White Monday – eine Gegenbewegung zum Black Friday

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Der White Monday hat sich seit 2017 als Gegenbewegung zum blinden Konsumwahnsinn etabliert, der seit Jahren auch in Deutschland besonders am Black Friday ausgelebt wird. Zusammen mit dem Überkonsum steigt auch der Müllverbrauch sowie die Umweltverschmutzung.

In diesem Blog-Eintrag wollen wir von den falschen Verheißungen und wahren Kosten des Black Friday erzählen, und viel wichtiger noch: von den Unternehmen und Initiator*innen, die den Black Friday boykottieren und stattdessen zu bewusstem Konsum aufrufen. Der White Monday steht für nachhaltige Ressourcennutzung, überlegten Konsum und Kreislaufwirtschaft.

Wie hat sich unser Konsum in den letzten Jahrzehnten verändert und was hat der Black Friday mit dem White Monday zu tun?

Spätestens mit dem Einzug des Smartphones in unseren Alltag hat sich unser Shopping-Verhalten grundlegend verändert. Die Möglichkeit, online einzukaufen führt zu neuen Möglichkeiten, aber auch einem hemmungsloseren Konsumverhalten. Die Unmengen, die wir hier im Globalen Norden konsumieren, wachsen weiterhin in schwindelerregende Höhen. Auch in Ländern des globalen Südens entsteht mit dem dortigen industriellen Aufschwung Anspruch auf einen erhöhten Konsum, wie wir ihn hierzulande längst als normal empfinden. Die Probleme, die die Ausweitung unseres globalen Konsum- und Wegwerf-Verhaltens mit sich bringt, sind jedoch frappierend. Kurzlebige Produkte mit Unmengen an Müll und langen Lieferketten bedeuten schlimme Folgen für unsere Gesellschaft und die Umwelt. Das World Watch Institute erklärte schon 2010 den weltweiten Konsum als „Klimakiller Nummer eins“. Ihren Höhenpunkt findet dieses Konsumverhalten – die Gier nach mehr, die impulsive Kaufentscheidung, die Jagd nach Rabattaktionen – im schieren Kaufrausch, der an manchen Tagen Motto wird: Der Black Friday. Dieser ist vor einigen Jahren aus den USA nach Deutschland geschwappt und sorgt seither auch hier für Milliardenumsätze im Einzelhandel. So gaben Konsument*innen in Deutschland am Black Friday 2018 rund 2,4 Milliarden aus. Mittlerweile dürfte der Tag des kommerziellen Exzesses, insbesondere bei jungen Menschen, populärer sein als so manch ein nationaler Feiertag. Er ist Realität gewordenes Sinnbild einer Konsumgesellschaft, die sich selbst in mehr und immer mehr vergisst und dabei jede Verhältnismäßigkeit hinter sich gelassen hat.

Definition White Monday und der Einfluss einer zirkularen Wirtschaft im Gegensatz zu einer Linearen

Eine Gegenbewegung des Black Friday, in der neue Hoffnung aufzieht, heißt: White Monday. Die Idee dazu hatte der schwedische Start Up-Gründer Henning Gillberg im Jahr 2017. Die Teilnahme an der #whitemonday-Kampagne wächst seither gewaltig. So nahmen ihm zufolge 2019 bereits über 200 Unternehmen, Influencer*innen und Organisationen daran teil. Aber was hat es mit dieser Gegenbewegung auf sich?

Als Anti-Black-Friday unterscheidet sich der White Monday von anderen Aktionen wie dem Kauf-Nix-Tag. Hier wird nicht der Konsum selbst verteufelt, sondern als Möglichkeit gesehen. Anlass unserer Entscheidung für den Kauf eines neuen Produkts ist häufig, dass ein altes Produkt – etwa Kopfhörer, ein Smartphone oder Kleidungsstück – kaputt ist. Statt ausschließlich unseren Konsum zu adressieren, setzt der White Monday hier an, um im Sinne einer Kreislaufwirtschaft Nutzen aus den Produkten zu ziehen, die wir ohnehin besitzen. Dabei stehen drei Prinzipien im Vordergrund: Reuse, Repair und Rent. Bevor wir neue Produkte kaufen, ist es das Ziel bestehende Produkte wiederzuverwenden, zu reparieren oder zu vermieten und gemeinschaftlich zu teilen.

Der Weg zu einem bewussten Konsum

Am 23. November ist es wieder soweit. „Closed-loop“-Unternehmen, darunter viele Second-Hand-Läden, Lebensmittelretter*innen (wie die App Too Good To Go) und Gebrauchtwarenanbieter*innen werden zeigen, dass ein Verzicht auf die rein kommerziellen Anreize des Black Friday nicht das Ende des Konsums bedeuten muss. Diese Unternehmen verzichten auf jegliche Black-Friday-Aktionen und positionieren sich mit #whitemonday klar für bewussten Konsum und einen mündigen Beitrag zu nachhaltiger Wirtschaft.

Auch wenn fairafric in diesem Jahr kein spezielles White-Monday-Angebot bereitstellt, war es uns ein Anliegen, über diese tolle Bewegung zu berichten. Ganz im Sinne unserer Prinzipien stehen beim #whitemonday nachhaltiger Konsum, die Langlebigkeit von Produkten, der Fokus auf ethische Werte und Verhältnismäßigkeit im Vordergrund. Kreislaufwirtschaft ist ein Modell, das weg vom Immer-mehr-haben-Wollen, von der Fixierung auf das, was wir nicht haben, hin zur Besinnung auf das, was wir haben, zeigt. Die zentrale Frage könnte lauten: Bevor wir Neues konsumieren, was können wir dem abgewinnen, das wir haben? Und wenn wir Neues konsumieren, wie können wir seinen Nutzen langfristig und bestmöglich mit uns und der Umwelt vereinbar machen? Eine Quintessenz könnte lauten: Es gibt genug, solange wir uns nicht im Kaufrausch vergessen – denn ganz im Sinne des antiken Philosophen Epikur, lässt sich sagen: „Nichts genügt dem, für den genug zu wenig ist.“ Und wer weiß: Wenn die ganze Welt jeden Tag White Monday macht… vielleicht wäre sogar genug für alle da! Lasst es uns probieren!