Impact Driven Consumerism – was für einen Unterschied macht meine Kaufentscheidung wirklich?

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Wer heute einkaufen geht, kauft sich mit teureren Bio- oder Fairtrade-Lebensmitteln das gute Gewissen oftmals gleich mit. Dennoch bleibt dabei hin und wieder ein nagender Gedanke, wenn mensch an der Kasse die fairen Lebensmittel in den Jutebeutel packt: Bringt das eigentlich was?

Ethisch korrekter Konsum alleine wird die Welt nicht retten. Das ist die schlechte Nachricht – und auch die gute. Denn – und das zeichnet sich bei diesem komplexen Thema gleich zu Beginn an ab – wirklich einfach lässt sich diese Frage nicht beantworten, doch am Ende bleibt eine wunderbare Erkenntnis. Aber der Reihe nach.

 

Der Blick aufs große Ganze: kein Unterschied?

Beleuchtet mensch dieses komplexe Thema, so wird deutlich, dass es extrem wichtig ist, die Mechanismen und Einflussfaktoren zu verstehen, die hinter dem Markt stehen. Der aktuelle Trend geht zum „Grünen Einkaufen“: mehr und mehr Konsument*innen wollen ökologischere und sozialverträglichere Waren kaufen, in der Hoffnung, auf die Umwelt und die Sozialstrukturen in der Erzeugerkette einen positiven Einfluss auszuüben.

Darauf stellt sich der Markt ein, und vom hippen Bioladen an der Ecke bis hin zu fairtrade-Eigenmarken in langen Regalen bei großen Discountern lassen sich faire und nachhaltige Lebensmittel entdecken – die Nachfrage bestimmt ja bekanntlich das Angebot. Ist dies aber eine wirkliche Veränderung oder doch eher nur „Greenwashing“, also der Versuch, sich durch das Anbieten und den Verkauf nachhaltiger Waren gut darzustellen?

 

 

Fakt ist: Es ist eine Veränderung zu sehen. Diese langsame Wende bei Einkäufer*innen ist schön, aber hier ist leider auch gleich der erste Haken: Um eine wirkliche Wende einläuten zu können, muss aus dem Nischenphänomen der grünen Einkaufsrevolution ein Massenphänomen werden. Zwar kaufen europaweit durchschnittlich 5-10% der Käufer*innen ökologisch und sozial verträglich, doch wird diese Zahl nur dann weiter steigen, wenn verschiedene Faktoren gegeben sind. Einer der wichtigsten Faktoren ist dabei, dass sich auf lange Sicht das Einkommen erhöhen müsste, denn dieses grüne Einkaufsverhalten ist erst vermehrt ab der Mittelschicht zu finden.

 

Hinzu kommt, dass der moralische Druck auf diese kleine Prozentzahl Verbraucher*innen wächst, weiter und stetig "richtig" einzukaufen. Dr. phil Bernd Mayerhofer, der politischen Theorie und Ideengeschichte an der Hochschule für Politik in München lehrt, fasst den Umstand, dass der/die Einzelne nun das richten muss, woran Politik und die Gemeinschaft gescheitert sind (nämlich die Welt zu retten), so zusammen: „Die Rettung der Welt liegt auf den Schultern des Individuums“.

Es läuft also etwas grundlegend falsch – und hier kommen wir direkt zum zweiten Haken: es sind nicht nur die Endverbraucher*innen, die die Welt retten sollen oder gar können. Politik und Wirtschaft sollten und müssten einen ebenso großen wie wichtigen Teil dazu beitragen, und nicht die Last dieses Umstands auf die Bürger*innen abladen. Der Philosoph und Physiker Armin Grundwald spricht dabei von einer hoffnungslosen Überforderung des Einzelnen, die die Politik unverantwortlich entlasten würde. Und auch, wenn es die Mehrheit der Endverbraucher*innen doch schaffen würde, durch einen absolut korrekten Konsum die Umwelt komplett zu entlasten, würde dies nicht reichen – denn dann würde das Paradoxon der „technisch-ökonomischen Systeme“ zuschlagen, „die zwischen der guten Tat und ihren Folgen vermitteln: Wer beispielsweise seinen Energieverbrauch reduziert, trägt in einem System mit Zertifikathandel dazu bei, dass Stahl- oder Aluminiumwerke mehr Kohlendioxid ausstoßen können“, so Grundwald. Sein Fazit lautet also, dass Nachhaltigkeit keine Privatsache sei, sondern eine öffentliche Aufgabe. Um diese öffentliche Aufgabe bewältigen zu können, ist allerdings ein politischer Kurswechsel nötig. Den wiederum kann der Einzelne in einer Demokratie mitbestimmen. Es kommt also nicht so sehr auf das persönliche Umweltverhalten an, sondern vielmehr auf das gesamtgesellschaftliche Engagement – was sich ja wiederum aus dem ersteren bedingt, denn Menschen, die sich im Privaten nicht für Nachhaltigkeit interessieren, werden sich auch im Kollektiv nicht dafür einsetzen. Das Umweltbundesamt fasst diese Tatsache in einem Bericht so zusammen: „Für die Umsetzung des Ziels einer nachhaltigen Gestaltung der Gesellschaft ist ein struktureller Wandel des Konsums unerlässlich“. Die Frage, ob die persönliche Kaufentscheidung nun einen Unterschied macht, kann also ganz klar beantwortet werden: ja, aber indirekt.

 

 

Der Blick ins Detail: ein Unterschied!

Je mehr mensch sich nun mit diesem Thema in der Theorie beschäftigt, umso verwirrender wird es dadurch bisweilen. Gerade, wenn sich Verbraucher*innen vor der Kaufentscheidung informieren, aber dann doch oftmals die Information erhalten, dass diese oder jene Zertifizierung nicht so ergiebig oder nachhaltig ist wie gedacht, ist es wichtig, sich folgenden Umstand ins Gedächtnis zu rufen: Bio- und Nachhaltigkeitszertifizierungen und ebensolche Programme gibt es erst seit verhältnismäßig kurzer Zeit. Die Erhebung von Daten hierzu ist umständlich, und Zahlen von weit verstreuten landwirtschaftlichen Betrieben und Wäldern rund um die Welt zu erhalten ist schwierig, teuer und dauert Jahre. Verwertbare Forschungsergebnisse kommen nur langsam und hatten bisher im öffentlichen Fokus auch nie Priorität. Und dass es, gerade wenn eine neue Bewegung entsteht, oftmals zu Fehlern kommt, liegt in der Natur der Sache. Denn jedem Anfang wohnt eben nicht nur ein Zauber inne, sondern auch eine gewisse Fehleranfälligkeit.

Um sich selbst zu motivieren, nachhaltige Kaufentscheidungen zu treffen und um konkrete Auswirkungen zu sehen, hilft ein Blick auf die Praxis: Eine relativ neue und umfangreiche Studie zur Nachhaltigkeit wurde 2012 veröffentlicht und beschäftigt sich mit 2.100 zertifizierten Kaffeefarmen in Kolumbien. Diese Studie beweist, dass diese Farmen eine Vielzahl bedrohte Arten beherbergen, eine höhere Biodiversität und gesündere Flüsse aufweisen, die Farmer*innen netto höhere Einnahmen erzielen und doppelt so produktiv sind wie nicht zertifizierte Betriebe. Und dies ist kein Einzelfall. Auch wir von fairafric zeigen Euch, unseren Kund*innen, regelmäßig die wunderbaren Auswirkungen, die unsere Schokolade erst ermöglicht: Wir sind dank Eurer Kaufentscheidung in der Lage, einen fairen Wertschöpfungsprozess in Ghana zu etablieren, faire Löhne zu zahlen, Ausbildungs- und Arbeitsplätze anzubieten, die Natur durch Bioanbau zu schonen und dadurch die Biodiversität zu fördern. Dank Eurem Kauf von fairafric-Schokolade können „unsere“ Farmer*innen das zusätzliche Geld, das sie bei uns durch Boni erhalten, dazu nutzen, ihre Kinder zu Schule zu schicken und sich bessere Häuser zu bauen. Zudem treten sie mit uns – und indirekt Euch – gegen die globalen Lieferketten an, die sich weder für die Menschen noch die Umwelt interessieren.

Ihr seht also, dass der Schluss, nachhaltigen Konsum als nicht wirksam zu bezeichnen, ein Fehler ist. Die Antwort ist nur eben nicht ganz einfach.