Frauenpower auf Ghanaisch

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Ghana ist in vielen Dingen ein afrikanisches Vorzeigeland: es z. B. hat eine stabile Demokratie und eine wachsende Wirtschaft. Einen enorm großen Teil dazu tragen die ghanaischen Frauen bei. Und sie können richtig anpacken.

Weltweit ist die Zahl der Frauen und Männer ungefähr gleich (3,82 Milliarden Frauen / 3,89 Milliarden Männer). Dass daraus jedoch keine Gleichberechtigung unter den Geschlechtern resultiert, ist hinlänglich bekannt. Das betrifft auch Ghana. Hier werden Frauen nach wie vor benachteiligt und diskriminiert, egal in welcher Gesellschaftsschicht. Allerdings hat in Ghana unter den Frauen seit einigen Jahren ein Umdenken eingesetzt. Sie fangen an, selbstbestimmter zu leben, sich aus der ihnen auferlegten Abhängigkeit von ihren Männern zu befreien und die Initiative zu ergreifen. „Die Geschichte der Frauen in Ghana ändert sich gerade“, sagt Sandra Ahiataku stolz. Sie hat Gegen den Willen ihrer Eltern Computerwissenschaften studiert, leitet ein IT-Start-Up und lehrt zusätzlich an der Kumasi Hive, einer innovativen Institution in Kumasi, Ghana. Dort bringt sie Mädchen und Frauen den Umgang mit IT und Technik bei.
So wie hier ist in jedem Sektor der Ghanaischen Wirtschaft ein Umdenken, eine Aufbruchsstimmung zu spüren: Frauen wollen Dinge selbst in die Hand nehmen. Und tun dies auch.

Ghanaische Frauen zwischen Alltag und Aufbruchstimmung
Diese spürbare Aufbruchstimmung ist ein wichtiger Antriebsmotor für viele Wirtschaftsbereiche, auch für die Agrarwirtschaft, eine der Hauptsäulen für die Entwicklung des westafrikanischen Landes. Frauen sind in diesem Sektor die Hauptantriebskraft und auch auf den ganzen afrikanischen Kontinent gerechnet produzieren Frauen stolze 80% der Lebensmittel. Doch dem Alltag geschuldet bleiben sie dabei noch hinter ihren Möglichkeiten zurück: soziokulturelle Barrieren verhindern, dass die Frauen Zugang zu Bildung oder zu Ausbildungsmöglichkeiten bzw. weiterführendem Wissen bekommen, welches ihnen das harte körperliche Arbeiten gerade im Agrarsektor erleichtern würde. Verbände wie LandFrauen oder die Deutsche Gesellschaft für internationale Zusammenarbeit engagieren sich deshalb in Zusammenarbeit mit dem Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) in Ghana, damit Bäuerinnen und Arbeiterinnen in der Agrarwirtschaft ihr Potential voll entfalten können. Das können Zuschüsse zu Arbeitsgerät sein, aber auch Ausbildungen, Weiterbildungen oder Schulungen. Dabei orientieren sich diese Angebote an der Lebenswirklichkeit der Frauen, etwa durch lokale und leicht erreichbare Einrichtungen oder Abend- und Wochenendkurse. Und gerade der Agrarsektor multipliziert diesen Input. Aber wie kommt das?

Ghanaische Frauen in der Landwirtschaft und der Lebensmittelverarbeitung
Dass gerade auf den landwirtschaftlichen Sektor ein solches Augenmerk gelegt wird, ist geschichtlich und wirtschaftlich bedingt: Ungefähr die Hälfte aller Arbeitsplätze in Ghana sind seit jeher in der Landwirtschaft zu finden. 80% dieser landwirtschaftlichen Betriebe werden von Kleinbauern und -bäuerinnen betrieben. Und von diesen kleinen Farmbetrieben wird ein Großteil von Frauen geleitet – denn dass es in Ghana vor allem die Frauen sind, die einen Großteil der landwirtschaftlichen Arbeit verrichten, ist ebenfalls geschichtlich bedingt. Hier setzt das WIAD an, das Women in Agricultural Development Directorate, eine Abteilung des ghanaischen Ministeriums für Ernährung und Landwirtschaft. Es hat das enorme Potential der in der Landwirtschaft arbeitenden Frauen schon vor Jahren erkannt und fördert dieses gezielt. Doch die Förderung geht über die Landwirtschaft hinaus: Ein besonderes Augenmerk wird auch auf Frauen in der Lebensmittel weiterverarbeitenden Industrie gelegt. Zur Hilfe kommen den Initiativen des WIAD gut ausgebildete junge Frauen, die oftmals im Ausland studiert haben, aber in ihre Heimat zurückgekehrt sind. Sie bringen Know-How, innovative Ideen und neue Trends mit, die sie mit Hilfe von WIAD in Ghana umsetzen können. Die Ghanaerin Ama Boamah ist so eine junge Unternehmerin: Sie hat in Finnland und Südafrika studiert, aber das Potential der ghanaischen Landwirtschaft erkannt. So hat sie die erste Bio-Saft-Fabrik Ghanas gegründet, deren neue Produkte die schnell wachsende ghanaische Mittelschicht gerne annimmt.

Es sind innovative Unternehmen mit globalem Weitblick, die dennoch das volle Potential der ghanaischen Heimat ausschöpfen wie dieses, das für andere Frauen eine Vorbildrolle einnimmt. Um auch für noch jüngere Frauen diese Wirtschaftssparte bereits von vornherein noch attraktiver zu machen, hat die mit dem WIAD verknüpfte Abteilung UWAD (Uniting Women for Agricultural Development) sogar einen „Miss Agriculture Ghana“-Wettbewerb ins Leben gerufen – mit großem Erfolg. Die Message hinter diesem Preis ist klar – Frauen sind die Zukunft für die ghanaische Agrarverarbeitung:
Agriculture is the backbone of our country, and due to the strong interest of women in most of the agric value chain, it has become important to uphold and present the attractive nature of agriculture to the youth, especially young women.

Ghanas Frauen auf dem Sprung
Auch fairafric beteiligt sich an diesem Wandel: Unser Partner in Ghana ist der Schokoladenhersteller Niche. Und Niche bildet aus, etwa Trainee Ann. Wir haben sie im Videointerview nach ihrer Sicht auf die Dinge gefragt und ehrliche Antworten wie diese bekommen: Was zählt, sei Leistung. Doch das schreckt sie nicht ab, ganz im Gegenteil. Ghanaische Frauen sind es gewohnt, viel zu leisten. Und mit der nötigen Unterstützung und der nötigen Ausbildung offenbaren sie ihr ganzes Potential: Mittlerweile sind stolze 46,4% der Ghanaischen Unternehmen in der Hand von Frauen – ein Rekordwert, von dem sich auch europäische Länder eine Große Scheibe abschneiden können. Dass es für Firmengründungen nicht zwingend einem Reichen Background und einer rekordartigen Wirtschaftsentwicklung bedarf, ist in der zweiten Ausgabe der Mastercard Index of Women’s Entrepreneurship (MIWE) zu lesen: Einige der am wenigsten wohlhabenden und entwickelten Volkswirtschaften weisen eine deutlich höhere Beteiligung von Frauen an Unternehmen auf als ihre wohlhabenderen und entwickelteren Konkurrenten. Dass dem so ist, wissen die Ghanaischen Frauen auch ohne Statistik. Gründerinnen wie Sandra haben beschlossen, einfach die Ärmel hochzukrempeln und irgendwo anzufangen. „Die Erfolgsgeschichten zeigen mir, wie sinnvoll meine Arbeit ist. Durch ihre neu erlernten Fähigkeiten kommen Frauen an die wenig verfügbaren Jobs oder gründen ihre eigenen Unternehmen und werden so in der Gesellschaft sichtbarer”, sagt Sandra stolz. Diese Mentalität, diese Pläne der Ghanaischen Frauen gehen auf. Und sie zeigen dem Rest der Welt, wie Frauenpower auf Ghanaisch aussieht.