Start-Up Szene in Ghana

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Startup Szene in Ghana

Startups sind für die freie Marktwirtschaft heutzutage genauso wichtig wie für den Menschen frische Luft zum Atmen: Investorinnen, die sich gänzlich auf neu gegründete Unternehmen spezialisieren, Staatshilfen für Neugründerinnen oder Startup-Awards mit hohen Gewinnausschüttungen – sind nur einige Beispiele die diese These stützen.

Gerade da auch wir von fairafric ein Startup in der Schokoladenbranche sind, verfolgen wir gespannt die Entwicklungen in der Szene. Durch die geschäftliche, soziale wie auch kollegiale Verbindung zu Ghana ist dies Grund genug, die Gründerszene genauer unter die Lupe zu nehmen. Existiert dort überhaupt eine Gründerszene? Wird diese vom Staat unterstützt? All das und noch viel mehr erfahrt Ihr im weiteren Verlauf dieses Blogartikels.

Die Startup Entwicklung in Zahlen und Daten

Der Investment Report Africa gibt jedes Jahr an, in welchen Bereichen in afrikanischen Ländern wie viel investiert wurde. Aus dem Bericht des Jahres 2019 geht hervor, dass Ghana insgesamt rund 60 Millionen US$ für acht Startup-Unternehmen an Land gezogen hat. Zwei Startups stechen hier heraus und haben zusammen mehr als 50% der Summe erzielt: Das Solarenergieunternehmen PEG Ghana erhielt 25 Millionen US$ und das Digital Health Startup mPharma 13,5 Millionen US$.

Das Gesamtergebnis aus dem Jahr 2019 macht Hoffnung, dass die Zukunft rosig aussehen könnte, denn im Vergleich zu 2017 konnte das Investment schon um 300% gesteigert werden. Dieses Wachstum sorgt auch dafür, dass Ghana im afrikanischen Vergleich auf Rang 5 hinter den deutlich bevölkerungsstärkeren Ländern Südafrika, Kenia, Nigeria und Ägypten rangiert.

Die Plattform VC4A, welche das Risikokapital ghanaischer Startups berechnet, hat in einer Studie herausgefunden, dass in Ghana mehr als 70% der Startups im Schnitt acht feste Arbeitsplätze schaffen. Ebenso wurde herausgefunden, dass mehr als 60% dieser Arbeitskräfte zwischen 18 und 35 Jahre alt sind.

Ghanas Erfolgsrezept liegt in der Bevölkerung

Doch woher kommt dieser angesprochene Erfolg im Startup-Sektor? Hier spielen mehrere Faktoren eine entscheidende Rolle. Zum Einen ist Ghanas Bevölkerung jung, mehr als 50 Prozent der Einwohner sind zwischen 15 und 40 Jahre alt. Der Wille, durch Innovation und Unternehmergeist auf eigenen Beinen zu stehen, ist eine Eigenschaft, die sich durch den gesamten Bevölkerungsanteil zieht. Eine hohe Zahl an gut ausgebildeten und qualifizierten Arbeitskräften, sowie die Aufgeschlossenheit gegenüber neuen Technologien fällt hier ebenfalls ins Gewicht.

Zum Anderen ist auch die hohe Internet- und Mobilfunkdurchdringungsrate nicht zu unterschätzen.

Die deutsche Non-Profit Organisation Enpact e.V. hat im Jahr 2019 einen Bericht veröffentlicht, der eine Vielzahl an afrikanischen Städten wie z.B Accra, Lagos und Nairobi, auf ihre Startup-Freundlichkeit untersucht hat. Accra schnitt hier in den Bereichen Humankapital und Makrobedingungen überdurchschnittlich gut ab. Der Grund dafür ist, dass in Accra sehr viele hochqualifizierte Arbeitskräfte ein Zuhause gefunden haben. Der Frauenanteil ist auch sehr hoch, was für gute und offene Bildungsmöglichkeiten spricht. Die gute Bewertung der Makrobedingungen lässt sich durch die stabile politische Lage – Ghana ist ein demokratischer Staat – erklären.

Ghanaische Startups haben im Jahr 2019 60 Mio.$ gesammelt

“Für Gründerinnen in Ghana ist es sehr, sehr schwierig, wenn man nicht wirklich mit ganzem Herzen dabei ist” -Nelson Boateng, Gründer der Recyclingfirma Nelplast

Ghanas Tech-Startups gehen voran

Ghanas Startup-Szene entwickelt sich außergewöhnlich schnell. Die Hauptstadt Accra ist ein Oase für die Tech-Branche: Eine Vielzahl an Tech- und IT-Firmen sowie Hubs und Gründerzentren haben hier ihr Zuhause.

Die im Jahr 2008 gegründete Meltwater Entrepreneurial School of Technology (MEST), ansässig im Herzen Accras, unterstützt Software-Startups mit umfassenden IT-Schulungen und Finanzierungs- und Mentoringangeboten. Die MEST ist international ebenfalls bestens vernetzt und kann den Startups so einige Türen öffnen.

Die Nachfrage nach jungen Technologie-Unternehmen in Ghana und auf dem gesamten Kontinent wächst vor allem bei ausländischen Investor*innen, da vor Allem eine Entwicklung im Tech-Bereich deutliche wirtschaftliche Erfolge hervorbringen kann.

Durch die angesprochene rasante Entwicklung im Tech-Bereich hat auch das über Grenzen hinaus bekannte Silicon Valley Ghana für sich entdeckt. Im April 2019 gründete Google im Zuge seiner “AI First” Ausrichtung sein Artificial Intelligence (AI) Research Centre in Accra – das erste überhaupt in Afrika. Dieses arbeitet gemeinsam mit Universitäten, Startups und Regierungsbehörden, um Lösungen für Herausforderungen in der Gesundheitsversorgung, der Landwirtschaft und im Bildungsbereich zu entwickeln. So könnten in Zukunft kritische Entscheidungen und knifflige Situationen durch die Unterstützung von Technik und Computern bessere Ergebnisse hervorbringen.

Auch das Founder Institute, welches aus Palo Alto stammt und Zweigstellen in fast jeder bedeutenden Metropole hat, eröffnete 2019 ebenfalls ein Büro in Accra. Das Institut hat bis zum heutigen Tag mehr als 4.000 Unternehmen in über 180 Städten bei der Gründung unterstützt und insgesamt mehr als 900 Millionen US$ erwirtschaftet. Die unterstützten Unternehmen haben mittlerweile einen geschätzten Wert von mehr als 20 Milliarden US$.

Die Unterstützung sieht wie folgt aus: Durch ein eigens entwickeltes Schritt-für-Schritt Programm werden Unternehmen durch die oftmals schwierige Anfangsphase geleitet. Gründer*innen erhalten Schulungen und Mentoring. Außerdem wird ihnen mit dem weltweiten Netzwerk unter die Arme gegriffen.

Die Wirtschaft des Landes profitiert von dem Innovationsstreben der Bevölkerung

Ein Bilderbuch-Startup revolutioniert Ghana und den Kontinent

Ein Unternehmen das über die Grenzen Ghanas hinaus aktuell für Aufsehen erregt, ist das in Accra ansässige Pharma-Startup mPharma. Vor sieben Jahren von Greg Rockson gegründet, ist die Geschichte des Gründers nicht weniger interessant, als das Startup selbst.

Der gebürtige Ghanaer zog mit 18 in die USA um Medizin zu studieren, änderte diese Pläne aber schnell, da ihn die Pharmaindustrie faszinierte. “Warum soll ich Arzt werden und ein paar Leben retten, wenn ich so deutlich mehr retten kann?” so Rockson.

Das Ziel des Unternehmens: Pharmazeutika auf dem Kontinent erschwinglicher und zugänglicher zu machen. Aktuell sind Medikamente auf dem Kontinent noch sehr teuer, wodurch einem Großteil der Bevölkerung der Zugang verwehrt wird, da sie sich die Medikamente nicht leisten können. Diese hohen Preise entstehen, da es keine Massenproduktion der Medikamente gibt. Der Plan des Unternehmens beinhaltet, den Lieferanten erhöhte Sicherheit zu gewähren.

mPharma stellt Kapital zur Verfügung und erhöht das Volumen an Bestellungen, weshalb Medikamente auch günstiger verkauft werden können. Das Unternehmen hat inzwischen längst namhafte Investor*innen von sich überzeugt. Die CDC Group, welche als Entwicklungsorganisation im Vereinten Königreich tätig ist und der bekannte Silicon Valley Investor Jim Breyer sind nur einige, welche sich der Mission von mPharma verschrieben haben.

Das Unternehmen war kürzlich auch Dank der Anstellung der ehemaligen Präsidentin von CVS( das größte Pharmaunternehmen in den USA) Helena Foulkes sehr präsent in der nationalen sowie internationalen Presse: Die erfahrene Geschäftsfrau sitzt seit Mai 2020 im Vorstand von mPharma. Seit 2015 hat das Unternehmen schon über 40 Millionen US Dollar in diversen Finanzierungsrunden gesammelt und dies unter anderem dafür genutzt, Kenias zweitgrößte Pharmakette Haltons zu kaufen.

Dadurch konnte mPharma seine Anzahl von 17 Filialen auf inzwischen 30 erweitern. Das vom Unternehmen geschaffene Programm, welches das Bestandsmanagement deutlich verbessert, wird inzwischen von über 250 Apotheken in Westafrika verwendet. mPharma ist ein tolles Beispiel dafür, wie durch Innovation ein Problem nicht nur erkannt werden kann, sondern durch ein klares Konzept auch eine Lösung für dieses Problem geschaffen werden kann.

Die Apotheken profitieren von den neu geschaffenen Strukturen

Grüne Startups auch in Ghana auf dem Vormarsch

Nicht nur hierzulande führt die immer ernster werdende Situation des Klimawandels und des immer wachsenden Bewusstseins über die aktuelle Situation in der Weltpolitik zur Gründung sozialer Startups. Eine Vielzahl an Startups entsteht durch den Wunsch, für akute Problemgebiete wie zum Beispiel Armut, Klimawandel und Diskriminierung nachhaltigere Lösungswege anzustreben. Auch in Ghana gibt es eine steigende Anzahl in diesem Sektor. Der angesprochene Unternehmergeist und das steigende Bewusstsein für nachhaltige Themen führt zu wegweisenden und vielversprechenden Projekten.

Koliko Wear verbindet Unternehmergeist und nachhaltiges Denken

Ein Beispiel dafür ist das ghanaische Startup Koliko Wear, das Schuhe aus alten Jeans, Möbelüberzügen und dem Gummi von ausrangierten Autoreifen herstellt. Koliko Wear wurde von den beiden Ghanaern Peter Anowie und Kwabena Obiri Yeboah gegründet, um erstklassige Schuhe zu fertigen, junge Talente zu fördern und gleichzeitig die Belastung der Umwelt nachhaltig zu verringern.

Das Unternehmen geht einen ungewöhnlichen, aber bewundernswerten Weg: So hofft das Unternehmen, dass seine Teammitglieder eines Tages ihre eigenen Geschäftsideen realisieren. Damit dieser Wunsch irgendwann Realität annehmen kann, ist es Koliko Wear ein Anliegen, seine Mitarbeiter mit dem nötigen Know-How zu versorgen.

Koliko Wear hat somit an mehreren Stellen einen positiven Einfluss: Das Upcycling alter Second Hand Ware schont die Umwelt, da die Materialen nicht einfach nur verbrannt werden, sondern zu hochwertigen und stylischen Schuhen verarbeitet werden. Zudem wird die Armut erfolgreich bekämpft, denn das Unternehmen bietet jungen Menschen in der Region ein sicheres Einkommen, wodurch sie ihre Lebenssituation deutlich verbessern können.

Ein Mitarbeiter von Koliko Wear bei der Arbeit. Foto: ifworlddesignguide

“Ich denke, die Szene wächst in die richtige Richtung. Das Umfeld stimmt, wir haben eine gute Mischung aus lokalen Talenten und erfahren Rückkehrerinnen aus dem Ausland.” -Andrew Quao, einer der Gründer von e-health Startup Red Bird.

Förderung lässt noch zu wünschen übrig

Leider hat Ghana zum aktuellen Zeitpunkt noch sehr wenige Förderzentren, welche speziell auf Startups ausgerichtet sind.

Das Hub-Netzwerk, welches in ganz Afrika operiert, hat herausgefunden, dass es in Ghana im Jahr 2019 schätzungsweise 27 Hubs gibt, welche Gründer*innen den Einstieg ins oftmals chaotische Startup-Leben vereinfachen. Wie bereits angesprochen, bietet die Hauptstadt Accra viele Möglichkeiten, weshalb dort auch der Großteil der Förderzentren angesiedelt ist. Weitere dieser Einrichtungen gibt es vereinzelt in den Städten Kumasi und Takoradi.

Die ghanaische Regierung rund um Präsident Nana Akufo-Addo hat zum Glück die Zeichen erkannt und unterstützt Gründer*innen seit 2017 durch das National Entrepreneurship and Innovation Program, kurz NEIP. Im vergangenen Jahr konnten dadurch 5 Millionen Euro bzw. 30 Millionen Cedi an 3000 Startups weitergeleitet werden.

Das Ziel des Förderprogramms: Den hohen Anteil an jungen Menschen der Bevölkerung dazu zu motivieren, den eigenen Innovationsgeist voranzutreiben und eigene Unternehmen aufzubauen. Hierdurch soll eine hohe Jugendarbeitslosigkeit vermieden werden.

Generell lässt sich sagen, dass Ghana ein sehr attraktives Umfeld für Gründerinnen bietet. Die Bevölkerung ist jung und in Aufbruchstimmung, internationale Investorinnen finden immer mehr den Weg in das Land und auch die Förderung durch den Staat wird immer besser. Jedoch sollten unbedingt weitere Förderzentren in Ghana aufgebaut werden, da diese Startups nicht nur finanziell unterstützen, sondern auch Erfahrungen und Wissen weitergeben. Die Kombination von finanzieller Unterstützung und Wissenstransfer ist elementar und hilft dabei, die Unternehmen durch die ersten Gründerschritte zu leiten. Es gibt eben Dinge, die man mit Geld allein nicht kaufen kann.