Von Kakaofarmer*innen, Schokolade mit gutem Gewissen und Bankangestellten

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Dass Armut in vielen afrikanischen Ländern ein großes Problem ist, ist seit Langem bekannt. Aber wusstet ihr auch, dass wir mit unserer fairafric-Schokolade eine echt Alternative schaffen, die weit über den klassischen fairen Handel hinausgeht? So hat unsere einzigartige und super faire Vorgehensweise schon zu manch höchst überraschenden Ergebnissen geführt!

Kinderarbeit auf Kakaoplantagen? Wida lacht und ihre hellen Zähne heben sich deutlich von ihrer dunklen Haut ab. Sie ist Kakaobäuerin und produziert Kakaobohnen in Bio-Qualität für fairafric. „Mein Sohn ist Bankangestellter“, erzählt sie. „Er verdient so viel, dass er niemals auf die Idee käme, seiner Mutter auf ihrer Farm zu helfen!“

Für unsere super faire Schokolade arbeiten wir mit Kleinbauern und -bäuerinnen wie Wida zusammen, die für uns mit viel Liebe und Know-How die Kakaobohnen anbauen, aus denen wir später Eure Lieblingsschokolade machen. Aber was bedeutet es eigentlich konkret, ein afrikanischer Kleinbauer bzw. eine Kleinbäuerin zu sein?

 

In der Regel sieht ein afrikanisches Kleinbauernleben so aus: Ein Bauernehepaar hat zwischen fünf und acht Kinder und baut so gut wie alles, was die Familie zu essen bekommt, selbst an. Dabei helfen die Kinder natürlich mit, denn einen Beruf zu erlenen ist aufgrund der fehlenden Bildung meist utopisch. Die Familie wohnt in kleinen Lehmhütten ohne fließendes Wasser. Frisches Wasser gibt es nur aus dem Dorfbrunnen - falls vorhanden - oder aus Flüssen.

Ein Bad mit Dusche ist ein Luxus, der in den einfachen Hütten von normalen Kleinbauern und -bäuerinnen nicht zu finden ist. Wenn die Familie sich waschen will, dann geschieht das mit Hilfe eines Eimers voller Wasser. Auch eine Toilette im Haus gibt es nicht; manchmal gibt es sogenannte Community-Toiletten (Plumpsklos) im Dorf – sonst bleibt der Busch am Dorfrand.

Um das zu ändern und den Leuten, die für uns arbeiten, eine echte Alternative zu bieten, führen wir den fair trade Gedanken weiter: Unser Ziel ist es, die Lebensqualität der Kleinbauern und -bäuerinnen und die ihrer Kinder merklich steigern können.

Dies gelingt dem klassischen fairen Handel leider nur mehr oder weniger erfolgreich. Denn auch wenn es bei fair gehandlten Produkten mehr Geld für die (afrikanischen) Erzeuger und Erzeugerinnen gibt, ist eine Lohnsteigerung von durchschnittlich 8% durch diverse gängige fairtrade-Marken leider immer noch nicht viel (hier könnt ihr eine genaue Auflistung einsehen, wie sich diese 8% zusammensetzen).

Der klassische faire Handel ist zwar ein Anfang, wird Ländern wie Ghana aber nicht aus der Armut helfen. Deswegen gehen wir einen entscheidenden Schritt weiter und setzen auf Prämien, um „unseren“ Kleinbauern und Kleinbäuerinnen, die für uns Kakao anbauen, mehr Geld zu  bieten und dadurch ein besseres Leben zu ermöglichen.

So können wir durch den Bio-Anbau und durch die daraus resultierende Qualität durchschnittlich 600$ Prämie pro Tonne Kakaobohnen bezahlen– das ist eine riesen Summe!

Ein großer Teil des Geldes fließt direkt in Trainings und Zertifikate für die Kakaofarmer*innen, damit sich diese so fort- und weiterbilden können. Diese Trainings haben zwei große Vorteile: Kommen Kakaobohnen von geschulten Farmer*innen, bestehen sie bei den Qualitätskontrollen von COCOBOD und werden abgenommen.Der noch größere Vorteil ist aber, dass die geschulten Bauern und Bäuerinnen ihre Erntemenge deutlich erhöhen können.

Die Farmer*innen haben vor der Schulung meist nie ein richtiges Training bekommen, wie man am besten eine Farm bewirtschaftet – und mit neuem Wissen läuft vieles leichter und effektiver. Durch diese Erfolge motiviert, erweitern daraufhin viele der Kleinbauern und -bäuerinnen ihre Farmen, weil sie realisieren, dass man damit gutes Geld verdienen kann.

Und der verbleibende Teil der Prämie? Den zahlen wir direkt in bar an die Bauern und Bäuerinnen aus. Das sind bei uns 45 Cedis pro Sack, bei dem klassichen fairen Handel sind es 5 Cedis für die gleiche Menge an Kakaobohnen. Wir waren neugierig und haben einige der Kleinbauern und -bäuerinnen besucht und nachgefragt, was sie mit dem Extra-Geld anfangen.

Dabei hat sich ein klares Bild abgezeichnet, in welcher Reihenfolge das Geld eingesetzt wird:

- Schulgeld für die Kinder > Bildung ist leider sehr teuer in Ghana
- Kochen (Töpfe, Teller - Besteck gibt es nicht, in Ghana wird mit der Hand gegessen)
- Salz, Zucker
- Gebühr für Mühlen (die aus Palmölkernen des eigenen Gartens für Palmöl mahlen)
- Hygieneartikel

Und sollte dann noch Geld übrig sein, fließt es in „Luxus“, wie:

- Telekommunikation (meist alte Handies ohne Internet)
- Mobilität (Verwandte und Freunde besuchen)
- Haus erweitern oder für eines der Kinder ein Haus bauen

 

Wir finden, dass sich das nach wunderbaren Erfolgsgeschichten anhört, die fleißigen Menschen zu echter Lebensqualität verhelfen. Wida findet das auch. Sie ist die eingangs erwähnte Kleinbäuerin, die es mit unseren Prämien geschafft hat, zwei ihrer Söhne studieren zu lassen. Einer der zwei Söhne ist so Lehrer geworden, der andere Bankangestellter. Ihr auf der Farm zu helfen würde ihnen nicht einfallen – sie verdienen genug.

Darauf ist Wida sichtlich stolz - Und wir sind es auch.