Gemeinsam unterstützen wir die Lifechangers & Lifesavers der Mission Lifeline

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Erinnerst Du Dich noch an Kapitän Claus-Peter Reisch und unser Seenotretter-Paket?

Noch immer versuchen unzählige Menschen von der Nordküste Afrikas aus über das Mittelmeer nach Europa zu gelangen und noch immer nimmt diese gefährliche Reise für viele ein tödliches Ende. Im Sommer 2019 haben wir uns dazu entschieden, die zivile Seenotrettung und all die (ehrenamtlichen) Helfer*innen zu unterstützen, die sich tagtäglich für den Schutz der Geflüchteten einsetzen. Gemeinsam mit Solino und fairfood Freiburg, zwei jungen Unternehmen, die sich ebenso wie fairafric für eine faire Wertschöpfungskette in Afrika stark machen, haben wir die Aktionspakete „Support for Lifechangers and Lifesavers“ ins Leben gerufen. Pro verkauftem „Seenotretter-Paket“ wurden 10 € an die Mission Lifeline gespendet, einen deutschen Verein, der zivile Seenotrettung im Mittelmeer betreibt. Enthalten waren Ursprungsprodukte wie Kaffee aus Äthiopien, Cashews aus Nigeria und unsere superfaire Schokolade made in Ghana.

Ihr habt uns fleißig unterstützt und wir haben die ruhigen Tage des Jahreswechsels dazu genutzt, die Aktion auszuwerten: Insgesamt konnten wir 83 Seenotretter-Pakete verkaufen, was bedeutet, dass wir die Mission Lifeline mit stolzen 830 € unterstützen!

Um herauszufinden, wofür das Geld eingesetzt wird, haben wir Claus-Peter Reisch, den Kapitän der Mission Lifeline-Schiffe „Lifeline“ und „Eleonore“ für ein Interview getroffen. Seit dieser gemeinsamen Aktion ist Claus-Peter großer Unterstützer von fairafric und hat bei all seinen Reisen und Veranstaltungen stets eine Tafel unserer Schokolade im Gepäck. In diesem Blogartikel erfährst Du, wie der Kapitän zur Seenotrettung gekommen ist und woraus er die Motivation für seinen unermüdlichen Einsatz zieht. Wieso, weshalb, warum Schokolade glücklich macht, konntest Du ja bereits in unserem letzten Blogartikel lesen. In diesem Artikel geht es nun darum, dass Schokolade noch weitaus mehr kann, nämlich Fluchtursachen bekämpfen.  Wie das geht? Das erfährst Du in diesem Blogartikel.

Vom Freizeit-Segler zum Seenotretter

Segelbegeistert war Claus-Peter Reisch auch schon vor seiner Zeit als Kapitän der Lifeline. Den Entschluss, dieses Hobby zum Beruf zu machen, hat er im Sommer 2015 gefasst, als er von einer privaten Segelreise von Sardinien nach Griechenland zurückkam. Die Route führte ihn an den kalabrischen Häfen vorbei, sein Blick streifte die zahlreichen, heruntergekommenen Fischerboote, in denen durchnässte Kleidungsstücke, Kinderspielzeug und ähnliches zurückgelassen wurde. Die Debatten über die neue „Flüchtlingsroute Mittelmeer“ im Hinterkopf, die 2015 aufgrund der zunehmenden Schließung der Balkanroute in allen Medien geführt wurden, begriff er, dass es sich bei diesen Booten um Zeugen einer schrecklichen Odyssee über das Mittelmeer handeln musste. „Und das fand ich reichlich zynisch, dass ich hier mit meinem Boot rumfahre, meine Angel raushänge, zum Schnorcheln gehe und meinen Spaß habe, während sich nur wenige hundert Kilometer weiter südlich Dramen abspielen, bei denen Menschen ums Überleben kämpfen“. Von dieser Vorstellung erschüttert, beschloss er, nicht länger tatenlos zuzusehen und sich als Kapitän in der zivilen Seenotrettung zu engagieren. Bereits im April 2017 ist er dann zu seiner ersten Mission aufgebrochen. Mittlerweile war der Kapitän an der Rettung von rund 1000 Menschen beteiligt und schätzt, dass sein erstes Schiff, die Lifeline, innerhalb von zweieinhalb Jahren ungefähr 20.000 Menschen sicher in einen Hafen gebracht hat.

Seit seinem ersten Einsatz im Mittelmeer hat sich allerdings viel verändert. Er erzählt uns, dass die Unterstützung durch europäische, speziell ausgebildete Seestreitkräfte stetig zurückgeht und auch die europäischen Mittelmeerstaaten immer häufiger ihre Hilfe bei der Aufnahme der Geflüchteten verweigern. Das hat dazu geführt, dass die Seenotrettung im Moment hauptsächlich von ehrenamtlichen Helfer*innen und NGOs getragen wird, die auf Spendengelder angewiesen sind und oft nicht über die notwendigen Ressourcen verfügen.

Am erschütterndsten ist jedoch die zunehmende Kriminalisierung der Seenotrettung seitens der europäischen Staaten, die der Kapitän während seiner letzten Einsätze mehrmals am eigenen Leib zu spüren bekam: Im Herbst 2018 wurde die Lifeline im Hafen von Malta mit dem Vorwurf der falschen Registrierung des Schiffes festgesetzt und Claus-Peter Reisch wenige Monate später zu einer Geldstrafe von 10.000 € verurteilt. Knapp ein Jahr später wurde auch das zweite Schiff der Mission Lifeline, die Eleonore, beschlagnahmt, nachdem der Kapitän trotz Verbotes in einen Hafen in Sizilien eingefahren ist. Nach 8 Tagen auf offener See mit vielen seekranken Menschen an Bord, blieb ihm keine andere Wahl. Doch auch beschlagnahmte Schiffe kosten Geld.

Anstatt klein bei zu geben, sagt sich Claus-Peter Reisch: Jetzt erst recht! Und dabei wollen wir ihn und seine Mannschaft unterstützen. Daher werden die 830 € an Spendengeld für die Unterhaltung der Schiffe der Mission Lifeline eingesetzt. „Solange man die Fluchtursachen nicht soweit im Griff hat, dass sich die Menschen nicht mehr auf diesen gefährlichen Weg machen müssen, solange besteht zumindest eine moralische Verpflichtung, diese Leute nicht ertrinken zu lassen. Ganz klarer Fall“.

Claus-Peter Reisch betont, dass es nicht ausreiche, nur in Bildung in Afrika zu investieren, weil man die Problematik damit nur um 5 oder 10 Jahre nach hinten verschiebt.

„Das Hauptproblem liegt nicht darin, dass es zu wenig gut ausgebildete Arbeitskräfte gibt, sondern darin, dass es für diese schlichtweg keine Arbeitsplätze gibt. Und das liegt mitunter an den kolonialen Strukturen, in denen es keine Weiterverarbeitung der Rohstoffe in Afrika gibt, denn diese existieren bis heute“.

Von der Politik wünscht sich der Kapitän, dass keine Freihandelsabkommen mehr mit afrikanischen Ländern abgeschlossen werden. „Denn Freihandel mit Partnern, die nicht auf Augenhöhe sind, kann nicht funktionieren. Wenn wir beschließen, dass Afrika seine Produkte zollfrei nach Europa einführen darf, ist das ganz nett. Aber wenn man dann im gleichen Zug fordert, dass auch wir unsere Produkte zollfrei in die afrikanischen Länder schicken dürfen, dann wird sich dort nie eine höherwertige Wirtschaft etablieren können, weil die europäischen Firmen mit ihrem Know How und ihren Fertigungstechnologien dafür sorgen, dass in Afrika kein technisches Produkt entstehen kann. Und wenn man dann zusätzlich noch den afrikanischen Kontinent mit unseren hochsubventioniert hergestellten Agrarprodukten überschwemmt, dann macht man ja genau das, was man eigentlich nicht tun sollte: Man zerstört Arbeitsplätze. So lange man also nicht auf Augenhöhe miteinander handeln kann, verbieten sich solche Freihandelsabkommen. Im Gegenteil: Ich muss dafür sorgen, dass in Afrika Arbeitsplätze entstehen. Und da reicht auch kein Fairtrade Siegel aus, das den Leuten zwar ein paar Cent mehr fürs Kilo garantiert, aber in meinen Augen zumindest keine zusätzlichen Arbeitsplätze generiert.“

„Und deswegen finde ich genau das fairafric Projekt so genial, weil das einfach sagt: Wir schaffen dort Arbeitsplätze, damit sich die Leute nicht auf diesen tödlichen Weg machen.“

Der Kapitän selbst konsumiert deshalb stets nach dem Motto: „You get what you pay for. Und deswegen kann ich nur immer wieder an die Leute appellieren: Überlegt Euch, was Ihr kauft, denn als Verbraucher ist man am Point of Sales. Wenn ich mich bewusst dazu entscheide, Produkte wie z.B. eine fairafric Schokolade zu kaufen, die sicherlich mehr kostet, als die Allerbilligste im Supermarkt, dafür aber sicherstelle, dass Leute einen Arbeitsplatz und damit eine Perspektive im eigenen Land haben, dann mache ich was richtig. Und wenn ich mir deshalb eine Tafel Schokolade weniger kaufe, dann schadet das in den allermeisten Fällen ja auch nicht!“

Es ist noch ein langer Weg, bis sich die bestehenden Strukturen nachhaltig verändern. Solange wird sich der Kapitän weiterhin unermüdlich für den Schutz der Geflüchteten einsetzen. Wir haben ihn zum Schluss gefragt, woraus er nach all den Rückschlägen weiterhin seine Motivation zieht. Er erwidert uns mit einem Lächeln, dass er in seinem Leben schon viele Reisen in mehrere Länder Afrikas unternommen hat, bei denen er in sehr engem Kontakt mit der Bevölkerung war und durchweg positive Erfahrungen machen konnte. Besonders beeindruckt hat ihn die Gastfreundschaft der afrikanischen Familien: „Das Nichts, das sie haben, teilen sie auch noch. Und das ist ein Stück weit beschämend! Du kommst aus diesem – für deren Verhältnisse – ultrareichen Europa und die geben dir in ihrer Hütte einen Schlafplatz, damit du dein Zelt nicht aufbauen musst und dann laden sie dich auch noch zum Essen ein“.

Es bleibt zu betonen, dass wahre Freude bekanntlich am schönsten ist, wenn man sie teilt und deshalb macht unsere fairafric Schokolade nicht nur uns Menschen in Europa durch ihren leckeren Geschmack glücklich, sondern auch die Menschen, die bei der Herstellung der Schokolade beteiligt sind.

Wir sagen an dieser Stelle DANKE & MEDASE an Claus-Peter Reisch für seine tatkräftige Unterstützung und seinen unermüdlichen Einsatz auf hoher See sowie an Dich, weil Du Dich mit jedem Kauf einer fairafric Schokolade dafür einsetzt, dass den Menschen in Ghana eine echte Perspektive ermöglicht wird.