Pappkarton und Psychologie: wie Investitionen in Ghana weite Kreise ziehen

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Wir gewähren Euch einen Einblick in den prekären ghanaischen Arbeitsmarkt, erklären euch, warum Pappkartons unterschätzt werden und liefern Euch Zahlen und Fakten, die so verrückt sind, dass man sie kaum fassen kann.

Stellt Euch folgende Situation vor: Ihr sucht einen Job, erfahrt von einem guten Angebot – doch als ihr euch bewerben wollt, müsst ihr das verlangte Bewerbungsformular für unglaubliche 636 Euro kaufen. Das 8-fache des Mindestlohns für einen 8-Stunden-Tag in Deutschland. Was tut ihr nun?

Was sich nach einer total verrückten und erfunden Geschichte anhört, ist in Ghana kürzlich genau so geschehen: Der Ghana Immigration Service, eine Art staatlicher Grenzschutz, schrieb 2018 ganze 500 neue Stellen aus. Doch das Bewerbungsverfahren war alles andere als gewöhnlich: Der Staat beschloss, wohl um die Einnahmen anzukurbeln, die Bewerbungsunterlagen zu verkaufen – eine für 50 Cedi, das sind ca. 10 Euro. Das ist der blanke Wahnsinn, wenn man bedenkt, dass der staatlichen Mindestlohn in Ghana bei unter 2 Euro am Tag liegt. Und hier sind wir wieder bei unserem Anfangsbeispiel: Ein Bewerbungsformular kostete umgerechnet das 7-8-fache des täglichen Mindestlohns. Doch wer jetzt denkt, dass sich deswegen niemand dieses Formular gekauft hat, der hat weit gefehlt: Es wurden ganze 84.000 Formulare verkauft! Das heißt, dass auf eine Stelle 168 zahlende Bewerber*innen kamen. Wie kommt das?

Diese Zahlen sind nicht nur unvorstellbar, sondern zeigen deutlich, wie händeringend Arbeitsplätze in Ghana benötigt werden und wie weit die Menschen dort gehen, um eine gute Arbeit zu bekommen. Sie tun dort quasi alles, um eine Arbeitsstelle zu bekommen. Vor allem Universitätsabsolvent*innen, aber auch andere sehr gut ausgebildete Menschen sind arbeitslos und auf der Suche nach einem Job. Die Meisten von ihnen verdingen sich in Aushilfsjobs – und das meist ihr ganzes Leben lang. Wer es sich leisten kann, zieht ins Ausland.

Der Ripple-Effekt

Dieses Praxisbeispiel macht nachdenklich, denn es zeigt, wie verzweifelt viele Leute in Ghana auf der Suche nach einem geregelten Einkommen sind. Und gerade deswegen ist es enorm wichtig, dass es Unternehmen wie uns gibt, die vor Ort Arbeitsplätze schaffen – und das auch für Ingenieur*innen, Chemie- und Lebensmittelexpert*innen sowie viele andere gut ausgebildete Leute. Und wir werden in unserem Vorgehen bestätigt: Auf jede Stelle, die wir ausschreiben, bekommen wir enorm viele Bewerbungen. Und unsere Bewerbungsformulare sind natürlich kostenfrei!

Unternehmen wie wir, die vor Ort investieren, befeuern den sogenannten Ripple-Effekt. Dieser psychologische Effekt besagt, dass alles, was passiert, weite Kreise zieht. Hierzu gibt es eine Statistik der Weltbank, die aufzeigt, dass für jeden Job, der für die Weiterverarbeitung von Agrarprodukten geschaffen wird, 2,8 weitere Jobs in Zuliefererbetrieben entstehen. Das heißt also, dass für jede(n) Arbeiter*in, welche(n) wir beispielsweise in unserer Schoki-Produktionsstätte einstellen, weitere 2,8 Arbeitsplätze geschaffen werden.

Unsere Schokolade zieht also sehr weite, sehr positive Kreise – denkt daran, mit jedem Stück, das ihr genießt!

Kartons sind etwas ganz Wunderbares. Ihr Anblick, wenn sie fein säuberlich gestapelt Kartontürme bilden, ihr herb-staubiger Duft, das trockene Geräusch, das sie machen, wenn sie bewegt werden und ihre raue Oberfläche, die die Finger zum Vibrieren bringt, wenn man darüber kratzt. Wenn ihr unsere Liebe zu Kartons nicht teilt, dann ist das völlig okay, aber habt ihr schon einmal darüber nachgedacht, dass ohne Kartons kein Versandhandel möglich wäre? Kein Transport, kein Verkauf – keine Schokolade aus Ghana in Euren Händen (und Mündern)?! – Und auf einmal wird Karton wieder attraktiv!

Wir geben zu, dass es bis vor Kurzem auch für uns nicht alltäglich war, über Kartons nachzudenken. Aber das hat sich nun geändert, denn wir haben Safo Ntim kennen gelernt. Er hat Ghanas erste Kartonagenfabrik Fon Packaging aufgemacht – sehr zu unserer Freude, denn nun können wir die Kartons, in denen unsere Schokolade auf ihre Reise nach Europa geht, endlich aus Ghana selbst beziehen. Vorher waren es europäische Kartons, die wir dafür verwendet haben. Es gab bisher schlicht keine Fabrik, die Kartons in der von uns benötigten Menge hergestellt hätte und das auch nicht nach den europäischen Lebensmittelsicherheits - und Qualitätsstandards. Mit Safos Unternehmen hat sich das nun geändert.

 

 

Wirtschaftsfaktor Karton

Angeblich ist die Karton-Industrie die drittgrößte Industrie der Welt und macht fast 500 Milliarden Dollar Umsatz im Jahr. Das klingt plausibel, wenn man bedenkt, dass wirklich so gut wie alles, das wir benutzen, in Kartons verpackt in den Supermarkt oder direkt zu uns nach Hause geliefert wird. Safo Ntim und sein Sohn Emanuel haben das erkannt. Safo importierte eigentlich Schulbücher. Das war aber sehr kostenintensiv und so beschloss er, selbst Hefte herzustellen. Fortan bezog er nur noch vorgeschnittenes Papier aus dem Ausland und fertigte daraus selbst Hefte.

Das Konzept ging auf: Die Nachfrage war sehr groß und sogar der ghanaische Staat wurde sein Kunde. Safo konnte immer mehr investieren, wachsen – und wagte schließlich einen großen Schritt: Er investierte 16 Millionen Dollar und eröffnete eine Kartonagenfabrik, da er erkannte, dass hier eine enorme Marktlücke in Ghana bestand. Diese hohe Investitionssumme erlaubte es ihm, gut ausgestatte und bezahlte Arbeitsplätze anzubieten. Mit Erfolg. Die Firma wächst stetig und wird mittlerweile von seinem Sohn Emanuel geleitet.

Von ihm beziehen wir jetzt nicht nur unsere Versandkartons, sondern wir entwickeln mit ihm auch gerade neue Endverpackungen für unsere Schokoladentafeln, damit wir diese nun künftig ebenfalls vor Ort beziehen können. Denn wir glauben fest an den positiven Ripple-Effekt und dass unsere Investitionen vor Ort es Arbeitgeber*innen wie Safo und Emanuel ermöglichen, zusätzliche Arbeiter*innen einzustellen. Zudem wird ein weiterer positiver Effekt zweifelsfrei auch sein, dass durch immer besser werdende lokale Lieferanten neue Produzenten ins Land kommen.

So stellen wir am Ende also fest: Je mehr fairafric-Schokolade ihr esst, desto mehr Arbeitsplätze können wir vor Ort schaffen.