Was kann eine einzelne Person schon bewirken? … fragte sich die halbe Menschheit.

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Was kann eine einzelne Person schon bewirken? … fragte sich die halbe Menschheit”

Dann kam Chrissi mit Servus Resi und hat es einfach gemacht. Mit der Eröffnung der ersten Unverpackt-Ladens in München-Sendling hat sich Christine Holzmann einen Lebenstraum erfüllt und bietet im Gegensatz zu Supermarkt-Ketten und Discountern natürlich unverpackt einen Gegenentwurf.

Besitzerin des Unverpackt-Ladens

Interview mit Christine Holzmann

Wie bist du auf die Idee gekommen deinen eigenen Unverpackt-Laden zu eröffnen?

Ich setze mich schon lange mit einem nachhaltigen Lebensstil auseinander. In einer Großstadt im Jahr 2020 stößt man da oft an seine Grenzen: alles ist verpackt, ein Hofladen oder Bauernmarkt nicht immer in der Nähe. Regional ist nicht immer Bio, Vegan ist nicht immer Fair Trade und alles zusammen nicht immer nachhaltig. Ich wollte etwas schaffen, dass uns im Münchner Süden erlaubt, besser einzukaufen.

Wie lange hat die Entwicklung des Ladens gedauert und was waren die größten Herausforderungen?

5 Monate. Die Idee ist Anfang November entstanden und dann haben sich die Ereignisse überschlagen. Alle Türen (bis auf die Finanzierung, die sehr langwierig war und nur mit Hilfe von Freunden und Familie geklappt hat) haben sich mir wie automatisch geöffnet. Ich dachte oft, dass es sich fügt… dass ich meinen Platz gefunden habe und das Schicksal meine “Resi” unbedingt zum Leben erwecken will. Jetzt stehe ich allerdings vor einer unvorhergesehenen und riesengroßen Herausforderung: Eine Geschäftseröffnung während der schlimmsten (Corona)Krise der letzten Jahrzehnte.

Wovon hast Du Dich inspirieren lassen?

Von meiner Kindheit. Ich hatte das Glück, früher jedes Wochenende bei meinen Großeltern auf dem Bauernhof zu verbringen. Ich war mit meinem Opa in den Himbeeren oder auf dem Kartoffelfeld. Ich hab mit meiner Oma Schweine gefüttert, Gemüse gejätet und den Hühnern die Eier unter dem A**** weggeklaut. Und dann haben wir gekocht. Und gegessen. Und es hat geschmeckt… So eine naturverbundene Ernährung ist heute kaum mehr vorstellbar. Regional, unmittelbar, unverarbeitet und unverpackt. Mit meiner “Resi” (meine Großmutter, Urgroßmutter und Ur-Urgroßmutter hießen übrigens Theresia und hatten über viele Generationen einen Tante-Emma-Laden im Allgäu) möchte ich ein stückweit versuchen, dieses Gefühl in den Münchner Süden zu bringen.

Welche Besonderheiten nimmst Du in der Unverpackt-Branche wahr?

Die Betreiber von Unverpackt-Läden, Lieferanten und auch Konsumenten sind sich ihrer Rolle sehr bewusst: Jede Kaufentscheidung hat eine Auswirkung. Aber, wie es so schön heißt: “Be the Change you want to see in the world”. Es geht nicht vordergründig um Profit, sondern um ein ganzheitliches System: gute Löhne, zufriedene Mitarbeiter, Ökostrom. Keine FastFashion. Keine Neon-Beleuchtung, keine irrsinnigen Werbe-Aktionen. Nicht immer mehr und immer besser und immer schneller, sondern etwas mit Substanz schaffen. Viele Menschen sind in gewissen Dingen nachsichtiger geworden (z.B. beim Aussehen von Produkten) und besinnen sich auf das Wesentliche, wie die Qualität.

Hast Du einen besonderen Ratschlag für Menschen, die gerade erst damit anfangen Verpackungsmüll zu vermeiden?

Als allererstes geht es darum, sich selbst bewusst wahrzunehmen. Die Beobachtung dessen, was alles weggeworfen wird. Was davon war nötig, was nicht? Dann fängt man an, bewusste Entscheidungen zu treffen. Kaufeintscheidungen: ich kaufe ab sofort kein verpacktes Obst- und Gemüse mehr. Ich nehme ab sofort eine Thermoskanne Kaffee von zu Hause mit, statt mir einen To-Go-Becher zu holen. Ich kaufe mir ein gutes Stück Seife, statt einen Plastik-Spender. Einen Unverpackt-Laden in der Nähe zu haben, macht natürlich vieles leichter. Ein gutes Starter-Set an Einkaufs-Utensilien sind Lebensmittelsäckchen und Bügelgläser, die es in jedem Unverpackt-Laden zu kaufen gibt. Im Grunde genommen kann alles von zu Hause mitgebracht werden, in das sich etwas einfüllen lässt: Tupperware, eine leere Brot-Tüte, eine ausgespülte Flasche und mit der Zeit fällt es einem immer leichter Verpackungen zu vermeiden.