Wie funktioniert der Weltmarkt für Kakao?

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Ihr habt Euch schon immer gefragt, welchen Regeln der Weltmarkt von Kakao folgt? Wie er sich entwickelt und wie sich der Weltmarktpreis bildet? Findet Ihr, dass sich das alles ganz schön kompliziert anhört und habt Ihr keine Lust euch durch dicke Wälzer zu kämpfen? Dieser Blogpost bietet Euch eine knackige aber informative Erklärung!

Wie bildet sich der Weltmarktpreis?

Zum Grundverständnis: der Weltmarktpreis bildet sich auf einem optimal strukturierten Markt durch das Zusammentreffen von Angebot und Nachfrage von Kakaobohnen. Außerdem ist Kakao an der Londoner und New Yorker Börse gelistet. Da Angebot und Nachfrage von Kakao hoch sind, werden oftmals Vorabverkäufe geleistet.

In Ghana werden z.B. 70% der Kakaobohnen ca. 1 Jahr vor der Ernte von der ghanaischen Vermarktungsplattform COCOBOD verkauft. So kann auch unabhängig von kurzzeitigen Preisschwankungen ein Mindestpreis für die folgende Kakaosaison garantiert werden und Preisschocks können abgefedert werden.

Dieser Preis ist aber nicht 1:1 der Preis, der in Ghana für Kakao gezahlt wird, da dort die Vermarktungsplattform COCOBOD den Preis für Kakaobohnen festlegt. Ihr fragt Euch wer COCOBOD ist und wie der Preis, der letztendlich an die Kakaofarmer*innen geht, zustande kommt? Keine Sorge, das wird im Blogpost über den Kakaomarkt in Ghana erklärt! Jetzt geht es erst einmal um die Schwierigkeiten des Kakaopreises.

 

Wie entwickelt sich der Weltmarktpreis für Kakao und welche Schwierigkeiten gibt es?

Lange Zeit konnte ein proportionaler Zusammenhang zwischen Kakaopreis und Lagerbeständen beobachtet werden. Wenn die Lagerbestände stiegen, fielen die Preise im gleichen Verhältnis. Doch diese Sicherheit ist heute nicht mehr gegeben. Das zeigen hohe Preisabstürze bei  nur geringem Anstieg des Lagerbestandes.

 

Dieses Phänomen macht zwei Dinge deutlich. Erstens, dass der Weltmarktpreis für Kakao sehr großen Schwankungen unterliegt und zweitens: je höher der Lagerbestand, desto niedriger der Weltmarktpreis. Denn je höher das Angebot ist, desto größer ist die Verhandlungsmacht der Käufer*innen.

Das Angebot an Kakaobohnen ist stark abhängig von der Ernte, die wiederum von bestimmten Wetterbedingungen wie Regenfälle abhängig ist. Politische und wirtschaftliche Gründe wie Kriege, Handelsbarrieren und Wirtschaftskrisen im Anbauland können darüber hinaus bedeutende Faktoren des Angebots sein.

 

Auch die Nachfrage wird von politischen und wirtschaftlichen Faktoren beeinflusst. Hier spielen die drei multinationalen Konzerne Callebaut, Olam und Cargill, die 2/3 der weltweiten Vermahlung und Weiterverarbeitung betätigen, eine große Rolle[1]. Durch ihre Marktmacht und die oben genannte Verhandlungsmacht, haben sie großen Einfluss auf den Kakaopreis.

 

Diese Nachfrage stagniert seit 2012 und drückt somit nochmals den Preis. Denn wenn viele Kakaobohnen produziert werden, die Nachfrage aber gleich bleibt, sinkt der Preis abermals. Die Preisentwicklung von Kakaobohnen der letzten 70 Jahre könnt Ihr in folgendem Graph erkennen.

Statistik 1: Weltmarktpreis von Kakao 1958-2017

 

Quelle: Tradingeconomics.com

 

In diesem Graph, der nur einen Zeitraum von 2 Jahren abbildet, wird deutlich, dass der Kakaopreis innerhalb von 6 Monaten um 50% fallen kann. Stellt Euch vor, das würde mit Eurem Gehalt passieren!

 

Statistik 2: Durchschnittlicher Preis je Tonne Kakaobohnen im Welthandel, 08/2016 bis 08/2018

Quelle: ICCO 2018

 

Was nach Betrachtung beider Graphen auffällt ist, dass der Preis stark schwankend ist, aber über lange Sicht nicht wirklich steigt. So ist das Preisniveau von heute auch in den 70er Jahren schon erreicht worden. Das große Problem daran ist, dass Kakaofarmer*innen von 2000 Dollar in den 70er Jahren erheblich mehr kaufen konnten als heute.

Ein kleines Beispiel zur Verdeutlichung: 1974 konnte ein Volkswagen Golf für 8.000 DM (ca. 4000 Euro) gekauft werden[2]. Heute kostet er mit ca. 20.000 Euro das Fünffache. Auch ein John Deere Traktor konnte 1972 für unter 10.000 Euro erworben werden, heute hingegen kostet er mehr als das 20-fache![3]

Während also Produkte, die viel Wertschöpfung involvieren und im globalen Norden produziert werden über die Jahrzehnte deutlich teurer werden, stagnieren die Preise für Kakao und andere Agrarrohstoffe des globalen Südens. Deswegen ist es so wichtig, dass wir Wertschöpfung in die Ursprungsländer Afrikas bringen.

Wie es Kakaofarmer*innen konkret ergeht, könnt Ihr hier erfahren. Wollt Ihr jetzt noch wissen, wie der Preis für Schokolade zustande kommt und was Schwankungen des Weltmarktpreises für die Kakaofarmer*innen bedeuten? Dann lest auf unserem nächsten Blogpost direkt weiter! Unsere Made in Africa Schokolade eignet sich bestens als Nervennahrung für die Lektüre. Diese findet Ihr in unserem Onlineshop!

 

Quellen:

[1] „Preisgestaltung in der Wertschöpfungskette Kakao –Ursachen und Auswirkungen“ (Hütz-Adams: 2018)

[2] https://www.focus.de/auto/ratgeber/kosten/tid-27994/autopreise-und-inflation-warum-der-golf-7-eigentlich-10-390-euro-kosten-muesste_aid_853467.html

[3] https://www.tractordata.com/farm-tractors/000/0/6/64-john-deere-4020.html