Führungskräfte bringen einen vielfältigen Ideenschatz in die Arbeitswelt mit. Es verbirgt sich ein immenses Potenzial an neuen, innovativen Ideen, Konzepten sowie Arbeitsstrategien in der Gleichstellung von Frau und Mann, das bisher nicht ausreichend genutzt wird. Um dieses Potenzial ausschöpfen zu können, ist es wichtig, immer wieder auf Gleichberechtigung in der Arbeitswelt zu pochen, um einen strukturellen Wandel herbeizuführen. „Frauen üben eine bessere Führungsrolle aus als all ihr Männer. Also bringt die Frauen herbei!“, meint Brigitte Dzogbenuku von der PPP Partei in Ghana. Auch wenn diese Aussage provozierend überzogen wurde, lenkt sie dennoch die Aufmerksamkeit auf das Thema Gleichstellung von Mann und Frau im Berufsleben. So widmet sich dieser Blogbeitrag der Gleichstellung der Geschlechter in Bezug zu Führungspositionen und stellt anschließend inspirierende Beispiele in Ghana vor.

Frauen in Führungspositionen: Wie sieht die Situation weltweit aus?

Überall auf der Welt halten sowohl diskriminierende Gesetze als auch fehlende Maßnahmen Frauen davon ab, ihr volles Potenzial auszuschöpfen. Sie verhindern finanzielle Unabhängigkeit oder die Möglichkeit, eine Karriere zu verfolgen. Frauen genießen durchschnittlich nur dreiviertel der Arbeitsrechte von Männern. Zahlen, wie der Gender Pay Gap zeigen außerdem die Einkommensunterschiede von Frauen und Männern immer wieder deutlich auf. Der Gender Pay Gap beschreibt die Differenz des durchschnittlichen Bruttostundenverdienstes (ohne Sonderzahlungen) der Frauen im Verhältnis zum Bruttostundenverdienst der Männer. In Deutschland lag dieser in den letzten Jahren konstant bei circa 20 Prozent. Vor allem in patriarchalen Gesellschaften sind diese Einkommensunterschiede zwischen Männern und Frauen auf allgemeine Geschlechterklischees zurückzuführen. Der sogenannte Backlash-Effekt beschreibt beispielsweise das Phänomen, dass ehrgeizigen Frauen weibliche Charakteristika abgesprochen werden. Problem dabei ist, dass Frauen dabei immer entweder das Stereotyp der Geschlechtsrolle oder das der Führungsrolle verletzen.

Die Agenda 2030 der UN mit dem Titel „Transformation unserer Welt“ hat wegen dieser anhaltenden Benachteiligung als fünftes globales Ziel für nachhaltige Entwicklung, Geschlechtergerechtigkeit und Selbstbestimmung für alle Frauen und Mädchen formuliert. Sie verankert die Beendigung jeglicher Diskriminierung von Frauen und Mädchen als grundlegendes Menschenrecht und sieht dies als Voraussetzung für eine nachhaltige Zukunft. Die Ermächtigung von Frauen und Mädchen trägt erwiesenermaßen zu wirtschaftlichem Wachstum und Entwicklung bei und stellt somit eine Win-Win Situation für alle dar.

Frauen in Führungspositionen in Ghana und Deutschland – ein Vergleich

Frauen spielen eine sehr wichtige Rolle bei der Entwicklung eines Landes. In den meisten Ländern Westafrikas tragen sie durch den Handel mit Waren und den Verkauf von landwirtschaftlichen Erzeugnissen maßgeblich zum Aufblühen der Wirtschaft bei. In Ghana sind, wie in vielen Regionen der Welt, Frauen trotzdem nach wie vor mit Diskriminierung in vielen Bereichen politischer, wirtschaftlicher und sozialer Natur, konfrontiert. Frauen stellen zwar in Ghanas Arbeitswelt die Mehrheit dar, werden aber dennoch unterbezahlt und erfahren wenig Anerkennung. Fehlende Verbindungen und Unterstützung, sind außerdem Gründe, die ihnen einen Aufstieg in Führungspositionen verwehren.

In Deutschland ist die Gleichberechtigung von Männern und Frauen im Paragraph 3 des Grundgesetzes verankert: „Männer und Frauen sind gleichberechtigt. Der Staat fördert die tatsächliche Durchsetzung der Gleichberechtigung von Frauen und Männern und wirkt auf die Beseitigung bestehender Nachteile hin.“ Dennoch sind in Deutschland Führungspositionen nur zu 21 Prozent mit Frauen besetzt. Daran änderte auch die Einführung der Frauenquote von 30 Prozent bei Aufsichtsräten von börsennotierten und paritätisch mitbestimmten Unternehmen 2016 in der Mehrheit der Führungspositionen nicht.

Geschlechtervielfalt bei fairafric

fairafric setzt auf das Potenzial der Frauenpower und profitiert zusätzlich davon. Männer und Frauen werden selbstverständlich gleichwertig bezahlt und behandelt. Durch eine gendergerechte Sprache am Arbeitsplatz, sollen Frauen in allen Bereichen sichtbar gemacht werden. Das fairafric-Team in Deutschland besteht zu über 50 Prozent aus Frauen, wobei viele auch Managementpositionen besetzen. Auch im Team Ghana können weibliche Mitarbeiter*innen ihre Karriere verfolgen und ihr Potenzial ausbauen. Immerhin ein Viertel unseres ghanaischen Führungspersonals ist weiblich. Ein positives Beispiel ist unsere Mitarbeiterin und ehemalige Praktikantin in der Schokoladenfabrik Ann, die ihrem Traum, ihre eigene Schokoladenproduktion zu eröffnen, bereits ein Stück nähergekommen ist. „Ich hatte erwähnt, dass ich meine eigene Schokoladenfabrik eröffnen möchte!“, berichtet sie in einem Interview und führt weiter aus: „…so habe ich die Möglichkeit, mit Produktionsmaschinen zu arbeiten, also ich denke das bedeutet einen Schritt, um meinen Traum zu erreichen!“ Dieses Beispiel zeigt den Enthusiasmus, mit dem viele junge Frauen in Ghana ihre Karriereziele erreichen wollen – trotz schlechteren Startvoraussetzungen.

Inspirationen aus Ghana

Kimberley und Priscilla Addison aus Ghana gehören zu diesen inspirierenden Frauen. Mit ihrem Start-Up ’57 Chocolate starteten sie selber mit der Produktion ihrer gleichnamigen Schokolade und konzentrieren sich dabei auf den Luxusschokoladensektor in Ghana. Solche Unternehmerinnen, die die Macht der unternehmerischen Wertschöpfungskette in ihren Ländern wirklich verstehen, sind unglaublich wertvoll. Derzeit beschäftigen die beiden zehn Mitarbeiterinnen. Die meisten davon sind junge Frauen und Kimberley und Priscilla hoffen, ihr Team mit dem Wachstum des Unternehmens weiter ausbauen zu können.

Während sich die beiden Schwestern als junge Unternehmer*innen für Gleichberechtigung stark machen, verbindet die Radio- und TV Moderatorin Nana Akosua Hanson in ihren Sendungen Popkultur mit Feminismus. Nana spricht aus, was sonst keine sagt. Sie ist laut, trinkt, raucht und wird inzwischen über die Grenzen Ghanas hinaus gehört und ist eine starke Stimme in der #metoo Bewegung in Ghana und ganz Afrika.

Diese Beispiele zeigen ghanaische Frauen in der Vorreiterrolle, die die Sache der Gleichberechtigung der Geschlechter selbst in die Hand nehmen und diese aus der Gesellschaft heraus erreichen wollen. Dies ist ein entscheidender Ansatz, denn dass sich Geschlechtergleichheit per Gesetz oder Entwicklungsziel durchsetzen lässt, hat sich bisher noch nicht gezeigt.