Vom Luxushotel zur Straßenkinder-Herberge: Die wunderbare Geschichte der JayNii Streetwise Foundation

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Das Leben schreibt die schönsten Geschichten, heißt es. Dass dem so ist, beweisen Jay und Nii. Sie haben den persönlichen Traum vom eigenen Strandhotel für etwas Großartiges aufgegeben, das nicht nur ihr Leben verändert hat.

Konzentrierte Blicke, die Nähmaschinen rattern. Jay hält fertig genähte Turnbeutel in leuchtenden Farben in die Luft und blickt prüfend auf die Nähte. Sie nickt – die Nähte sitzen perfekt und die Beutel können auf die Reise gehen. Doch wir befinden uns nicht in einer x-beliebigen, gesichtslosen Textilien-Fabrik, sondern in einem kleinen Raum am Stadtrand von Accra.

Genauer gesagt im Stadtteil Jamestown, einen Steinwurf vom stattlichen Wahrzeichen des Leuchtturms entfernt. Abseits der Touristenpfade haben Jay und Nii, ein ghanaisches Ehepaar, ihren Traum verwirklicht – aber ganz anders, als ursprünglich geplant.

Wir schreiben das Jahr 2006 und Jay und Nii sind aus ihrer temporären Wahlheimat England in ihr Heimatland Ghana zurückgekehrt. Nach einem mehrjährigen Aufenthalt in Brighton wollen sie mit dem Geld, das sie sich in England über die Jahre gespart haben, am Strand von Accra ein Hotel in bester Strandlage eröffnen.

So erstanden sie ein Grundstück in Strandnähe in Accras ältestem Stadtteil Jamestown und begannen zügig mit den Bauvorbereitungen – doch während der Bauphase selbst kommt schließlich alles anders: Die zahlreichen Straßenkinder, die sich in der Nähe der Baustelle herumtreiben, betteln und versuchen, Autofahrern Wasser zu verkaufen, fangen vereinzelt an, nachts in dem Rohbau des Hotels zu schlafen, um zumindest zeitweise einen halbwegs sicheren Übernachtungsplatz zu haben. Jay und Nii wissen, dass sie nicht wegsehen können.

Sie fangen an, an die Kinder Essen zu verteilen und bieten ihnen nun ganz offiziell Schlafplätze an. Diese Großherzigkeit spricht sich durch den Straßenfunk natürlich schnell herum und innerhalb kürzester Zeit versorgt das Ehepaar über 50 Straßenkinder.

In Ghana sind solche Straßenkinder, vor allem in den Großstädten, keine Seltenheit. Diese Kinder sind faktisch gesehen keine Waisen; d.h., dass es theoretisch noch lebende Familienmitglieder geben würde. Jedoch haben sie oft ihre Eltern verloren und andere Verwandte wie Onkel oder Tanten haben schlicht kein Geld, neben ihren eigenen auch noch für diese verwandten Kinder aufzukommen.

Das Geld, das die Kinder vielleicht ab und an von nahen oder entfernten Verwandten bekommen, reicht weder für eine ausreichende Ernährung, noch für eine Unterkunft oder gar für das Schulgeld aus. Deshalb sind sie darauf angewiesen, für sich selbst zu sorgen. Mit dem Verkauf kleiner Dinge – zum Beispiel Wasserflaschen an Autofahrer –, betteln, Diebstählen oder dem Sammeln von Müll halten sich die Straßenkinder mehr oder weniger gut über Wasser. Dabei sind sie oftmals noch keine 10 Jahre alt. An eine gute und gesicherte Zukunft ist für diese Kinder nicht zu denken, in den Genuss von Bildung kommen die wenigsten.

Aber für über 50 von ihnen hat sich das Blatt nun gewendet – sie leben jetzt in der JayNii Streetwise Foundation. Das Ehepaar Jay und Nii fasste nämlich noch während der Bauphase ihres geplanten Hotels einen folgenreichen Entschluss: Das Hotel sollte es nie geben. Sie haben das ansehnliche Haus zwar fertig gebaut, es dann aber in eine Straßenkinderherberge umgewandelt.

Und dieser Entschluss hat für viele streunende Kinder in Accra weitreichende und wunderbare Folgen: Ein Teil von ihnen kann in dem Haus der Foundation wohnen, andere kommen nur tagsüber und profitieren von den zahlreichen Angeboten. Sie bekommen eine reichhaltige Mahlzeit, lernen Lesen und Schreiben und erfahren Zuneigung – sie (er-)leben schlicht ein Stück zu Hause.

Unser Gründer Hendrik lernte Jay, Nii und ihr übergroßes Herz auf einer seiner Reisen nach Accra kennen und schätzen und war sofort Feuer und Flamme für dieses Projekt. Daher haben wir von fairafric während unserer ersten Crowdfunding-Kampagne bereits für die JayNii Streetwise Foundation Geld gesammelt und gespendet.

Da wir aber von der nachhaltigen Hilfe zur Selbsthilfe überzeugt sind und die Erfahrung gemacht haben, dass dies am besten funktioniert, wenn bestehende Strukturen verändert werden, hatten wir eine Idee, auf die uns Jay indirekt durch ihre versierten Nähkünste brachte.

Jay ist eine begnadete Näherin; Hendrik hat sich einmal von ihr Einkaufstaschen nähen lassen und diese dann 2 Jahre lang bei jedem Einkauf benutzt. Die schöne Erinnerung brachte ihn dann auf die Idee, die Foundation durch den Kauf von genähten Turnbeuteln zu unterstützen.

So haben wir seit einiger Zeit den Turnbeutel im Paket mit Schokolade im Online-Sortiment, zuvor war er ein Top Seller in unserer 2018er Kickstarter Kampagne.

Das Besondere: Wir reichen den Kaufpreis für den Beutel komplett nach Ghana weiter, knapp 7€. Das ist vor Ort viel Geld, die Materialien kosten nur einen Bruchteil auf dem Markt.

Da diese auch in Ghana hergestellt werden, profitieren auch noch andere.

 

Jay konnte nun bereits zwei „ihrer“ ehemaligen Straßenmädchen zu Näherinnen ausbilden, die nun zusammen mit ihr die einzigartigen Stücke produzieren. Die Geschichte von Jay, Nii und ihrer Organisation ist eine jener Geschichten, die sich das Leben nicht besser hätte ausdenken können. Und sie ist viel zu schön, um sie nicht mit euch zu teilen!

Und sie geht weiter: Nii erzählte vor ein paar Tagen von einem weiteren Erfolg, der beeindruckender kaum sein könnte: Das erste von Jay-Niis ehemaligen Straßenkindern hat nun erfolgreich die Universität abgeschlossen.

So werden aus analphabetischen Straßenkindern Universitätsabsolventen und aus Hotelrohbauten Straßenkinderherbergen.

Welch wunderbarer Beweis dafür, dass das Gute in der Welt noch existiert.

Link zur Foundation: http://www.jaynii.com/