Folge 11: From Computers to Chocolate – Richard’s Journey
Vorwort Hendrik
Wenn es nach mir gegangen wäre, wäre Richard wahrscheinlich nie ein Teil von fairafric geworden. Und das wäre etwas, das ich heute sehr bereuen würde.
Im Jahr 2020 bat ich Akua, eine befreundete ghanaische Chocolatière, um Hilfe beim Aufbau einer Ausbildung für Chocolatiers. Meine Idee war, ausschließlich Frauen auszubilden und bezahlte Ausbildungsplätze denjenigen zu ermöglichen, die diese Chance am dringendsten benötigen.
Akua fand die Idee großartig und erklärte sich bereit, den ersten Jahrgang angehender Chocolatiers auszubilden. Allerdings unter einer Bedingung: Es sollte mindestens ein Mann im Team sein – sie war überzeugt, dass das der Teamdynamik guttun würde.
Ich überließ Akua die Auswahl, und so fand Richard seinen Weg in unseren ersten Jahrgang von Chocolatiers.
Was ich erst viel später erfuhr: Mit der Auswahl von „Richie“ ist Akua – vielleicht ohne es bewusst zu planen – genau diesem Prinzip gefolgt: die Chance denjenigen zu geben, die sie am meisten brauchen.
Viel Freude dabei, Richard kennenzulernen!
Euer
Hendrik
Der Anfang einer unerwarteten Reise

Es war das Jahr 2020, und wir hatten gerade unsere neue Fabrik eröffnet. Qualifizierte Mitarbeitende für die Schokoladenproduktion zu finden, war keine leichte Aufgabe.
Obwohl es in Ghana zehntausende – wenn nicht sogar hunderttausende – gut ausgebildete junge Menschen gibt, die Arbeit suchen, gab es praktisch keine Erfahrung in der Schokoladenproduktion.
So entstand die Idee, unsere zukünftigen Mitarbeitenden selbst auszubilden. Die erste Gruppe unserer Chocolatier School sollte aus fünf hochmotivierten jungen Menschen bestehen.
Dass das keine leere Aussage war, zeigte sich auch im damaligen Managementteam: Das 9-köpfige Team bestand aus vier Frauen und fünf Männer.
Meet Richard

Die vier jungen Frauen, die bereits ausgewählt worden waren, baten Akua jedoch, auch einen Mann in das Team aufzunehmen, um für ein besseres Gleichgewicht zu sorgen.
Da Beteiligung und Konsens in der ghanaischen Kultur eine große Rolle spielen, begann Akua darüber nachzudenken, welcher junge Mann diese Chance wirklich brauchen könnte.
Da fiel ihr Richard ein.
Ein vielversprechender Start

Richard war zu diesem Zeitpunkt bereits seit einiger Zeit arbeitslos. Nach seinem Universitätsabschluss hatte er zunächst eine vielversprechende Stelle bei der Regierung bekommen. Leider war die Position projektbasiert und zeitlich begrenzt – und als das Projekt endete, gab es kein Budget, um ihn weiter zu beschäftigen.
Dabei hatte seine Karriere sehr vielversprechend begonnen. Schon früh hatte Richard ein großes Interesse an Computern entwickelt, und seine Familie unterstützte seinen Traum, Informatik zu studieren. Um dieses Studium zu ermöglichen, ging Richard ein großes Risiko ein: Er finanzierte sein Studium mit einem Studienkredit.
Das war eine seltene Chance. In seinem Jahrgang konnten nur etwa 10 % der jungen Menschen in Ghana ein Studium beginnen (zum Vergleich: In Deutschland liegt diese Quote bei etwa 78 %).
Richard wollte seine Familie nicht enttäuschen – und schloss sein Studium mit sehr guten Ergebnissen ab. Dadurch bekam er eine Stelle in einem Regierungsprojekt zur Digitalisierung des nationalen Ausweissystems.
Doch wie so oft in Ghana war auch dieser Job nur vorübergehend. Als das Projekt endete, wurde sein Vertrag trotz guter Leistungen nicht verlängert.
Eine neue Chance

Akua wusste das – und bot Richie die Chance, einen neuen Weg einzuschlagen und das Handwerk des Chocolatiers zu erlernen.
Er zögerte keinen Moment.
Richie wurde schnell zu einem unverzichtbaren Teil des Teams. Als wir Kolleginnen und Kollegen fragten, wie sie ihn beschreiben würden, hörten wir Dinge wie: „Er ist das Herz des Teams“ oder „der Pate der Abteilung“.
Besonders neue Teammitglieder nahm Richie mit offenen Armen auf. Er gab sein Wissen gern weiter und unterstützte andere beim Lernen. Mit der Zeit begann er auch, das Management bei organisatorischen Aufgaben zu unterstützen – etwa bei der Schichtplanung, der Lagerverwaltung oder der Betreuung der Maschinen.
Schließlich führte all das dazu, dass Richie die Position des Assistant Managers angeboten bekam – eine Rolle, die er heute mit großem Stolz und Engagement ausfüllt.
Mehr als nur ein Job
Sein unternehmerischer Geist zeigt sich auch außerhalb der Chocolaterie. Als Richie von unseren zinsfreien Krediten für Mitarbeitende erfuhr, stellte er eine eigene Geschäftsidee vor.
Während seiner Zeit an der Universität tauschten Studierende ständig Bücher untereinander aus, weil es keine erschwingliche Möglichkeit gab, Kopien anzufertigen. Da sich die meisten Studierenden nicht jedes Buch selbst leisten konnten, waren sie auf dieses Teilen angewiesen – was zeitaufwendig war und oft bedeutete, dass sie nur auf ihre eigenen Notizen zurückgreifen konnten.
Seine Idee: einen Copyshop direkt an der Universität eröffnen, damit Studierende unkompliziert Kopien der Bücher machen können, die sie benötigen.
Er erhielt den Kredit von fairafric und betreibt heute einen erfolgreichen Copyshop. Nachdem ihm selbst die Chance gegeben wurde, sich eine Existenz aufzubauen, hat er inzwischen auch Arbeitsplätze für andere geschaffen.
Richie hat inzwischen auch seinen Studienkredit vollständig zurückgezahlt.
Nachdem er seine Ausbildung abgeschlossen und eine feste Stelle bei fairafric bekommen hatte, machte er
