Was bedeutet eigentlich bio?

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Und wann spricht man von “ökologischer Landbau“? Und warum tragen einige fairafric-Schokoladen ein Bio-Siegel und andere nicht? Mit diesem Blogartikel versuchen wir dieser Frage auf den Grund zu gehen.

Fangen wir an mit einer Definition. Gemäß des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) ist ökologischer Landbau definiert als eine ressourcenschonende und umweltverträgliche Wirtschaftsform, die sich am Prinzip der Nachhaltigkeit orientiert.

So sind im ökologischen Landbau beispielsweise keine chemischen Pflanzenschutzmittel erlaubt und die Fruchtbarkeit der Böden wird durch natürliche Dünger sichergestellt. Dies schont Mensch und Natur.

Hinter diesen Prinzipien stehen wir als fairafric natürlich voll und ganz. Als Social Business stehen wir schon mit unserem Namen dafür, dass wir durch unser Handeln soziale und ökologische gesellschaftliche Probleme lösen möchten[1]. Dabei schließen sich soziale und ökologische Ansätze keinesfalls aus.

Deshalb haben wir uns im Sommer 2017 dazu entschieden unsere Schokolade nicht nur komplett in Ghana zu produzieren, sondern diese Schokolade auch in Bio-Qualität anzubieten. Die Suche nach den entsprechenden Lieferanten war gar nicht so einfach – schließlich besteht Schokolade nicht nur aus Kakaobohnen, sondern auch aus Zucker, Milchpulver (sofern es sich um Vollmilchschokolade handelt) und Sonnenblumenlecithin.

Alle diese Zutaten beziehen wir mittlerweile in bio-fairer Qualität, wenn auch nicht alle Zutaten aus Afrika stammen. Sonnenblumenlecithin wird beispielsweise in einem höchst komplizierten Prozess gewonnen (mehr dazu unter [2]). Dieses Produkt gibt es in Afrika einfach nicht zu kaufen.

Ähnlich verhält es sich mit dem Milchpulver, das wir in demeter-Qualität von der Molkerei Schrozberg beziehen. Etwas, aber nicht viel einfacher ist es beim Zucker, den wir hoffentlich bald von einer Raffinerie in Mosambik erwerben können.

Bio-Kakaobohnen

Obwohl es unglaublich viele Kakaobohnen in Ghana gibt, war es auch hier nicht einfach, eine passende Kooperative zu finden. Denn nur rund 0,1% des Kakaos, der in Ghana angebaut wird, ist auch bio.

So ist unsere Partner-Kooperative Yayra Glover tatsächlich die einzige Kooperative, die in Ghana zertifizierte Bio-Kakaobohnen anbietet.

Dies ist gleich in mehrfacher Hinsicht wichtig, denn die Zusammenarbeit mit Yayra Glover bedeutet für uns nicht nur die Möglichkeit Bio-Kakaobohnen zu erwerben, sondern auch klare Rückverfolgbarkeit der Bohnen. Jeder einzelne Sack ist gekennzeichnet und kann bis zur Farm zurückverfolgt werden.

Dies ist bei konventionellen Bohnen tatsächlich nicht der Fall. Oftmals weiß man als Produzent also sonst nicht, woher die Bohnen kommen. Durch die genaue Rückverfolgbarkeit können wir den Bäuerinnen und Bauern zudem gezielte Rückmeldungen über die Qualität geben, so dass sie insbesondere auch beim Fermentierungsprozess der Bohnen immer besser werden und unsere Bohnen für ihre sehr gute Qualität bekannt sind.

Damit die Kooperative die Bäuerinnen und Bauern im Bio-Anbau trainieren kann, zahlen wir eine so genannte Bio-Prämie von 600 US$ pro Tonne Kakao (im Vergleich: Die Fairtrade-Prämie liegt bei 200 US$ pro Tonne Kakao) und damit den höchsten Preis, den man in Ghana für Kakaobohnen zahlen kann.

Das EU-Bio-Siegel

Im Oktober 2017 durften unsere Schokoladen erstmals das EU-Bio-Siegel tragen. Doch was bedeutet dieses eigentlich?

Das BMEL schreibt dazu: „Nur Erzeuger sowie Verarbeitungs- und Importunternehmen, die den Anforderungen der Rechtsvorschriften für den ökologischen Landbau gerecht werden und sich den vorgeschriebenen Kontrollen unterziehen, sind berechtigt, ihre Produkte unter den Bezeichnungen „Bio“ oder „Öko“ zu verkaufen.“[3]

 

Das heißt, dass sowohl wir als fairafric, aber auch unsere Partner in Ghana (also die Kooperative Yayra Glover und die Produktion bei Niche Cocoa Industry Ltd) regelmäßig kontrolliert werden. Dabei werden auch Produktproben gezogen.

Wer diese Kontrollen durchführt, kann man übrigens auf dem Siegel sehen: Alle Produkte tragen eine entsprechende Codenummer der zuständigen Öko-Kontrollstelle.

Verzicht auf das Bio-Siegel

Seit Dezember 2018 verzichten wir freiwillig (und vorübergehend) auf das Siegel auf unseren Schokoladen. Denn zum einen hatten wir im Herbst 2018 Schwierigkeiten, Kakaobohnen in lupenreiner Bio-Qualität zu erwerben, und das obwohl unsere Partnerkooperative seit fast 10 Jahren bei allen Überprüfungen ihres Zertifizierers (und eigenen freiwilligen) nie irgendwelche Spuren von Pflanzenschutzmitteln auf den Plantagen feststellen mussten.

Die Bio-Prämie für die Kakaobauern und -bäuerinnen haben wir natürlich trotzdem gezahlt – selbst als die Kakaobohnen keine Bio-Qualität aufweisen konnte. Denn die Kooperative hat uns zugesichert, dass die Bohnen weiterhin nach den Prinzipien des ökologischen Landbaus angebaut wurden und werden und die fehlende Bio-Qualität nicht auf ein Fehlverhalten der Bäuerinnen und Bauern zurückzuführen sein kann.

Daher war es aus unserer Sicht wenig konstruktiv die Prämie zurückzuhalten, zumal dies die schwächsten Glieder in der Kette, nämlich die Bäuerinnen und Bauern, unverhältnismäßig hoch bestraft hätte. Gemeinsam mit der Kooperative sind wir das Problem angegangen und konnten im Jahr 2019 bereits wieder lupenreine, zwei Mal getestete Bio-Bohnen von Yayra Glover erwerben!

 

Warum trägt die Schokolade dann auch 2019 kein Bio-Siegel?

Zuletzt haben zwar die Bohnen den Standards genügt, allerdings gab es Herausforderungen bei der erneuten Zertifizierung unseres Produktionspartners Niche Cocoa. Bis diese Herausforderungen nicht gelöst sind, müssen wir leider weiter auf das EU-Bio-Siegel verzichten.

Da wir weiter klar hinter den Prinzipien der ökologischen Landwirtschaft stehen, arbeiten wir natürlich auch weiter mit den gewohnten Lieferanten zusammen und haben nichts an unseren Zutaten (wie oben genannt: Zucker, Milchpulver & Sonnenblumenlecithin) geändert.

Selbstverständlich halten wir euch auf dem Laufenden, wann es fairafric auch wieder in Bio-Qualität geben wird. So viel sei allerdings gesagt: Wir erarbeiten gerade verschiedene Ansätze, die uns nicht nur erlauben, möglichst bald wieder ein Bio-Produkt zu produzieren, sondern uns auch größere Sorten- und Geschmacksvielfalt ermöglicht!

Für die „Überbrückungszeit“ stöbert gerne in unserem Shop oder schmökert ein paar der anderen neuen Blogartikel zu den Themen Kakaomarkt und demeter-Milchpulver.