Wie uns Bienen zu unserer Schokolade verhelfen

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Beim Kauf der Lieblings-fairafric-Schokolade machen sich nur die Wenigsten Gedanken, wie man von einer Kakao-Blüte zu einer fertigen Schokoladentafel kommt. Es lohnt sich aber, denn dahinter steckt ein Prozess voller Überraschungen – und unerwartete tierische Helfer!

Der Kakaobaum – eine ordinäre Pflanze?

Der Ursprung des Kakaos ist klar: der Kakaobaum. Dieser ist aber mitnichten nur ein ganz gewöhnlicher Baum, sondern eher ein außergewöhnliches Gewächs, denn er hat viele Besonderheiten. So kann er eigentlich bis zu 20 Metern hoch werden, wird auf Plantagen aber meist auf wenige Meter gestutzt, um die Kakaoschoten besser ernten zu können. Diese wachsen übrigens ausgefallenerweise direkt am Stamm (man nennt dies Stammblütigkeit) und nicht wie bei anderen Obstbäumen an den Zweigen. Auch beim Standort liebt es der Kakaobaum besonders: Da er sehr schattige Plätze bevorzugt und am besten im Unterholz gedeiht, werden auf Plantagen sogenannte „Kakaomütter“ gepflanzt. Das sind sehr hohe Palmen, meist Bananenpalmen, die die Kakaobäume um viele Meter überragen und ihnen dadurch Schatten spenden. Ein Vorteil dieses Zusammenspiels von verschiedenen Palmen- und Baumarten auf Kakaoplantagen ist die so entstehende natürliche Artenvielfalt, die den Kakaobauern mehrere Einkommensquellen ermöglicht; z.B. durch den Verkauf der Bananen, Kokosnüssen, Moringa uvm.

Von Bienchen und Blümchen – und Mücken

Aber damit ist es mit den kakaoigen Eigenheiten noch nicht getan. Wenn ein Kakaobaum blüht, was er das ganze Jahr über tut, dann bringt er abertausende Blüten hervor. Und diese werden von – richtig, Mücken bestäubt! Eine normale Bestäubung durch Bienen wäre wohl auch zu ordinär für unser geliebtes Schattengewächs. Allerdings werden durch die winzigen Mücken, die sich ebenso wie der Kakaobaum am liebsten im Schatten aufhalten, nur ca. 4% der Blüten bestäubt und befruchtet. Diese Tatsache hat eine Bestäubung per Hand auf Kakaoplantagen auf der ganzen Welt üblich gemacht. Auf unseren Plantagen, die von Bäuerinnen und Bauern der Yayra Glover Initiative bestellt werden, werden die Bäume nicht per Hand bestäubt. Jedoch Teams von sogenannten „Extension Officers“ sorgen dafür, dass die Erträge steigen und die Qualität des Kakaos hoch ist. Sie fahren auf Mopeds von Dorfgemeinschaft zu Dorfgemeinschaft, besuchen andere Bauern und schulen vor Ort den Umgang mit den empfindlichen Kakaobäumen. Dadurch sind die Erträge auf diesen Plantagen außergewöhnlich hoch und gut.
Mit der Bestäubung allein ist es jedoch leider nicht getan: Auch wenn die Blüte erfolgreich bestäubt wurde, garantiert das noch lange nicht, dass daraus eine Kakaoschote entsteht. Weit über die Hälfte der anspruchsvollen Früchte werden nicht reif und sterben ab. Das hat ganz unterschiedliche Gründe: Dürre, Feuchtigkeit, Pilzbefall, Insekten, zu viel oder zu wenig Licht usw. Da die Erfolgsrate beim Heranreifen der Kakaoschoten so gering ist, blüht der Baum das ganze Jahr und bringt gleichzeitig Früchte hervor. Dass ein einziger Baum gleichzeitig Blüten, unreife und reife Früchte tragen kann, ist im Übrigen eine botanische Seltenheit.

Was Bienen mit Bioanbau zu tun und warum sie doch Anteil an unserer Schokolade haben

Mittlerweile ist es weitläufig bekannt, dass der landwirtschaftliche Anbau nach biologischen Richtlinien viele Pluspunkte hat und nicht nur die Natur, sondern auch die Menschen davon profitieren. Die Abkehr vom Monokulturanbau bietet viele Vorteile für die unterschiedlichsten Nützlinge und Pflanzenarten. Klimaschutz durch geringeren Einsatz fossiler Energien, der Verzicht auf Pestizide und Stickstoffdünger für bessere Böden sowie Verbraucher- und Artenschutz sind nur einige weitere dieser Vorteile. In Ghana bedeutet biologischer Anbau auf unseren Bioplantagen aber noch mehr. Der bewusste Verzicht auf Chemikalien, nicht nur auf den Plantagen, sondern ebenso in den Kakaolagern, hat weitreichende Folgen: Das insbesondere in Kakaolagern verwendete Aluminiumphosphid, ein für Bienen hochgiftiges Neonicotinoid, hat neben den Bienen auch auf andere Insekten eine verheerende Wirkung und beeinflusst damit auch die Bestäubung und wirtschaftliche Leistung der umliegenden Plantagen. Diese Gifte nicht einzusetzen ist außerdem gut für ein unbelastetes Trinkwasser und bedeutet zudem, dass wir auf unseren Plantagen eine gesunde Artenvielfalt erhalten. So können unsere Kakaobauern bedenkenlos Bienenvölker in den Plantagen ansiedeln. Das hilf zwar dem Kakaobaum nicht, aber allen umliegenden Pflanzen, die traditionellerweise gerne von Bienen bestäubt werden. Und für die Kakaofarmer stellt die Imkerei eine zusätzliche Einnahmequelle dar. So haben die Bienen also doch noch einen Anteil an unserer Schokolade.

Abschließendes kleines Wissen für Kakao(baum)freunde:

  • Es dauert ca. 2-3 Jahre, bis ein Kakaobaum das erste Mal blüht
  • Die Blüte des Kakaobaums gleicht einer Orchidee
  • Es bedarf durchschnittlich 100.000 Blüten, um zu 50 reifen Kakaoschoten entstehen.
  • Kakaobäume tragen außerhalb 20° nördlicher und 20° südlicher Breite keine Früchte
  • Das Genom des Kakaobohnen-Genotyps Matina 1-6 wurde zu über 90% entschlüsselt und ist auf einer Website für jedermann abrufbar (https://www.cacaogenomedb.org)
  • Die besten Ernten werden bei einer konstanten Temperatur von 25°- 28° Celsius erzielt
  • Die Reifung einer Kakaoschote dauert ca. 5-6 Monate
  • Das Fruchtfleisch der Kakaoschote kann püriert und getrunken werden