Wie funktioniert der Kakaomarkt in Ghana?

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Im letzten Blogpost haben wir erklärt, wie sich der Weltmarktpreis für Kakao bildet. Jetzt fragt ihr Euch bestimmt wie der Preis, der an die Kakaofarmer*innen unserer Partnerkooperative Yayra Glover ausgezahlt wird, zustande kommt? Und was Schwankungen des Weltmarktpreises für die Kakaofarmer*innen bedeuten? Weiter geht’s mit knackigen Antworten!

Ist der Weltmarktpreis der Preis, der an die ghanaischen Kakaofarmer*innen gezahlt wird?

Nein! Der sogenannte farmgate price oder auch Ab-Hof Preis ist der Preis, der den Kakaofarmer*innen für die Kakaobohnen ausgezahlt wird. Das heißt, dass keine Transportkosten oder ähnliche Mehrkosten mitinbegriffen sind, es handelt sich also lediglich um den reinen Nettowert der Kakaobohnen.

Da der Preis ein Fixpreis ist, kann er nicht individuell ausgehandelt werden. Aktuell liegt der von der Vermarktungsplattform COCOBOD festgelegte Preis bei 480 cedis pro 62,5kg-Sack (das sind umgerechnet etwa 100 US$).

Dieser für die Kakaofarmer*innen so wichtige Preis wird von einem Komitee, das aus der gerade genannten ghanaischen Marketingplattform COCOBOD, Kakaofarmer*innen und dem Finanzministerium besteht, zwei Mal im Jahr festgelegt.

Aspekte, die eine Rolle spielen sind erwartete Erntemengen, der Preis der Vorabverkäufen und Kosten der Zwischenhändler, Transportunternehmen, Qualitätskontrollen und interne Aufwendungen der staatlichen Institution COCOBOD, die gedeckt werden müssen.

Nun wird festgelegt, wie hoch der bestimmte Prozentanteil dieses Preises ist, der an die Kakaofarmer*innen geht. Der Rest geht in die gerade genannten Kosten von COCOBOD. Im Schnitt beträgt er ungefähr 70 Prozent des Weltmarktpreises. Klingt kompliziert? Ist es auch!

 

 

Welche Auswirkungen hat der Zusammenfall des Kakaopreises auf Kakaofarmer*innen?

Ein solcher Einbruch des Weltmarktpreises für Kakao hat fatale Folgen für die Kakaofarmer*innen, da COCOBOD sich bei der Festlegung des nationalen Kakaomarktpreises auch an dem Weltmarktpreis orientiert.

Wenn der farmgate price nun drastisch sinkt und die Kakaofarmer*innen keine Möglichkeit haben abzuwarten, da sie auf die Einnahmen angewiesen sind, leiden sie unter erheblichen Preisverlust und geraten oftmals in eine erhebliche Notlage, da nur die wenigsten ihre Ernte zurückhalten können.

Wer genau ist denn jetzt COCOBOD?

Ohne COCOBOD lässt sich der ghanaische Kakaomarkt nicht erklären. Also seid gespannt auf folgende Erklärung! COCOBOD ist die nationale ghanaische Vermarktungsplattform von Kakao, Kaffee und Kariténüssen und wurde 1947 von der ghanaischen Regierung ins Leben gerufen.

Ziel ist es, Produktion, Verarbeitung und Marketing von qualitativ hochwertigen ghanaischen Bohnen und Nüsse anzuregen und zu vereinfachen. Für uns ist vor allem wichtig, dass COCOBOD für die Kakaoproduktion und den Vertrieb zuständig ist.

Unter die Hauptfunktionen fallen: Produktion, Qualitätskontrolle, internes und externes Marketing, Forschung und Ausbau. Den Kakaoexport wickelt die Cocoa Marketing Company (CMC) ab, eine Unterorganisation des staatlichen COCOBOD. Da COCOBOD nicht nur all diese Funktionen übernimmt, sondern auch den Kakaopreis festlegt, führt kein Weg an ihm vorbei.

Was macht COCOBOD für die ghanaischen Farmer*innen?

Macht Euch ein eigens Bild! Es gibt viele Vor- und Nachteile abzuwägen.

DAFÜR:

- Ausgabe von Pestiziden durch die Cocoa Health and Extension Division (CHED)
- Lehre von good agronomic practices
- Forschung durch das Cocoa Research Institute of Ghana (CRIG)
- Ausgabe von Setzlingen durch die Seed Production Division of Cocobod (SPD)
- Qualitätskontrolle durch die Quality Control Company (QCC)
- Vertrieb und Preiskontrolle durch die Cocoa Marketing Company (CMC)

DAGEGEN:

- Kein direkter Handel mit den Kakaofarmer*innen möglich, da der farmgate price festgelegt wird
- Intransparenz bezüglich öffentlichen Ausgaben

 

Und was bedeutet light crop und light crop discount?

Nachdem Ihr nun den Unterschied zwischen Weltmarktpreis und farmgate price wisst und COCOBOD kennt, kommen wir jetzt zum konkreten Kauf von Kakaobohnen. Die ghanaische Kakaoernte besteht aus zwei Zyklen, in denen unterschiedliche Bohnen produziert werden – die der light crop und die der main crop season.

Die light crop Ernte ist im Vergleich zu den main crop Ernte deutlich kürzer und vom Volumen geringer. Die main crop Ernte wird hauptsächlich exportiert, während die light crop Ernte für lokale Mahlwerke durch den light crop discount preislich ermäßigt wird (ca. 15 Prozent weniger als der Weltmarktpreis).

COCOBOD legt auch hier die Preise fest. Licenced buying companies dürfen mit dem von COCOBOD festgelegten Preis nun Kakaobohnen kaufen. Eine davon und darüber hinaus Bio-Firma ist Yayra Glover, bei der wir unsere Bio-Kakaobohnen kaufen. Und wie können die verschiedenen Bohnen bestimmt werden? Ihr werdet es kaum glauben, aber sie werden zur Bestimmung per Hand gezählt!

Tabelle 1: Menge Bohnen und Kategorisierung der Bohnen

Menge der Bohnen Kategorie
> 90 Bohnen für 100g super main crop
91-100 Bohnen für 100g main crop
101-110 Bohnen für 100g super light crop
111-120 Bohnen für 100g light crop

Quelle: Angaben aus unserer Bio-Kooperative Yayra Glover

Und warum ist das wichtig? Die Kakaobohnen mit geringerem Volumen – also die der light crop Ernte – haben natürlich insgesamt mehr Schale und machen damit auch mehr Abfall und sind daher weniger beliebt.

Und wie machen wir das mit den Prämien – wie werden die Prämien verteilt?

Da wir Bio-Kakaobohnen kaufen, zahlen wir 600$ Bonus pro Tonne Kakao an unsere Partnerkooperative Yayra Glover, um den Kakaofarmer*innen einen fairen Lohn zu ermöglichen. Diese zahlt die Prämie an die Kakaofarmer*innen aus. Darüber hinaus investiert Yayra Glover mit den Prämien in Weiterbildungen und Zertifizierungen.

Ihr seht, auch hinter Eurer Lieblingsschokolade steckt eine Menge Volkswirtschaft und Politik. Solltet Ihr noch weitere Fragen zu diesem Thema haben, schaut Euch gerne in unseren FAQ um.

Bis dahin findet Ihr hier nach so viel nervenaufreibender Lektüre Nachschub für Eure Nervennahrungslage.