Faire Absichten, faire Preise, fairer Handel?

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Zwischen Label, Siegel und Marken ist es für Verbraucher*innen nicht immer einfach, den Überblick zu behalten, gerade wenn es um fairen Handel und Bio geht. Aber was ist und bringt eigentlich fairer Handel genau? Ist fair chain besser als fair trade? Und was war noch eben der Unterschied zwischen fairtrade Siegel, fairtrade Label und fairtrade Marken? Ein kleiner Wegweiser.

Wer kennt das nicht? Beim Gang in den Supermarkt ist man fest entschlossen, durch sein Konsumverhalten zu helfen und greift deswegen auf zertifizierte Produkte zurück. Kostet mehr, aber das gute Gewissen, dass durch den Kauf geholfen werden möge, ist inklusive. Doch leider ist es hier wie meistens: Gut gemeint ist nicht immer gut gemacht. Wie hoch beispielsweise der Anteil von fairtrade-Rohstoffen in einem Endprodukt ist oder wie viel Prozent des Gewinns bei den Erzeuger*innen landen, ist immer abhängig vom jeweiligen Siegel oder Label. Eine Vereinheitlichung der Kennzeichnungen wäre daher sehr erstrebenswert, doch davon ist der Markt noch weit entfernt. Damit der Überblick leichter fällt, haben wir für Euch drei grundlegende Entscheidungshilfen für den nächsten Einkauf zusammengestellt:

Entscheidungshilfe 1: Der Unterschied zwischen Siegel, Label und Marke

Siegel, auch Gütesiegel oder Gütezeichen genannt, sollen auf die besondere Qualität (wie soziale oder ökologische Eigenschaften des Produktes) hinweisen. Kann, muss aber nicht für eine unabhängige Kontrolle von Produkten durch Dritte stehen. Zu Siegeln gibt es keine gesetzlichen Regelungen, und daher können Siegel individuell erfunden und eingesetzt werden.

 

Das bisher einzige Siegel in der Lebensmittelbranche, für das es einen klaren rechtlichen Rahmen gibt, ist das grüne Bio-Siegel.

 

 

 

 

Ein weiteres, relativ bekanntes Siegel in der Lebensmitteldomäne, das Fische und Meeresfrüchte aus umweltverträglicher Fischerei kennzeichnen soll, ist das MSC-Siegel (Marine Stewardship Council).

 

 

 

 

Der Begriff Label ist eine umfassende Bezeichnung für Wort- und / oder Bildzeichen, die auf Produkten selbst oder deren Verpackung zu sehen sind. Sie weisen auf eine bestimmte Qualität oder Dienstleistung hin. Unterschieden wird in der Lebensmittelbranche hier zwischen Umwelt-, Nachhaltigkeits- und Regionallabel. Einige der bekanntesten Label, die jedoch nicht alle gleich strenge Kriterien haben, sind verschiedene Fairtrade-Label, GEPA, rainforest alliance oder Naturland fair. Die Einhaltung dieser Standards wird kontrolliert und die Lieferketten sind transparent. Eine Übersicht der Labels und die inbegriffenen Schwerpunkte und Kriterien könnt ihr hier kostenlos downloaden.

 

Marken, Handelsmarken und Eigenlabel sollen die Produkte eines Unternehmens von denjenigen anderer Unternehmen unterscheiden und zudem gewisse Vorstellungen bei Kund*innen hervorrufen. Die Käufer*innen müssen hier auf das Versprechen der Verkäufer*innen vertrauen, denn es handelt sich hierbei lediglich um Selbstauflagen, deren Einhaltung durch Dritte meist nicht kontrolliert wird. Als Beispiel sind hier u.a. die Bio- oder Regionalmarken- und Labels großer Handelsunternehmen zu nennen.

 

 

 

 

 

Eine ausführliche Liste online und die Nützlichkeits-Einstufung der einzelnen Label findet ihr hier.

Entscheidungshilfe 2: Die 10 goldenen Regeln des fairen Handels

Die Begriffe „Fair“ oder „Fairer Handel“ sind nicht geschützt und es gibt leider, wie oben bereits erkennbar war, keine einheitliche Zertifizierung. Jedoch haben die European Fair Trade Association (EFTA) und die internationalen Dachorganisationen des Fairen Handels (World Fair Trade Organization (WFTO) und Fairtrade International zehn gemeinsame Fair-Handels-Grundsätze und Prinzipien entwickelt, die sowohl den internationalen als auch den inhaltlichen Rahmen für den Fairen Handel darstellen.

 

Kauft ihr fairtrade-zertifizierte Produkte, könne ihr also darauf vertrauen, dass fairer Handel:

  1. Marktzugang für benachteiligte Produzent*innen schafft.
  2. langfristige, transparente und partnerschaftliche Handelsbeziehungen unterhält und unfairen Zwischenhandel ausschließt.
  3. den Produzent*innen faire Preise zahlt, die ihre Produktions- Lebenshaltungskosten decken und leistet auf Wunsch Vorfinanzierung.
  4. die Position stärkt und die Rechte von Arbeiter*innen und Kleinbäuer*innen sowie ihrer Organisationen im Süden stärkt
  5. zur Qualifizierung von Produzent*innen und Handelspartner*innen im Süden beiträgt
  6. bei der Produktion die Einhaltung der acht ILO-Kernarbeitsnormen gewährleistet.
  7. die Rechte von Kindern sichert und die Gleichberechtigung von Frauen fördert.
  8. den Umweltschutz fördert, z.B. in Form der Umstellung auf biologische Landwirtschaft.
  9. Bildungs- und politische Kampagnenarbeit leistet, um die Regeln des Welthandels gerechter zu gestalten,
  10. durch Überprüfungsmechanismen sicherstellt, dass diese Kriterien eingehalten werden.

 

Fairtrade ist also definitiv ein Ansatz für eine gerechtere Welt. Doch auch dieser Ansatz hat seine Lücken: Im weltweit wichtigsten Kakao-Anbauland, der Elfenbeinküste, haben 58 Prozent der Haushalte im Fairtrade-zertifizierten Kakaoanbau zuletzt so wenig Einkommen erzielt, dass sie unterhalb der absoluten Armutsgrenze lagen. Trotz der oben genannten einheitlichen und anerkannten Grundsätze des fairen Handels haben immer noch alle Fair-Handelsorganisation und Produktsiegel der Fairhandels-Zertifizierer ihre eigenen Kriterien. Vor allem bei Lebensmitteln, die aus mehreren Zutaten bestehen (sog. Mischprodukte), gibt es enorme Unterschiede und beinhalten oft nur eine Zutat aus dem fairen Handel (z.B. bei Schokolade den Kakao). Monoprodukte hingegen, also Produkte, die nur aus einer Zutat bestehen (wie Kaffee, Tee oder Reis) müssen 100% faire Zutaten enthalten sein. Somit gibt es nur hier geringfügige Unterschiede zwischen den einzelnen Fairtrade-Akteuren.

 

 

 

 

Entscheidungshilfe 3: Produktzertifizierungen vs. fairer Handel

Das Ziel des fairen Handels sind gerechtere Handelsstrukturen. So sollen benachteiligte Farmer*innen und Plantagen-Arbeiter*innen ihren Lebensunterhalt aus eigener Kraft und nachhaltig sichern können. Doch auch wenn ein Produkt Fairtrade-zertifiziert ist, ist es meist doch im Verbraucherland hergestellt worden – und damit geht fast der komplette Gewinn im Erzeugerland verloren. Abhängig von der Art des Produkts stellen Fairtrade-Erzeugnisse also oft nur einen minimalen finanziellen Vorteil für die Erzeuger*innen dar. Fairchain denkt den Fairtrade-Gedanken weiter: Die Rohstoffe werden nicht nur im Ursprungsland gewonnen und dann im Ausland verarbeitet, sondern vor Ort verarbeitet und dann erst exportiert. So steigt die Wertschöpfung im Land und das Geld bleibt vor Ort. Der Gedanke der fairen Wertschöpfungskette wurde ursprünglich vom niederländischen Unternehmer Guido van Staveren van Dijk, Gründer des Kaffeeunternehmens Moyee, formuliert. Leider gibt es dafür bisher noch keine Zertifizierung, aber Firmen, die mit der fairen Wertschöpfungskette arbeiten, kommunizieren das meist umfänglich und transparent – so wie wir bei fairafric. Und hier könnt ihr euch als Verbraucher*innen sicher sein, dass ihr mit Euren Konsumentscheidungen wirklich etwas bewegen und verändern könnt. Und das auf sehr angenehme Weise.