Wieso, weshalb, warum? Macht Schokolade glücklich?

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Der Mythos, dass Schokolade glücklich macht, hält sich hartnäckig. Aber nicht allein die Tafel macht das Glück, wie sich bei eingehender Betrachtung herausstellt.

Was verstehen wir unter Glück?

Es gibt unendlich viele Definitionen des Wortes „Glück“ – und unendlich viele Ansätze: evolutionstechnische, wissenschaftliche, philosophische und einige mehr. Aber ganz simpel betrachtet ist Glück zuallererst eine subjektive, positive Gemütsverfassung und bedeutet für jeden etwas anderes. Es ist jedoch immer mit starken positiven und verminderten negativen Gefühlen verbunden. Für diese wunderbare Stimmung sind Hormone zuständig – und diese entstehen im Gehirn. Glück ist also „nur“ eine Hormonschwankung.

Wie entsteht Glück im Gehirn?

Dass Glück durch eine Hormonausschüttung im Gehirn entsteht, wurde erst in den 50er-Jahren des letzten Jahrhunderts bekannt. James Olds, ein Psychologe, der an der University of Michigan lehrte, entdeckte (leider in einem Laborversuch mit Ratten), dass durch die Stimulation gewisser Gehirnareale und die daraus resultierende Ausschüttung von gewissen Stoffen ein rauschartiger, euphorischer Zustand erreicht wurde, der von den Tieren auch selbst erzeugt und gesucht wurde. Das Zusammenspiel der verschiedenen Gehirnregionen und die genauen Abläufe sind langwierig zu erklären, wichtig ist nur zu wissen, auf welche Botenstoffe es ankommt: Serotonin und Dopamin. Vor allem Dopamin veranlasst Neuronen (Nervenzellen), einen Stoff zu erzeugen, der ähnlich wie Opium wirkt – euphorisierend, berauschend, beflügelnd – kurzum: beglückend.

Was hat Schokolade damit zu tun?

Dass Menschen und Tiere nach diesem wunderbaren Gefühl streben, ist bekannt. Dass vieles getan wird, um schneller glücklich zu werden, ebenso. Die UNO beispielsweise hat Grundbedingungen aufgestellt, die es mindestens braucht, damit Menschen glücklich sein können. Andere gehen weniger strategisch an das Projekt „Glück“ heran und üben z.B. ihr Hobby aus, um den beglückenden Zustand zu erreichen – oder essen Schokolade. Denn dass diese glücklich macht, ist wissenschaftlich belegt. Warum aber? Das liegt zum einen an ganz gewissen Inhaltsstoffen, von denen guter Kakao eine Menge aufzuweisen hat. Die interessantesten für dieses Thema sind wohl:

  • Tryptophan: Hierbei handelt es sich um eine essenzielle Aminosäure, die als Grundzutat für den bereits oben erwähnten Glücksbotenstoff Serotonin dient und reichlich in der Kakaobohne zu finden ist. Ohne Tryptophan würde, vereinfacht gesagt, der Transport der Glücksbotenstoffe nicht so gut funktionieren und der Mensch wäre bei einem starken Tryptophanmangel niedergeschlagen oder traurig. Darauf hat auch die Wissenschaft reagiert und behandelt beispielsweise leichte Depressionen mit Tryptophan-Zugaben.
  • Koffein und koffeinähnliches Theobromin: Diese zwei Stoffe sind auch im Kakao zu finden. Beide haben einen anregenden und stimmungsaufhellenden Effekt, der wie Glücksgefühle wahrgenommen wird.
  • Zucker: Zucker hat nichts mit Kakao zu tun, ist aber natürlich in den meisten Schokoladen zu finden. Zucker regt die Bauchspeicheldrüse an, Insulin auszuschütten. Insulin ist für den Körper wichtig, denn es regelt u.a. den Stoffwechsel des Körpers, sorgt aber auch dafür, dass das bereits erwähnte Tryptophan schneller und gezielter ins Gehirn gelangt – und dort für eine gesteigerte Seorotoninausschüttung sorgt.
  • Anandamid und Phenylethylamin: Diese zwei Stoffe sind ebenfalls im Kakao enthalten und haben auf den Organismus eine ähnliche berauschende, beglückende und beflügelnde Wirkung wie beispielsweise Cannabis. Allerdings kommen die Stoffe in der Schokolade in so geringen Mengen vor, dass nach Hochrechnungen der Universität Köln ein durchschnittlicher Mensch ca. 20-30 Kilogramm Schokolade essen müsste, um davon wirklich berauscht zu werden.
  • Polyphenole und Flavonole: Hierbei handelt es sich um Bitterstoffe, die im Kakao enthalten sind und die eine durchblutungsfördernde Wirkung auf das Gehirn haben sollen. Ein stärker durchblutetes Gehirn wiederum soll sich nicht nur positiv auf die Glückshormonbildung auswirken, sondern ebenfalls zur vorbeugenden Behandlung von Schlaganfällen oder Demenz dienen (hieran wird gerade noch geforscht). Doch schon wie bei Anandamid und Phenylethylamin ist auch hier die Dosierung in normaler Schokolade eigentlich zu gering, um bei normalen Verzehr von einer merkenswerten Wirkung profitieren zu können.

Was also hat Schokolade an bzw. in sich, das Menschen so glücklich macht? Hier kommen wir zu dem zweiten großen Punkt: die psychologische Wirkung. Bei dieser gibt es vor allem zwei gängige Erklärungen:

  • Die evolutionär begründete These: Um den Organismus am Laufen zu halten, war es gerade für die frühen Menschen wichtig, möglichst kalorienreiche, am besten mit viel Fett und Zucker versehene Nahrung zu sich zu nehmen. Bekamen sie die, waren sie körperlich fit, gestärkt und seelisch zufrieden – glücklich eben. Das neuronale Belohnungszentrum des Gehirns belohnt den Menschen (früher wie heute), seinen Körper ausreichend versorgt zu haben (in diesem Zusammenhang kann man gar von einem Schoko-High sprechen). Damals sinnvoll, heute eigentlich überholt. Aber was sich in der Evolution durchgesetzt hat, dauert bekanntlich ein paar Jahrhunderte, um sich wieder zu verändern.
  • Der seelische Effekt: Schokolade ist bei den meisten in der Kindheit als Belohnung oder Trostspender eingesetzt worden – wir wurden quasi konditioniert. Und das funktioniert so gut, dass wir diese Konditionierung freiwillig weiterführen. Schokolade ist also ein gute-Laune-Nahrungsmittel, ein sogenanntes „Mood Food“ – ein Essen, das uns aus unterschiedlichen Gründen gute Laune beschert.

Welche anderen Lebensmittel könnte man noch als „Mood Food“ bezeichnen?

Ständig zur Schokolade zu greifen ist zwar die vielleicht schmackhafteste, aber nicht durchgängige gesündeste Lösung. Da es Mutter Natur aber bekanntlich gut mit uns gemeint hat, sind viele der glücklich machenden Stoffe auch in anderen Nahrungsmittel enthalten. Hier sind ein paar Beispiele aufgezählt:

  • Bananen, Ananas, Cashewnüsse: Sie enthalten so viel Tryptophan wie kaum andere Lebensmittel.
  • Trockenfrüchte wie Datteln und Feigen: Sie können neben Tryptophan vor allem mit Magnesium punkten, das uns belastbarer gegenüber Stress machen soll.
  • Ingwer und Chilli: Durch Schärfe werden Nerven im Mund gereizt, was wiederum die Ausschüttung von Endorphinen im Gehirn freisetzt.
  • Avocado, Champignons und Brokkoli: enthalten viele B-Vitamine, die sich stabilisierend auf die Psyche auswirken.

Was sagt das fairafric-Team dazu?

Keine Frage, Obst und Gemüse sowie Nüsse sind für eine ausgewogene Ernährung unverzichtbar. Dennoch stimmen wir mit Richard Paul Evans überein: „Schokolade ist Gottes Entschuldigung für Brokkoli“.